Musiknews Phoebe Bridgers © Frank Ockenfels

Veröffentlicht am 3.06.2020 | von Dominik

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Bedroomdisco Top Alben – Juni

Foto-© Frank Ockenfels

Schaut man auf die Straßen und Plätze in der Stadt, scheint sich das Leben um uns herum langsam wieder zu normalisieren – einzig weiterhin on hold: die Kulturszene, die bis auf ganz wenige Ausnahmen zum weiteren Stillstand gezwungen ist. Statt Konzerten und Festivals konsumieren wir daher auch weiterhin Musik nur in Vinyl oder Streaming-Form, freuen uns in diesem Zuge aber umso mehr auf die anstehenden Veröffentlichungen im Juni! Unsere Alben des Monats!

1. Phoebe Bridgers – Punisher (VÖ: 19.06.2020)

Phoebe Bridgers - Punisher Album Art

2017 erschien das Debütalbum der US-amerikanischen Songwriterin Phoebe Bridgers und auch wenn man zur Veröffentlichung das Gefühl hatte, dass Stranger in the Alps etwas untergegangen war und es sich nur um eine weitere beliebige Songwriterin mit melancholischen Songs handelte, scheint es bei Bridgers einfach nur etwas länger gedauert zu haben. Mittlerweile sind die Songs des Albums sehr vielen ans Herz gewachsen, genauso wie die Arbeiten Bridgers, die sie mit der Female-Indie-Supergroup boygenius veröffentlichte oder mit ihrem Kolaborations-Projekt Better Oblivion Community Center. Drum ist natürlich die Erwartung umso höher für das Zweitwerk, für das Bridgers sich aber durchgängig sich selbst treu geblieben ist und auf dem sie einen wieder auf eine emotionale Reise mitnimmt – nicht aber ohne auch immer wieder mit ihrem ihr eigenen Humor zwischendurch auch aufzulockern.

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2. Gordi – Our Two Skins (VÖ: 26.06.2020)

Irgendwie wusste man nicht so recht, wo man Gordis Debütalbum Reservoir zur Veröffentlichung einsortieren sollte…kommt da die neue Pop-Hoffnung aus Australien, handelt es sich doch um eine Folk-Songwriterin oder loopt und frikelt sich da gerade eine Klangtüftlerin zur Nachfolge ihres Labelkollegens Bon Iver? Doch hey – bei einem Debüt muss ja noch nicht immer alles sitzen und daher darf es darauf noch einige Ab- und Umwege geben, was den Sound angeht. Umso spannender, dass sich Sophie Payten, wie Gordi eigentlich heißt, nun auf ihrem Zweitwerk so aus einem Guss zeigt und die Stärken in ihrem Songwriting und in ihrem Sound so gekonnt herausstellt, dass es einem unentwegt den Atem zu rauben droht. Ohne Zweifel ein großer Wurf und ein großes Zweitwerk, das im Juni unbedingt in den ruhigen Momenten Gehör bekommen sollte.

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3. Haim – Women In Music Pt. III (VÖ: 26.06.2020)

Das Schwestern Trio Haim ist zurück und Danielle, Este und Alana beweisen mit dem Nachfolger zum Debütalbum Something To Tell You, dass sie spielerisch zwischen luftig-optimistischen Pop-Songs umherspringen können, ohne jemals den Hörer dabei aus den Blick zu verlieren. So klingt der Sommer-Soundtrack in 2020: verspielt, sexy, entspannt und mit der ein oder anderen Vintage-Anleihe.

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4. Khruangbin – Mordechai (VÖ: 26.06.2020)

Gerade in der aktuellen Zeit sind Bands wie Khruangbin und ihre Musik so wichtig, verleitet der einzigartige Mix der verschiedenen Musikstile und Einflüsse des texanischen Trios doch wie kaum ein anderer sich in den eigenen vier Wänden in andere Umgebungen und exotische Szenarien zu träumen. Umso mehr auf ihrem neuen Werk Mordechai, das mal mit sonnendurchtränkte groovy Disco-Sound an durchtanzte Festival-Abende erinnert und einen im nächsten Song voller Wehmut und einer Prise Gegenwind im Cabrio eine Küstenstraße entlang sausen lässt. Und das alles dann auch noch mit für die Band ungewohnt viel Gesang, hat man sich doch nach früheren vereinzelten Spoken Word-Einlagen dazu entschlossen, sich vermehrt verbal mitzuteilen – und das gleich in 14 Sprachen! Und genauso vielfältig, wie emotional ist Mordechai dann auch, mit dem gewohnten nomadischen Spirit!

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5. Braids – Shadow Offering (VÖ: 19.06.2020)

Das kanadische Trio Braids ist wohl hierzulande noch den wenigsten ein Begriff – leider, wie das neue, von Chris Walla (Death Cab For Cutie) produzierte Album Shadow Offering noch mal zeigt. Denn die Art-Rock-Band hat darauf die nächste Stufe ihrer musikalischen Entwicklung erklommen, weiß wie man große Pop-Hymnen baut, um sie im nächsten Song in einem monumentalen Ungeheuer von vielschichtigen Song wieder einzureißen und gleichzeitig nie ihre Wurzeln und ihre elektronischen Einflüsse der vorherigen Alben zu vergessen. Während sich Sängerin Raphaelle Standall-Preston (einigen auch von ihrem anderen Projekt Blue Hawaii bekannt) mit ihrem Gesang ebenso so vielseitig zeigt, wie nie zuvor. Großes musikalisches Kino!

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Newcomer:

1. Muzz – Muzz (VÖ: 05.06.2020)

Muzz ist eine neue Band, wenn auch die einzelnen Musiker darin wohl bekannt sind. Allen voran natürlich Paul Banks, Sänger von Interpol, Teil von Banks & Steelz oder auch bekannt durch seine Soloprojekte Banks oder Julien Plenti. Die beiden anderen Mitglieder sind Matt Barrick an den Drums (The Walkman, Jonathan Fire*Eater, Tour-Drummer bei den Fleet Foxes) und Josh Kaufman, der ein Teil der Indie-Folk-Band Bonny Light Horseman ist und bei Produktionen von The National, The War On Drugs oder The Hold Steady mitgewirkt hat. Paul + Matt + Josh = Muzz. Gemeinsam haben sie über die Jahre in verschiedenen Sessions einen Sound gefunden, der so zeitlos, wie groß und packend ist, dass das selbstbetitelte Album wohl jetzt schon zu den kleinen, feinen Highlights des Jahres gehört!

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2. Sports Team – Deep Down Happy (VÖ: 19.06.2020)

Da ist sie wieder, diese britische Indie-Rock Band, die Gitarren-Rock, Pogo und Dosenbier endlich wieder Salonfähig macht! Sports Team sorgt in UK schon seit einiger Zeit mit ihren Songs und sagenumworbenen Auftritten für Aufregung – und mit der Veröffentlichung ihres Debüts wissen nun auch alle anderen warum. Eingängige Riffs, augenzwinkernde Texte, die aber auch mal die Politik in den Fokus nimmt und ein Frontmann, der mal komplett irre und dann wieder charismatisch und super cool daher kommt. Wir bügeln schon mal die Röhrenjeans und hungern uns in das alte Stück rein!

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3. Jules Ahoi – Dear ____ (VÖ: 12.06.2020)

Jules Ahoi hat sich in den letzten Jahren als surfender Folk-Musiker (oder als Folk-Musik machender Surfer, je nach Blickwinkel) einen Musik in der hiesigen Szene gemacht, reiste im verrosteten Bulli von Show zu Festival, zur nächsten Welle und hielt sich mit Straßenmusik und Model-Jobs über Wasser. Mit seiner Rückkehr nach Deutschland und seinem Umzug nach Köln bekam er schließlich das erste Mal das Gefühl, angekommen zu sein. Mit Dear _____ verarbeitet er die für ihn persönlichen Einschnitte der vergangenen Jahre, in denen wir uns alle wiederfinden können. Wie den Tod seines Vaters, die Sorge um seine trauernde Mutter und die Trennung von seiner Freundin. Gleichzeitig ist der Sound größer, liebäugelt mehr mit Pop und großen Melodien als zuvor und zeugt von einem neuen Selbstbewusstsein.

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Wiederkehren: STRFKR – Future Past Life

Schon bald zehn Jahre verfolgen wir das wilde Treiben der Herren STRFKR, die mit ihrem kruden Psych-Elektro-Pop und einer unerschöpflich wirkenden Kreativität ausgestattet permanent für spannenden Musik-Output stehen. Und dem steht auch das neue, im April einfach kurzerhand digital veröffentlichte Future Past Life in Nichts nach, sondern wirkt vielmehr wie eine konsequente Weiterführung des letzten, auch schon sehr guten MGMT-Albums, gekreuzt mit einer Prise Phoenix, das trotz all der wahnwitzigen Ideen nie überladen oder schwer wiegt, sondern einen einfach auf einen wilden Trip einlädt. Ganz ohne Drogen, dafür aber auf jeden Fall grenzüberschreitend und verdammt gut!

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Über den Autor

Bedroomdisco-Gründer, Redaktions-Chef, Hans in allen Gassen, Golden Leaves Festival Booker, Sammler, Fanboy, Exil-Darmstädter Wahl-Hamburger & happy kid, stuck with the heart of a sad punk - spreading love for great music since '08!



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