Interviews

Veröffentlicht am 13.04.2016 | von Lisa Wilde

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MODERAT – Interview

12957288_10154110256735798_1217468511_nIn einem Interview habt ihr mal gesagt, dass eure erste Platte das Ziel des Zusammenbringens der Welten von Apparat und Modeselektor hatte, die zweite sich dann wiederum sehr bandmäßig entwickelt hat. Was erwartet uns nun auf III?

Sascha: Es ist eigentlich nur die konsequente Fortführung dessen. Bei II haben wir gemerkt, dass es auch anders geht. Über diesen Zeitraum haben wir es mehr auf den Punkt gebracht. Jetzt bei dem dritten Teil sind wir schon mit der Erfahrung ins Studio gegangen alle gleichzeitig an Songs zu arbeiten. Die Ideen kommen schon erstmal separat aber danach beginnt die Demokratie.

Szary: Bei der zweiten Platte wurden die Mutterprojekte eigentlich gar nicht mehr so erwähnt. Es ging wirklich um drei Individuen, die Musik machen.

Sascha: Ich hab auch letztens seit ewigen Zeiten mal wieder ein Plakat gesehen, auf dem unter Moderat klein Modeselektor und Apparat stand. Das interessiert eigentlich keine Sau mehr. Es ist ja mittlerweile sogar so, dass mehr Leute Moderat kennen als die Einzelprojekte.

Als Amateur kann man sich das Songwriting einer klassischen Band noch im Ansatz vorstellen. Bei elektronischer Musik wird es da schon schwieriger. Könnt ihr ein bisschen vom Prozess erzählen, wie eure Songs entstehen?

Sascha: Das ist von Song zu Song unterschiedlich. Manche fangen mit einem Beat an, manchen fangen mit einer Jamsession oder andere sind ganz klassisch auf einem Riff und einer Gesangsmelodie geschrieben. Das Schöne ist, dass wir aus diesem Fundus schöpfen können. Dazu kommt, dass wir alle drei einen ganz unterschiedlichen Ansatz haben. Wir experimentieren mit allen Mitteln, die uns zur Verfügung stehen.

Szary: Am Anfang der Produktion wird ein Topf gefüllt, ein Ordner mit Skizzen. Manche länger, manche kürzer, manche sogar schon mit einer ersten Songstruktur. Manchmal findet man die, die man selbst gemacht hat, total scheiße. Vielleicht entdeckt diese Skizze dann aber einer der anderen und es entsteht daraus was neues.

Bei der Produktion eures letzten Albums habt ihr davon gesprochen, alle um 10 Jahre gealtert zu sein. Wie war das bei III?

Sascha: Wir sind schon so alt. Wenn wir jetzt noch mal zehn Jahre altern würden…

Genau, das wäre meine nächste Frage gewesen: Wie alt seid Ihr dann jetzt?

Szary: Ich bin jünger geworden!

Sascha: Es ist halt immer anstrengend. Man redet viel, muss immer wieder einen Konsens finden. Dafür hat man beim alleine Musik machen nicht einfach so eine zweite oder dritte Meinung parat. Das ist wertvoll.

Gibt es eine klare Aufgabenverteilung unter euch? Klar, Sascha ist für Gesang und Lyrics verantwortlich… aber bestimmt ihr gemeinsam die Inhalte der Songs?

Sascha: Ne, es gibt nicht wirklich eine Aufgabenverteilung. Jeder macht irgendwie alles. Nach der Ideenphase hat die Erfahrung dann oft gezeigt, dass Gernot und ich am Arrangement sitzen und Szary alles fehlende zusammen baut.

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Die Releaseshow im Schlachthof Wiesbaden © Jo Henker

Bei Ghostmother singt ihr erstmals alle mal mit. Ein Mittel zum Zweck oder ist auch die Modeselektor-Fraktion auf den Geschmack gekommen?

Sascha: Das waren ganz praktische Gründe. Wir wollten einen Chor haben und haben festgestellt „hey, wir sind hier mehrere Leute, jetzt singt doch mal!“. Und dann mussten alle Anwesenden ran.

Szary: Macht auf jeden Fall Spaß. Wenn deine Stimme, die du selten im Gesang verwendest, dann so eingebettet wird. Schon ganz geil.

Sascha: Es besteht einfach sehr viel aus Stimme auf dem Album. Nach 20 Jahren elektronischer Musik haben wir nämlich nicht mehr so Bock auf Synthesizer. Für so Butter und Brot Sachen natürlich – aber grundsätzlich suchen wir nach anderen Soundquellen.

moderat-interview-2989Ihr habt einen hohen Anspruch an eure Live-Umsetzung: Wie geht ihr diesmal ran?

Szary: Tatsächlich gehen wir erstmal zurück ins Studio.

Sascha: Man nimmt wirklich noch mal alles auseinander und setzt es wieder neu zusammen. Daraus picken wir uns dann die Sachen raus, die live gespielt werden. Wie in frühen Zeiten der elektronischen Live-Acts, mischt Gernot die Songs dann mit Controllern zusammen. Im Gegensatz zum Studio gibt es da ne ganz klare Rollenverteilung. Die Vorbereitung hat sich diesmal wirklich bezahlt gemacht.

Ihr arbeitet ja schon seit Anfang an eng mit der Pfandfinderei zusammen, eigentlich prägen sie euren kompletten visuellen Auftritt. Haben die da komplett freie Hand oder seid ihr in ständiger Absprache?

Szary: Wir sprechen eine ähnliche Sprache, weil wir zusammen groß geworden sind. Von daher ist da schon ein ziemliches Vertrauen dahinter. Natürlich gibt es aber auch da immer mal wieder Kleinigkeiten, mit denen man vielleicht nicht zufrieden ist. Aber das ist prozentual recht wenig.

Was erwartet den Konzertbesucher bei der anstehenden Tour? Man hört, dass ihr die Visuals etwas reduzieren und den Fokus auf euch legen möchtet?

Sascha: Machen wir tatsächlich. Das ist auch dieser Band-Werdung geschuldet. Wir haben jetzt ein bisschen mehr auf der Bühne zu tun und stehen deswegen natürlich auch mehr im Vordergrund.

Szary: Schön ist, auch dass wir jetzt endlich länger spielen können. Eigentlich der Hauptgrund, für die dritte Moderat Platte. Normalerweise geht man zurück zu seinen eigenen Projekten, wir dachten uns aber: Nein! Wir brauchen halt noch mehr Songs!

Man hat das Gefühl euch ist eine ausgesuchte Clubwahl sehr wichtig, in einigen Städte musste dann doch schnell in große Hallen hochverlegt werden… Wie erlebt ihr das?

Sascha: Es ist ein bisschen blöd, irgendwann hat man nicht mehr richtig die Option. Wir müssen da schon ein bisschen mit dem Flow gehen. Wir können ja jetzt nicht in kleinen Clubs bleiben und alle bleiben vor der Tür. Da hilft es manchmal nur sich Mühe zu geben, eine vernünftige Anlage hin zu basteln und lang am Sound zu optimieren.

Euer Studio wie auch euer Label-Büro von Monkeytown ist ja an einem Ort. Inwiefern stellt das den perfekten Arbeitsplatz dar?

Sascha: Eigentlich überhaupt nicht, ich war ziemlich dagegen.

Szary: Wir mussten Regeln aufstellen, die natürlich oft gebrochen wurden. Es war eigentlich klar, dass es diesen festen Studiozeitraum gibt aber dann kam doch…

Sascha: … „hier kurz eine Frage, eine Unterschrift!“

Szary: Irgendwann haben wir einfach den anderen Eingang benutzt.

Ist III die Vollendung einer Triologie?

Sascha: Abgeschlossen ist das Ganze nicht. Kann sein, dass wir uns beim nächsten Album vielleicht mal einen Namen für die Platte ausdenken. Oder einfach mit vorangegangen Dingen brechen.

Szary: Einfach genial – wir sind drei Typen, haben drei Alben gemacht… Vielleicht ist in der Spezialedition noch eine heimliche vierte Platte drin? Wir genießen jetzt erstmal die dritte Platte und spielen sie hoch und runter.

Vielen Dank euch beiden!

 

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© Jo Henker

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