Kritik

Veröffentlicht am 23.07.2020 | von Malte Triesch

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Kinotipp der Woche & Filmkritik: EDISON – EIN LEBEN VOLLER LICHT

This is a battle for the brightest minds of America.
(Thomas Alva Edison – The Current War)

Visionär Thomas Edison (Benedict Cumberbatch), Entrepreneur und Altruist George Westinghouse (Michael Shannon) und das Genie Nikola Tesla (Nicholas Hoult) sind im Wettrennen Strom und somit Licht und das Potential für weitere elektrische Maschinen in die gesamten USA zu bringen. Für die drei Männer ist dies weit mehr als nur ein Kampf um Profit und Marktmacht. Es geht um unterschiedliche technologische und gesellschaftliche Ansätze, vor allem aber geht es um die Egos der drei Männer. Ein sehr persönlicher Wettkampf also, der jedoch die USA, wenn nicht die ganze Welt, nachhaltig beeinflusst hat.

The Current War (Edison – Ein Leben voller Licht) ist primär die Geschichte von Thomas Edison, seinem Konflikt mit George Westinghouse und dann noch ein wenig Nikola Tesla dazwischen. Das ist zunächst lobenswert, denn während die Namen Tesla und Edison recht geläufig sind, ist die Geschichte von Westinghouse eher unbekannt. Leider wird diese besonders im ersten Drittel zwar optisch sehr dramatisch inszeniert, bleibt aber inhaltlich blass. Das Grundproblem des Films ist, dass alle Ebenen des Konflikts nur angerissen und keine richtig ausgebaut wird. Wirtschaftliche Herausforderungen kommen und gehen auf beiden Seiten und werden scheinbar mühelos überwunden. Technische Herausforderungen werden so stark simplifiziert, dass sie wirken, als wären sie eher ideologische Fragen, denn echte technische Hürden und werden im Weiteren meist in Nebensätzen gelöst. Im Fokus steht der sehr persönliche Wettkampf der drei Männer und dieser wird, vermutlich ob dem Respekt, der allen dreien gebührt, nicht besonders bissig ausgetragen. Zwar werden zumindest zwei der Drei Konkurrenten charakterlich gut herausgearbeitet, stehen aber eher für sich, als dass ihre gemeinsame Geschichte ein spannendes Ganzes ergib. Der dritte Mann, Nikola Tesla, wird dabei leider auf die Rolle der Schachfigur im Wettkampf der anderen beiden reduziert. Auch weil Nicholas Hoult hier sehr gute Arbeit abliefert verschenktes Potential. Wenn die Herren ihre Differenzen tatsächlich so gentlemanlike gelöst haben und man dies löblicherweise korrekt darstellen wollte, dann wäre dies am Ende dennoch kein spannender Film, sondern eine gute Dokumentation. Dafür fehlt es jedoch an den hierfür wichtigen Fakten über die Emotionsebene hinaus. Nahezu über jeden Zweifel erhaben ist jedoch die Besetzung, die sich mit Dr. Strange (Benedict Cumberbatch), Hank McCoy/Beast (Nicholas Hoult), General Zod (Michael Shannon) und Spider-Man (Tom Holland als Assistent von Thomas Edison), wie ein „who is who“ der aktuellen Comicbuchverfilmungen liest.

Dies wird auch hier und da für ein paar Witze auf der Metaebene genutzt, von denen der Film auch noch einige gute ohne Comicbezug parat hat. An Benedict Cumberbatch als exzentrischer aber genialer Wissenschaftler hat sich der eine oder andere vielleicht langsam satt gesehen, die Performance ist aber auch hier wieder sehr passend. Auch weil der deutsche Titel „Edison – Ein Leben voller Licht“ zwar ein schönes Wortspiel ist, aber sehr in die Irre führt. Gerade Edisons Geschichte beinhaltet durchaus tiefe Schicksalsschläge, deren Darstellung ja ebenfalls eine von Cumberbatchs Stärken ist. Trotz der wesentlich geringeren Screentime schafft es auch Michael Shannon seinem George Westinghouse echte Tiefe zu verleihen und glaubwürdig zu hinterfragen ob er wirklich altruistisch handelt oder versucht Buße für vergangene Sünden zu tun. Neben den Darstellern überzeugt auch das Production Design. Besonders die Ausleuchtung und generell der Einsatz von Licht sind treffenderweise sehr durchdacht. Die meisten Szenen sind vom Grundton zunächst sehr sehr dunkel gehalten, was zum einen gerade in den Nacht- und Abendszenen historisch korrekt ist und dem Zuschauer zum anderen, mal mehr, mal weniger subtil auf die geradezu magische Qualität der neuen Erfindung des elektrischen Lichts vermittelt.

Wer also einen guten Einstieg in die Geschichte der Elektrizität und die Geschichte der Männer dahinter in den USA bekommen möchte, kann dies in 109 Minuten kaum besser bekommen. Somit bringt The Current War zwar viel Licht in das Dunkel der Geschichte um Edison, auf der Unterhaltungsebene bleibt es jedoch recht dunkel. Schaut dann lieber Christopher Nolans The Prestige, ebenfalls mit X-Men Cast aber dazu mit echter Magie, einem wirklich verbissenen Kampf der Egos und einem um Längen besseren Film.

The Current War (US 2017)
Regie: Alfonso Gomez-Rejon
Darsteller: Benedict Cumberbatch, Tuppence Middelton, Tom Holland, Michael Shannon, Stanley Townsend, Nicholas Hoult
Kinostart: 23.07.2020

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Über den Autor

Malte wuchs im idyllischen Lilienthal, direkt an der Grenze zu Bremen, der schönsten Stadt im Norden Deutschlands, auf. Seine frühesten Film-Erinnerungen ist, auf dem Schulhof in der neusten TV Movie alles anzustreichen was gesehen und aufgenommen werden muss. Da die Auswahl an Horrorfilmen hier doch recht be- oder zumindest stark geschnitten war entdeckte er Videotheken für sich bzw. seine Mutter, da man diese ja erst ab 18 betreten durfte. Wenn er nicht gerade Filmreviews schreibt ist er wahrscheinlich im (Heim-)Kino oder vor dem Mikrophon für den OV Sneak Podcasts, SneakyMonday.



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