Kritik no image

Veröffentlicht am 20.10.2015 | von Tobias

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A GIRL WALKS HOME ALONE AT NIGHT – Filmkritik

 Ich hab schlimme Dinge getan.

(The Girl – A Girl Walks Home Alone At Night)

Die iranische Stadt Bad City ist eine Geisterstadt und ihre Bewohner setzen sich zusammen aus Gesetzlosen und einsamen Seelen. Doch kaum einer ahnt, dass in der Stadt ein Vampir auf Rädern sein Unwesen treibt. So geht es auch dem jungen Arash (Arash Marandi). Um die Schulden seinen Vaters zu begleichen muss er seinen geliebten Ford Thunderbird an den Dealer Saeed abtreten. Voller Wut trifft er auf ein geheimnisvolles Mädchen (Sheila Vand) und ist sofort fasziniert von ihr. Sehr schnell realisiert Arash, dass das Mädchen ein Vampir ist. Nacht für Nacht streift sie durch die Stadt auf ihrem Skateboard und erleichtert Bad City um einige grausame Gestalten. In der Stadt, die nichts für Liebe übrig hat, entwickelt sich langsam eine zärtliche Romanze zwischen den beiden.

‚A Girl Walks Home Alone at Night‘ präsentiert sich als wilder Genremix aus Film Noir, Drama und Horror. Nicht gerade eine typische Mischung aus dem Filmmarkt. Was die iranisch-amerikanischen Regisseurin Ana Lily Amirpour hier abliefert ist provokant, neu und erfrischend. Freudig wird man hier Zeuge, dass es doch noch frische Stimmen in der doch so arg tristen Welt des Arthaus-Kinos gibt. Der Film zeigt sich an allen Ecken mit schönen Ideen und ist ein poetischer Diskurs, der unter der Oberfläche, Kritik an der iranischen Bevölkerung äußert.

Neben dieser politischen Komponente ist der Film ein visuelles Highlight. Komplett in schwarz-weiß, werden hier äußerst dunkle und ästhetische Bilder geschaffen. Viele Filmzitate werden über den Film verteilt. Erinnerungen an Kaurismäki oder Jarmusch werden wach. Kein Wunder, dass bei der Premiere in Sundance der Film sofort als Klassiker bezeichnet wurde und überschwängliche Kritiken bekommen hat.

‚A Girl Walks Home at Night‘ ist eine Perle von einem Film. Natürlich ist der Zugang nicht immer einfach – lässt man sich aber auf dieses abgedrehte, poetische Märchen ein, wird man belohnt. Schon lange nicht mehr, hat ein Film auf so vielen Ebenen berührt und ist lange im Gedächtnis haften geblieben. Visuelle wie erzählerisch.

Regie: Ana Lily Amirpour
Darsteller: Sheila Vand, Arash Marandi, Marshall Manesh
DVD-VÖ: 28. August 2015, capelight pictures (Al!ve AG)

 

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Über den Autor

Tobias ist 31, Schwabe aus Überzeugung, trägt aus Prinzip keine kurzen Hosen. Liebt Musik, Bücher, Filme und Schnitzel.



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