Kritik

Veröffentlicht am 20.05.2020 | von Julius Tamm

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QUEEN & SLIM – Filmkritik

„Why do black people all need to be excellent? Why can’t we be ourselves?“

Ein Luxus der Demokratie sollte eigentlich Sicherheit sein. Die Sicherheit, dass, wenn uns Leid droht, wir eine Anlaufstelle haben – egal ob Polizei, Justiz oder Entscheidungsträger*innen. Doch leider gilt diese Sicherheit in vielen Demokratien wie den USA nur für bestimmte Gruppen von Menschen. Schwarze, Immigranten, Homosexuelle, Frauen, sie alle werden all zu oft von der eigentlich Schutz bietenden Instanz Staat allein gelassen, wenn nicht sogar bedroht. Regisseurin Melina Matsoukas zeigt in ihrem Film Queen and Slim, wie es ist, allein gelassen zu sein im Kampf gegen einen rassistischen Staat und schafft eine Narration die sehr nah an der Realität liegt.

Queen (Jodie Turner-Smith) und ihr Tinderdate Slim (Daniel Kaluuya) sind nach einem unspektakulären Essen auf dem Heimweg als sie von einer Polizeistreife angehalten werden. Das Setting ist klar, sein Ausgang auch. Es ist eine Situation, die so plakativ, so eindeutig ist, dass wir Zuschauer*innen schon wissen, was gleich passieren wird. Eine Situation die uns aus den Nachrichten und aus anderen Filmen nur zu bekannt ist. Willkürliche Polizeikontrollen, die gezielt POC (People of Colour) herauspicken und oft tödlich für die Kontrollierten enden. Doch in dieser Geschichte ist es der Cop, der am Ende tot auf dem Bordstein liegt. Erschossen aus Notwehr, nachdem er Queen ohne Grund ins Bein geschossen hatte. Während bei Slim der moralische Kompass einsetzt und er sich stellen will, ist der jungen Anwältin Queen schon längst bewusst, was ihre Optionen sind. Entweder sie stellen sich und landen in dem System, das solche rassistischen Polizeieinsätze unterstützt, oder sie fliehen. Und so begeben sich die beiden Flüchtigen auf eine Reise quer durch das Land, um einen sicheren Zufluchtsort zu finden. Auf dem Weg zur vermeintlichen Freiheit lernen die beiden nicht nur sich selbst besser kennen, sondern auch, dass sie nicht ganz alleine sind.

Die Geschichte, die uns Matsoukas mit Queen and Slim erzählt, geht so unter die Haut, weil sie real ist. Es ist realer Alltag für tausende POC nicht nur in den USA. An sich ist sie auch keine neue Geschichte. Und doch ist es einer der ersten Filme, der sich mit einem fast ausschließlich schwarzen Cast diesem Alltagsrassismus widmet. Es ist eine Selbstermächtigung des Narratives, ein „Wir erzählen euch unsere Geschichte“. Leider verläuft der Film in manchen Teilen zu eindimensional. Zu oberflächlich wird das rassistisch durchwucherte System der USA beschrieben. Immer nur Cops zu zeigen, die Schwarze erschießen, verdeckt den Blick auf viel strukturellere Probleme. Denn das ganze Justizsystem, die ganze amerikanische Gesellschaft ist durchzogen von Rassismus. Vielleicht ist das aber auch zu viel für einen Film. Vielleicht müssen wir Queen and Slim als Anstoß, als Weckruf sehen, auf den eine Zeit des schwarzen, politischen Kinos folgt.

Queen & Slim (2019)
Regie: Melina Matsoukas
Darsteller: Daniel Kaluuya, Jodie Turner-Smith, Bokeem Woodbine, Chloe Sevigny
DVD/BluRay-VÖ: 21. Mai 2020, Universal Pictures Germany GmbH

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Über den Autor

Hat irgendwas mit Medien studiert, schaut gerne Filme und trinkt zu viel Tee. Schreibt für bedroomdisco, FRIZZ Darmstadt und bei hr-iNFO Online



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