Kritik

Veröffentlicht am 7.12.2018 | von Julius Tamm

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HOTEL ARTEMIS – Filmkritik

Für die Guten gibt es immer einen Sicheren Ort – ein Krankenhaus, eine Kirche oder eine Festung. Doch wo verstecken sich die Bösen, wenn es sie mal so richtig erwischt hat? Drew Pearce liefert in seinem Film Hotel Artemis eine Antwort. Ein geheimes Krankenhaus, das sich um die Opfer der anderen Seite kümmert. Hier treffen die unterschiedlichsten Persönlichkeiten aufeinander und das Chaos ist vorprogrammiert. Leider bleibt Pearces Film nur an der Oberfläche und verpasst die ein oder andere Chance, eine wirklich gute Geschichte zu erzählen.

Das Los Angeles des Jahres 2028 ist ein Kriegsschauplatz. Nicht zwischen zwei Nationen, sondern zwischen einem unkontrollierbaren Mob und einem Trinkwasserkonzern. Nachdem die Wasserversorgung privatisiert wurde und die Preise durch die Decke gehen, demonstrieren die Bürger und Bürgerinnen auf der Straße und legen alles in Schutt und Asche, was ihnen in den Weg kommt. Diese Situation nutzen Sherman (Sterling K. Brown) und sein Bruder Lev (Brian Tyree Henry) aus, um eine Bank auszurauben. Nachdem sie aber von der Polizei erwischt und angeschossen werden, sehen sie keine andere Chance, als in das Hotel Artemis zu gehen – ein hochtechnologisches und geheimes Verbrecher-Krankenhaus. Dort werden sie von der Krankenschwester Jean (Jodi Foster) und ihrem Assistenten Everest (Dave Bautista) empfangen und versorgt. Die beiden Brüder sind jedoch nicht die einzigen „Gäste“ des Etablissements, auch der Waffendealer Acapulco (Charlie Day) und Shermans Ex-Freundin Nice (Sofia Boutella) haben sich jeweils ein Zimmer gebucht. Wenn viele Verbrecher und Verbrecherinnen auf engem Raum zusammen sind, führt das unweigerlich zu Ärger. Als dann noch der Wolfking (Jeff Goldblum), der Mafiaboss von LA, eincheckt, spitzt sich die Lage im und außerhalb des Artemis immer weiter zu.

Privatisierung des Trinkwassers, Hightech-Medizin und jede Menge Ganoven mit spannender Vergangenheit – das sollte eigentlich reichen, um einen guten Cyberpunk-Film zu drehen. Drew Pearce verpasst aber leider die Chance, auch nur eine der Stränge in irgendeiner Form auszubauen. Die wirklich gute Inszenierung von Jodi Foster wird dadurch zerstört, dass die Nacherzählung der tragischen Geschichte ihres Sohnes auf abrupte und langweile Weise endet. Voller Spannung wird hier das Publikum fallen gelassen. Auch die angedeutete Romanze zwischen Sherman und Nice verläuft einfach im Sande und schafft es nicht, irgendeine langwirkende Sympathie für die Charaktere aufzubauen. Schwache Figuren sind eine Sache, aber nicht auf eine enorm spannenden und unsere Zeit betreffende Thematik wie die Wasserversorgung und deren Privatisierung einzugehen, lässt den ganzen Film plump erscheinen. Die kriegsähnlichen Zustände der Stadt scheinen wichtiger zu sein, als die moralischen und sozioökonomischen Ausmaße dieses Konfliktes. Sie sind nur eine sehr dünne Rahmenhandlung, die viel Potenzial gehabt hätte. Es steckt wirklich viel Zunder in diesem Film, leider fehlt der Funke, der ihn entzündet.

Hotel Artemis (USA 2018)
Regie: Drew Pearce
Darsteller: Jodie Foster, Sterling K. Brown, Sofia Boutella, Jeff Goldblum, Jenny Slate, Zachery Quinto
Heimkino-VÖ: 3. Dezember 2018, Concorde Home Entertainment

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Über den Autor

Seit 2017 Masterstudent für Medienentwicklung in Darmstadt. Schreibt für bedroomdisco, FRIZZ Darmstadt und produziert Podcasts.



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