Kritik

Veröffentlicht am 18.10.2019 | von Dominik

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BURNING – Filmkritik


Foto-© Capelight Pictures

Jeder von uns hat Probleme.

(Haemi – Burning)

Schon seit mehr als 20 Jahren gilt der südkoreanische Regisseur Lee Chang Dong als ein Filmschaffender, der komplexe und vielschichtige Stoffe auf die Leinwand bringt, wie kein anderer und der nebenbei auch immer seine Heimat portraitiert. So verwundert es auch kaum, dass sein Film Burning in 2018 einen Preis bei den Filmfestspielen in Cannes gewann und in der Branchenzeitung Screen International mal eben die höchste Punktzahl aller Zeiten einheimste. Seine Figuren sind zumeist Außenseiter, Randfiguren und auch physisch oder psychisch an ihren Grenzen und immer inmitten sozialer, wie politischer Reibungsflächen. Zum Heimkino-Start von Burning haben wir uns den Film, der auf der Kurzgeschichte Scheunenabbrennen vom nicht minder renommierten Autor Haruki Murakami basiert, noch mal angeschaut.

Jongsu (Yoo Ah-in) stammt aus einer einfachen Bauernfamilie, die Eltern leben getrennt, der Vater muss sich vor Gericht verantworten und er selbst wäre gerne Autor, verdient sich aber gerade relativ ziellos in verschiedenen Gelegenheitsjobs ein bisschen Geld. Bei einem dieser Jobs trifft er auf seine frühere Nachbarin Haemi (Jeon Gong-seo), die ihn kurzerhand auf ein Date entführt, woraufhin die beiden im Bett landen. Doch statt einer großen Romanze bleibt Jongsu erstmal nur der Haus- und Katzen-Sitter-Job, bricht Haemi doch schon kurz darauf auf, um eine Reise nach Afrika anzutreten. Einige Zeit später kehrt sie zurück, mit einer neuen Bekanntschaft. Ben (Steven Yeun) ist reich, fährt Porsche, was er beruflich macht ist schwer zu deuten und als Hobby brennt er gerne Gewächshäuser ab. Haemi ist auf jeden Fall fortan nur noch in Bens Begleitung anzutreffen…und kurze Zeit später komplett vom Erdboden verschwunden. Jongsu ist sich sicher, dass Ben etwas damit zu tun hat. Er muss Haemi finden.

Burning verführt den Zuschauer auf viele Weisen – durch die wunderschönen Bilder, durch Versatzstücke aus den verschiedensten Filmgenres, sodass man zu keiner Zeit sicher ist, in welche Richtung das Geschehen wohl triften wird und inhaltlich, indem die Geschichte komplett aus der Wahrnehmung von Jongsu erzählt wird. Er ist somit gleichzeitig Protagonist, wie Spielball seiner eigenen Wahrnehmung, verliert er sich doch immer mehr zwischen Realität, Einbildung und Wunschdenken, sodass man schnell nicht mehr zu erahnen weiß, was real ist und was nicht. Und auch die Szenerie des Geschehens lässt tief blicken: Explodierende Jugendarbeitslosigkeit, die direkte Bedrohung durch Nordkorea, die Kluft zwischen Arm und Reich – all diese Dynamiken drängen Jongsu immer mehr mit dem Rücken an die Wand und erschaffen eine dichte Atmosphäre, die sich mal tragisch, mal beklemmend windet und Burning trotz vordergründig langen Einstellung und wenig Action doch hochspannend macht. Und über allem liegt ein schleierhafter Nebel aus Rauch – Lee Chang Dong ist mal wieder großes Kino gelungen, dem Capelight Pictures mal wieder eine wunderschöne Sammleredition gewidmet hat. Pflichtkauf für Freunde von anspruchsvollem, wie dem asiatischen Kinos.

Beoning (KOR)
Regie: Lee Chang Dong
Darsteller: Yoo Ah-in, Steven Yeun, Jeon Jong-seo
Heimkino-VÖ: 11. Oktober 2019, Capelight Pictures

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