Interviews

Veröffentlicht am 5.09.2018 | von Dominik

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DAS PARADIES – Interview

Foto-© Jo Henker

Aufregende Tage für Flo Sievers, der neben seinem von uns schon lange sehr geliebten Talking To Turtles-Projekt, dieser Tage mit seinem neuen Projekt Das Paradies sein Debütalbum veröffentlichte. Danach ging es direkt wieder auf die Straße, als Support für Element Of Crime und einige Festival-Shows. Darunter auch bei unserem Golden Leaves Festival. Wir haben uns mit Florian per Mail verabredet und ihn mit Fragen gelöchert – zum Paradies, zum Wechsel zur deutschen Sprache hin, DDR-Synths und vielem mehr!

Künstlerinfos:

– Bandname: Das Paradies
– Mitglieder: Florian Sievers
– Gründungsjahr: 2017
– Standort: Leipzig
– aktuelles Album: Goldene Zukunft

Fragebogen:

Moin Flo, schön dich wieder auf diesen Weg „zu treffen“, zum ersten Mal als Das Paradies! Wie kam es dazu und wann entstand die Idee für Das Paradies?
Hi. Die Lieder auf dem Paradies-Album sind in der Band-Pause von TtT entstanden. Ein Stolpern im Müßiggang sozusagen. Man fällt fast ins Schlagzeug, das reißt eine Gitarre um, die rutscht auf ein Keyboard und man hält sich gerade noch am Klavier fest. Und zufälligerweise steht ein Mikrofon im Raum und schneidet mit. So, oder so ähnlich ist es passiert. 

In welcher Situation kamst du auf den Bandnamen? Was bedeutet er für dich?
Der kam so aus dem Nichts. Ich kann mich zumindest nicht erinnern durch irgendetwas darauf gestoßen zu sein. Aber wer weiß, vielleicht bin ich, ohne es zu merken, mal an einem Paradies mehr als sonst vorbeigelaufen. Fahrrad-Paradies, Autoparadies, Früchte-Paradies, Stoff-Paradies, Möbelparadies. Es gibt ja einige.

Mit der neuen Band-Identität kommt auch die Änderung hin zu deutschen Texten – warum hast du dich hier für deine Muttersprache beim Texten entschieden, welche Vorbilder hast du dir dafür genommen und war es letztlich einfacher oder schwerer beim Schreiben?
Es war keine Entscheidung. Ich hab aus Spaß an der Freude mit ein paar deutschen Phrasen rumgespielt und das ist anscheinend aus dem Ruder gelaufen. Schwerer, leichter? Ich schätze, es ist das Gleiche, nur anders.

Auch im Sound hat sich einiges getan, einige rohe Kanten sind in der Produktion zu den Talking To Turtles-Alben verschwunden, auch ist der Sound – bis auf 1-2 Ausnahmen – etwas fröhlicher. Hattest du von Anfang an eine Idee wie die Songs klingen sollten oder wie hat er sich entwickelt?
Als Band hat man nach zwei, drei Alben vielleicht einen musikalischen Rahmen im Kopf, in dem man sich bewegt, mehr oder weniger durchlässig in viele Richtungen. Die Paradies-Songs hatten das nicht. Mit der letzten Turtles-Platte hatten wir auch schon Spaß mit Synthesizern und Ähnlichem. Gleichzeitig hatte ich mir ein kleines Studio zusammengebastelt und einem Kaufrausch auf eingschlägigen Kleinanzeigen-Portalen gefrönt. Trashige Keyboards für wenig Geld und einiges andere mehr. Es gab noch eine Dauerleihgabe eines alten DDR-Synths und ein Klavier für 30 Euro. Der Rest hat sich dann so ergeben.

An welchen klanglichen und inhaltlichen Vorbildern hast du dich orientiert?
Konkrete Vorbilder hatte ich in dem Sinne nicht. Das Bauchgefühl richtet wohl das meiste. Aber das muss ja auch irgendwo herkommen. Man hört Musik, die man mag und welche die man nicht mag. Und man merkt sich beides, mal bewusst, mal unbewusst. Und das ist dann vielleicht der eigene Filter, durch den alles durch muss.

Die Songs entstanden in Zusammenarbeit mit Simon Frontzek – wie lief diese ab, wie arbeitet Simon und wie hat er das Album und den Sound beeinflusst?
Entstanden sind die Songs quasi eremitenhaft in meinen kleinen Studio in Leipzig. Aufgenommen, verworfen und wieder aufgenommen. Das dauert bei mir gern auch mal recht lang, und das wollte ich keinem antun. Irgendwann hatte ich ein Instrumentarium, das mir ganz gut gefiel und aus dem ich mich für die nächsten Songs bedienen konnte. Simon und ich kennen uns schon sehr lang. Ab einem gewissen Punkt dreht man sich allein im Kreis und wird im Zweifelsfall wunderlich. Simon kann sehr gut spiegeln, was man gerade macht, hat ein tierisches Ohr und kann Knöpfe drehen wie kein zweiter. Immer wenn wir beide Zeit hatten, haben wir in Berlin und Bochum, irgendwo zwischen Kneipe und Studio, die Lieder zu Ende produziert.

Kannst du ein bisschen erzählen wie das Debüt entstanden ist, was der beste/was der schlimmste Moment während der Produktion war und welche Anekdote du bisher am meisten aus der Zeit erzählt hast?
Diese fiktiven Anekdoten dürfen gern verbreitet werden: Die Streichermelodie in dem Song Discoscooter ist ein Modern Talking-Sample. Danke Dieter. Eine vergessene Zigarette hat während der Aufnahmen zu Die Giraffe streckt sich fast einen Studiobrand ausgelöst. Kann ja mal passieren.

Der Albumtitel suggeriert eine „Goldene Zukunft“ während es gerade an allen Ecken und Kanten eher kritische Zustände zu bemängeln gibt, deine Lyrics relativieren dann jedoch vieles wieder. Wie siehst du aktuell das Zeitgeschehen und die Stimmung in Deutschland?
Ich versuche mir vom aktuellen Testosteron-Haushalt der Welt nicht die Laune verderben zu lassen. Schwierig.

Wie kam es zur Zusammenarbeit mit Grönland Records?
Durch Zufall.
Was bedeutet Erfolg für dich bzw. wie definierst du ihn für dich?
Vielleicht es ist es ein Erfolg, dass die Songs veröffentlicht werden. Das hatte ich ursprünglich nicht vor und hat sich erst später ergeben. Ich sehe es eher als ein sehr glückliches Privileg. Eine Definition hab ich nicht parat, möchte aber unabhängig davon an dieser Stelle auf den Song „Erfolg“ vom Album „Erfolg“ des Künstlers „Erfolg“ verweisen.

Was bedeutet das Projekt Das Paradies für Talking To Turtles? Wie ist da aktuell der Stand?
Wahrscheinlich dauert es bis zum nächsten TtT-Album nun etwas länger als gedacht. Aber ich hab mal gehört Pausen seien auch Musik.

In die Entstehungszeit von Das Paradies und vom Debüt, fällt auch deine Beteiligung an Burkini Beach, wo du live in der Band mitspielst – wie kam es dazu bzw. wie dazu, dass nun im Gegenzug auch Das Paradies mit den gleichen Musikern spielt? Und was sind die Vorteile davon?
Rudi Maier alias Burkini Beach, einige andere und ich verbringen recht viel Zeit miteinander. Das hat sich glücklicherweise so ergeben.

Was hast du in 2018 gelernt?
Time goes by.

Welcher Song bringt dich immer zum Tanzen?
Welches Getränk wäre leichter zu beantworten.

Wie würde deine Bedroomdisco aussehen?
Sehr dunkel, sehr leise.

Das Paradies Tour:
22.09. Reeperbahn Festival, Hamburg
28.09. Kulturbrücken Jungbusch, Mannheim
29.09. Lagerhaus, Bremen
30.09. Way Back When, Dortmund
27.10. Moritzhof, Magdeburg
28.10. Alte Mälzerei, Regensburg
30.10. Ilses Erika, Leipzig
01.12. Peter-Weiss-Haus, Rostock
03.12. Lido, Berlin
05.12. Schlachthof, Wiesbaden
06.12. Merlin, Stuttgart
07.12. Milla, München
08.12. Franz Mehlhose, Erfurt

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