Kritik

Veröffentlicht am 19.06.2020 | von Dominik

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THE LODGE – Filmkritik

Was, wenn wir tot sind?

(Aidan – The Lodge)

Mit ihrem Spielfilm-Debüt Ich seh Ich seh sorgte das österreichische Regie- und Autoren-Duo Veronika Franz und Severin Fiala für ordentlich Aufsehen im Horror-Genre – ihr neustes Werk entsteht dementsprechend direkt für den internationalen Markt in englischer Sprache und in Zusammenarbeit mit der legendären Horror-Produktionsschmiede Hammer Films, die seit Anfang der 1930er (zwar mit 20-jähriger Pause) für einige Genre-Klassiker verantwortlich zeichnet! Grund genug zum Heimkinostart einen eiskalten, wie schaurig-atmosphärischen Trip zu The Lodge zu unternehmen!

Als die Mutter von Mia (Lia McHugh) und Aidan (Jaeden Martell) erfährt, dass ihr Ex-Mann seine neue Freundin Grace (Riley Keough) heiraten will, sieht sie keinen anderen Ausweg als sich das Leben zu nehmen. Um etwas Abstand zu bekommen und damit seine Kinder und seine Freundin eine Bindung aufbauen können, fährt die Familie im Winter in ein entlegenes Ferienhaus in die Berge, wo der Vater sie zurücklässt, um noch etwas zu arbeiten. Die Katastrophe scheint schon vorprogrammiert, gerade da die beiden Kinder nicht die einzigen sind die ein Traumata aus der Vergangenheit zu verarbeiten hat…

Es ist die Erwartungshaltung und das Vorwissen aus ähnlich gelagerten Stoffen, mit denen das vielgelobte Newcomer-Regie-Duo bei The Lodge ausgiebigst und ohne jegliche Eile spielt. Lange, stille Aufnehmen, ein dunkel, holzverschlagenes Haus in der winterlichen Einöde, voller Erinnerungen und mit drei traumatisierten Bewohnern wider Willen. Und es ist die unheilhafte Atmosphäre der Bilder des großartigen Kameramanns Thimios Bakatakis, der ansonsten zumeist für Yorks Lanthimos (The Killing Of A Sacred Deer) die Bilder einfängt und hier die Perspektive wirkungsvoll verschiebt. So nehmen häufig die Zimmerdecken ungewohnt großen Umfang im Bild ein, während man sich als Zuschauer wie nach unten versetzt fühlt.

Immer wieder legen die Macher falsche Fährten aus, um einen letztlich mit einem nicht wirklich logischen Twist kurz zu enttäuschen und dann doch durch die atemberaubende Konsequenz, wie sie den Film zum bitteren Ende führen, wieder zu versöhnen. Und wie schon das Debüt hallt auch The Lodge noch lange in einem nach, was wieder für die Qualität der Arbeit von Franz und Fiala spricht – und dafür, dass das Horror-Genre auch in 2020 noch frische, wie spannende Ideen zu bieten hat!

The Lodge (USA, UK 2019)
Regie: Veronika Franz, Severin Fiala
Darsteller: Riley Keough, Richard Armitage, Lia McHugh, Jaeden Martell, Alicia Silverstone, Lola Reid
Heimkino-VÖ: 12. Juni 2020, LEONINE

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Über den Autor

Bedroomdisco-Gründer, Redaktions-Chef, Hans in allen Gassen, Golden Leaves Festival Booker, Sammler, Fanboy, Exil-Darmstädter Wahl-Hamburger & happy kid, stuck with the heart of a sad punk - spreading love for great music since '08!



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