Kritik

Veröffentlicht am 29.05.2018 | von Julius Tamm

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Augenblicke: Gesichter einer Reise – Filmkritik

Augenblicke - Gesichter einer Reise Plakat

„Wir machen einen Film.“
„Das ist der Plan.“
„Aber was genau?“
„Eine neue Art von Bildern.“

(Agnès Varda und JR planen ihre Reise)

 

In einer Welt, in der jede Person in der Lage ist, ein Foto zu machen und es dann nach Belieben verändern kann, braucht es manchmal einen schlichten Blick auf das große Potenzial der Fotografie. Wenn wir unsere Bilder auf Instagram, Facebook oder Snapchat online bringen, geht es nur noch um die Selbstinszenierung. Emotionen und Aussagekraft fallen dabei oft hinten über.

Das genaue Gegenteil davon findet sich in den Arbeiten von Agnès Varda und dem Streetart-Künstlers JR. In ihren Werken geht es um die Menschen, ihre Bedeutung in der Welt und um die Emotion des Bildes. Mit ihrem gemeinsamen Filmprojekt Augenblicke: Gesichter einer Reise kombinieren sie ihr Talent zu einer emotionalen Reise durch Frankreich.

Varda und JR sitzen gemeinsam in Vardas Wohnung und planen ihre Reise. Soll ihr Ziel dem Zufall überlassen werden oder soll es einen festen Reiseplan geben? Das Duo einigt sich darauf, ohne Plan durch die Provinzen von Frankreich zu fahren und einfach die Leute zu fotografieren, die ihnen über den Weg laufen. JR ist berühmt dafür, seine Fotoinstallationen in Übergröße an Wänden zu plakatieren. Diese Technik wollen die beiden Fotografierenden auch für Augenblicke: Gesichter einer Reise anwenden und so fotografieren sie Firmenmitarbeiter*innen in Gruppen und installieren die Bilder an einem Aufgang innerhalb der Fabrik, oder sie kleben das Bild einer Frau auf ihr Haus, die als Letzte in einer sonst verlassenen Grubenarbeitersiedlung wohnt. Die Reise führt Agnès Varda und JR durch alle möglichen Gebiete Frankreichs, von der Provence bis zur Normandie und der Zufall lässt sie auf eine Vielzahl interessanter Leute und Geschichten treffen.

Wie schon in der Einleitung angemerkt, ist dieser Film eine Hommage an die Möglichkeiten der Fotografie. Mit kaum einer anderen Kunstform kann ein Moment, eine Emotion oder ein Blick so gut festgehalten werden, wie mit der Fotografie. Diese Fähigkeit nutzen Varda und JR bestmöglich aus und zeigen, was Kunst losgelöst von einem festen Ort, zum Beispiel dem Museum, mit den Menschen machen kann. Noch viel spannender ist dieser Film jedoch durch seinen fehlenden Anspruch eine Dokumentation zu sein. Es ist einfach eine Reise Seite an Seite mit zwei der größten Fotografen der Gegenwart und einem persönlichen Blick in ihr Leben und Schaffen. Leider fehlt dem Film ein gewisses Ziel, wodurch es schwer nachzuvollziehen ist, wo der Film mit den Zuschauer*innen hin möchte. Soll am Ende ein Blick auf die provinzielle, französische Gesellschaft stehen oder doch eher ein Sammelband? Diese fehlende Struktur macht es einem nicht leicht, dem Geschehen zu folgen und es besteht die Gefahr, nach einigen Sequenzen abzuschalten. Dennoch lädt Augenblicke: Gesichter einer Reise zum Verweilen, sinnieren und entspannen ein. Er löst uns aus einer so hektisch gewordenen, immer schnelleren und digitalen Welt und gibt uns eine Oase, in der wir uns nur auf uns Menschen und unser Miteinander konzentrieren können.

 

Augenblicke: Gesichter einer Reise
Regie: JRAgnès Varda
Darsteller: Jean-Paul Beaujon, Amaury Bossy, Yves Boulen
Kinostart: 31. Mai 2018; Weltkino Filmverleih

 

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Über den Autor

Seit 2017 Masterstudent für Medienentwicklung in Darmstadt. Schreibt für bedroomdisco und produziert Podcasts, u.a. für ZEIT Wissen. Führt ab und an durchs Schlossmuseum Darmstadt.



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