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Veröffentlicht am 29.10.2018 | von Susan

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PETERLICHT – Wenn wir alle anders sind

Peter Licht Wenn Wir alle Anders Sind Cover

Foto-Credit: ©Christian Knieps

Ich hab mich abgemüht mit Menschen
Ich hab versucht sie zu verstehen
Ich hab mit einigen gesprochen
Und manchmal hab ich wen gesehen
Ich versuchte neue Mützen
Doch eigentlich suchte ich einen neuen Kopf

Ich aß kein Fleisch mehr, nur noch Gemüse
Nie nie nie nie nie nie mehr Fleisch!
Ich suchte einen anderen Muskel
Ich suchte, ich suchte
Ich suchte einen anderen Muskel
Doch eigentlich suchte ich ein neues Herz

(Peter Licht – Menschen)

 

Wenn das Leben einem Theaterstück gleicht, dann wird dieses ab dem 19. Oktober von PeterLicht und seiner neuen Platte Wenn wir alle anders sind begleitet. Er übernimmt aber nach sieben Jahren der musikalischen Abstinenz nicht nur die lyrische Komponente, sondern gleich die gesamte Hauptrolle. Denn auch hier überschreitet der Kölner Indie-Musiker nicht nur physikalische Gesetze der Musiklandschaft, sondern einige Songs sind treffenderweise auch in seinem Bühnenstück Tartuffe oder das Schwein der Weisen wiederzufinden.

So auch der Opener Chipslied, der in alter PeterLicht-Manier humoristisch anfängt und schließlich als Exposition in den Fragen des Lebens endet. Aber auch Candy Käsemann findet sich sowohl auf dem Album, als auch auf der Bühne wieder und durchlebt eine komplette Steigerung der Sinnfrage neu. Der Song Menschen bildet schließlich den Höhepunkt. Ein Versuch bei sich selbst Fehler einzugestehen und schließlich daran zu scheitern. Das retardierende Moment wird schließlich mit Die Nacht, als Einsicht des großen Ganzen eingeleitet, bis es mit Umentscheidungslied, samt Autotune-Stimme, zum Abgang der Szenerie kommt.

Dabei schafft er mit seinen eingängigen Strophen und Arrangements eine gezielte Brücke in die Gegenwart und rutscht von Alltäglichen immer wieder ins Surreale. Doch während er alle musikalischen Gesetze gegen eine Wand fährt, zerbricht er nicht daran, sondern arbeitet lieber die unterschiedlichen Optionen einer Situation heraus.

Bei PeterLicht weiß man was kommt, oder eben auch gerade nicht. Der Vielfältigkeit sind dabei bekanntlich keine Grenzen gesetzt. Das Gesamtpaket wirkt dadurch das ein oder andere Mal eher wie eine Generalprobe, als das eigentlich vollendete Stück; den ein oder anderen Ohrwurm wird man allerdings nicht vermeiden können. Auch Phrasen wird man in den allgemeinen Wortschatz übernehmen, also Wenn ein Glas bricht, verlieren sich die Splitter, sonst bräuchte das Glas keinen Bruch und damit hoch die Tassen auf die PeterLicht’schen Lebensweisheiten.

PeterLicht – Wenn wir alle anders sind
VÖ: 19. Oktober 2018, Tapete Records
http://www.peterlicht.de
http://www.facebook.com/PeterLichtMusik

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Über den Autor

Susan wohnt in Hamburg und wollte früher hauptberuflich Groupie werden, bis ihr ein Exfreund einen Song auf Myspace widmete. Der hat bis heute 200 Klicks. Von ihr.



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