Kritik

Veröffentlicht am 6.05.2019 | von Julius Tamm

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SPIDER-MAN: A NEW UNIVERSE – Filmkritik

„Können Tiere in dieser Dimension sprechen? Ich will nicht, dass er ausflippt“

(Spider-Ham – Spider-Man: A New Universe)

Kennt ihr das, wenn ihr einen Film schaut und von Anfang bis Ende nicht drauf klarkommt – einfach, weil er so intensiv und überraschend ist? Ungefähr so ging es mir mit Spider-Man: Into the Spider-Verse von Bob Persichetti, Peter Ramsey und Rodney Rotham. In der Reizüberflutung, die aktuell das Marvel Cinematic Universe darstellt, ist dieser Animationsfilm eine wunderschöne Abwechslung. Wir haben ihn uns zum Heimkino-Release noch einmal angesehen.

Mit ironischem Ton erklärt uns Peter Parker (Chris Pine) aka Spider-Man seine Lebensgeschichte. Wir hätten das ja schon alles mal gehört, aber trotzdem gibt es hier einen kleinen Abriss über den Spinnenbiss, hin zu Onkel Bens Tod und dem schrägen Tanz von Tobey Maguire aus Spider-Man 3 (2007). Die Botschaft ist klar – das hier wird nicht noch eine Originstory der netten Spinne aus der Nachbarschaft. 

Dann ein Cut, weg von Spider-Man hin in das Zimmer von Miles Morales (Shameik Moore). Miles ist ein Teenager aus Brooklyn, der es geschafft hat an einem Spitzeninternat aufgenommen zu werden. Schnell ist zu spüren, dass der Junge aus Brooklyn überhaupt keine Lust auf seine Eliteschule hat und lieber mit seinen Freunden auf einer normalen Schule abhängen würde. 

Der einzige Ausweg aus dieser sich so falsch anfühlenden Welt ist Miles Onkel Aaron (Mahershala Ali). Zwar hat Miles Vater schon anklingen lassen, dass sein Bruder nicht auf dem rechten Weg sei, aber das ist dem Teenager egal. Bei einer nächtlichen Tour durch verlassene U-Bahn-Tunnel passiert dann das, was wir schon zigmal in Comics, Filmen und Spielen gesehen haben – den Biss einer radioaktiven Spinne. Diesmal heißt das „Opfer“ aber nicht Peter Parker, sondern Miles Morales. 

Nach dem Vorfall entdeckt auch Miles besondere Kräfte in sich und beschließt noch einmal die Tunnel aufzusuchen und dem Ganzen auf den Grund zu gehen. Zufällig platzt in einen Kampf zwischen dem echten Spider-Man, einem gigantischen Green Goblin und dem Kingpin (Liev Schreiber). Dieser versucht, ein Dimensionsportal zu öffnen, um seine verstorbene Familie zu retten. Das Ganze geht jedoch völlig schief und am Ende liegt es an Miles den erneuten Start der Maschine zu verhindern. Dabei hat er ungewöhnliche Hilfe – das Portal hat zwar Kingpins Familie nicht zurückgebracht, aber dafür Wandkrabbler aus den verrücktesten Paralleluniversen.  

Die Regisseure Persichetti, Ramsey und Rotham haben mit Spider-Man: Into the Spider-Verse nicht einfach nur einen weiteren Superhelden-/Marvel-Film produziert, sondern ein ironisches Werk über das Erwachsen-Werden, Verantwortung, Gefühle und Träume. Auf charmante Art und Weise wird uns gezeigt, dass wir Gefühle jeglicher Art zulassen dürfen und was passiert, wenn wir sie zu lange verdrängen. Vor allem in einer Gesellschaft, in der Männer als Väter oft noch emotional verschlossen sind, ist es schön zu sehen, wie Miles Vater im Laufe des Films versteht, dass er mit Strenge nicht weiterkommt. Drückt er seine Gefühle dem Sohn gegenüber aus, wird auch ihr Verhältnis zueinander besser. Umrahmt wird diese ergreifende Geschichte von einem mitreisenden Soundtrack aus Rap, Soul und Deep House, sowie spektakulären Animationen. Durch den Stil des Films, der eine Mischung aus Borderlands, Life is Strange und Pixar ist, wird das Publikum für fast zwei Stunden auf eine fantastische Reise mitgenommen. 

Spider-Man: A New Universe
Darsteller: Shameik Moore, Jake Johnson, Liev Schreiber
VÖ: 18. April 2019, Columbia Tristar DVD Vertrieb

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Über den Autor

Seit 2017 Masterstudent für Medienentwicklung in Darmstadt. Schreibt für bedroomdisco, FRIZZ Darmstadt und produziert Podcasts.



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