Musik

Veröffentlicht am 30.05.2016 | von Dorota

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PANTHA DU PRINCE – THE TRIAD

 

Pantha Du Prince - The Triad CD-Kritik

Wenn ein Album durch ein Buch inspiriert wird wie ‚The Romantic Machine. Utopian Science and Technology after Napoleon“ von John Tresh und ein Produzent wie Pantha du Prince dieses während einer Produktion liest, dann darf man sehr gespannt sein was dabei raus kommt. Industrial? Expressionismus? Dadaismus? Denkt man an Maschinen, denkt man an Monotonie, an laute Umgebungen, identische Produktionsergebnisse und das Verschwinden von Menschen, die in den Prozess eingreifen können.

Hendrik Weber, der Kopf hinter Pantha Du Prince, hat auf seinem neuesten Album ‚The Triad‚ dieses Thema aufgegriffen – allerdings neu interpretiert. Monotonie scheint nur vordergründig zu existieren, eben so wie man elektronische Musik generell einordnen würde. In Wahrheit finden kleine Prozesse statt, die zu immer spannenderen musikalischen Themen zusammenschmelzen, so wie in ‚In An Open Space‚.
Alles auf ‚The Triad‘ klingt eher ruhig und nicht brachial wie eine große, laute Maschinenhalle, in der man sein eigenes Wort nicht mehr verstehen kann. Hendrik Weber schafft hier den Spagat zwischen angenehmer Hintergrunduntermalung, aber auch der Möglichkeit in einzelnen Songs und deren Klangstrukturen zu versinken. ‚Chasing vapour trails‚ ist dafür ein gutes Beispiel, denn hier muss man nicht hinhören, wenn man sich aber darauf einlässt verfällt man in einen Strudel in dem die Aufmerksamkeit nur noch den Klängen gewidmet ist und die Konzentration auf etwas anderes deutlich erschwert wird. Wichtig ist, dass der Hörer sich darauf einlassen will, sich als Teil des Prozesses sieht, sonst steht man einfach nur in einem Raum, den man nicht versteht und der ein wildes Durcheinander von Klängen beinhaltet.
Widmet man sich nun jedem einzelnen Song wird einem auch klar, dass hier Monotonie und makellose Songs weit weg sind. Kleine ‚Fehler‘ oder ‚Störungen‘ werden absichtlich eingebaut, sei es durch Klänge, die auf einmal in einer anderen Tonart hervorstechen oder die zu laut oder zu leise erscheinen. Hendrik Weber hilft sich dabei mit abwechselnden Musikern wie Joachim Schütz, Stephan Abry, Scott Mou, Bendik Hovik Kjeldsberg, Kassian Troyer und Thilo Kuhn. Dadurch fließen unterschiedliche Ideen und Auffassungen von der romantischen Maschine in jeden einzelnen Track.

Pantha Du Prince hat es dem Zuhörer mit ‚The Triad‘ nicht leicht gemacht, denn von einem simplen Dance-Album kann hier keine Rede sein. Zehn Songs, die Interpretationsbedarf benötigen, perfekt für den Musikunterricht und einer ausschweifenden Analyse einzelner Songs. Hat man sich darauf einmal eingelassen, ist ein unbeschwertes Hören fast nicht mehr möglich. Das macht es für das Alltagshören schwierig, auf der anderen Seite gibt es endlich mal wieder ein Album, das seine Hörer fordert, zu entdecken, nachzudenken, Schlüsse daraus zu ziehen. Wer sich das zutraut hat lange Freude an ‚The Triad‘.

4von5

Pantha Du Prince – The Triad
VÖ: 20. Mai 2016, Rough Trade/Beggars Group
www.panthaduprince.com
www.facebook.com/panthaduprince


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