Kritik

Veröffentlicht am 28.07.2020 | von Malte Triesch

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THE PROFESSOR – Filmkritik

“Because we have never been so close to death, than in this very moment.“
(Richard – The Professor)

Der privilegierte Englisch-Professor Richard (Johnny Depp), sein Leben lang Nichtraucher, bekommt, nachdem er über Schmerzen im Brustkorb klagt, als Diagnose unheilbaren Lungenkrebs. Er beschließt daraufhin weder den Krebs zu bekämpfen noch sein Leben in Ordnung zu bringen oder sich dem Selbstmitleid hinzugeben, sondern die ihm verbleibende Zeit zu Nutzen um wirklich zu leben. Außer seinen besten Freund Peter (Danny Huston) bezieht er niemanden in die Entscheidung oder seinen Schicksalsschlag mit ein, weder seine distanzierte Tochter Olivia (Odessa Young), seine ihn betrügende Ehefrau Veronica (Rosemarie DeWitt), noch seine Studenten oder Kollegen. Während es ihm zunächst gelingt sein Schicksaal mit sich alleine auszumachen, drängt sich doch die Frage auf ob den Menschen die ihn auf seinem Weg begleitet haben nicht noch etwas zu sagen hat.

Wenn ihr könnt und mögt, lasst euch nicht von den größtenteils nur lauwarmen Kritiken und dem völlig unpassenden Party Trailer irritieren, sondern gebt dem Professor eine Chance. Bis auf Johnny Depps Frisur, und sogar über die kann man noch streiten, stimmt hier eigentlich alles. In sechs Kapitel unterteilt nimmt euch The Professor mit auf Richards Abschiedsreise. Daher auch der im Film noch präsente und wesentlich passendere Arbeitstitel des Films, Richard says goodbye. Jedes dieser Kapitel wird mit herrlich mehrdeutigen Titeln eingeleitet und liefert auf mehreren Ebenen ab. Haupttreiber des Plots ist dabei zunächst Richards neuer Carpe diem- Ansatz, dem man als Zuschauer amüsiert und erleichtert beiwohnt. Es macht einfach Spaß jemandem dabei zu begleiten, der sich anscheinend Jahre lang gezügelt und zurück genommen hat, wie er endlich neues ausprobiert, einsteht für das, woran er glaubt und ja, dabei natürlich auch über die Stränge schlägt. Dies ist umso leichter zu genießen, da er bei all seinen Eskapaden nie wirklich andere vor den Kopf stößt oder ihnen gar schadet. Von dem Ausbruch aus seiner verfahrenen Ehe über ein Sabattical hin zu sexuellen Experimenten sind seine Wünsche dabei aber auch nicht zu ausgefallen. So kann seine Charakterentwicklung sich dahin entfalten andere mehr schätzen zu lernen und in das Ende seines Lebens einzubeziehen, anstatt seine Selbstverwirklichung einschränken oder im Rahmen halten zu müssen. Eine von vielen Botschaften, die man aus dem Film ziehen kann, aber nicht muss. Auch der Humor kommt nicht zu kurz und Regisseur Wayne Roberts schafft es endlich Johnny Depp, abseits von Captain Jack Sparrow Imitationen, witzig in Szene zu setzen. Wobei der Humor das Drama eher unterstützt und auflockert, anstatt sich in den Vordergrund zu spielen.

Ein Film der sehr einfühlsam mit der eigenen Sterblichkeit umgeht und aufzeigt, dass materieller Erfolg weder Glück noch ein langes Leben garantiert. Ein Film, der es schafft gleichzeitig den Wert von Selbstverwirklichung und dem Halt, den einen Freunde, Kollegen und Familie geben, zu vermitteln. Über Parallelen zum Leben des realen Johnny Depp, welches aktuell ebenfalls in Scherben zu liegen scheint, kann man sinnieren oder den Sachverhalt ignorieren. Ebenso wie der irreführende Trailer hat dies keinen Einfluss auf die Qualität des Films selbst und dieser ist sowohl für Fans des Schauspielers als auch jene, die seiner überdrüssig sind, absolut empfehlenswert.

The Professor (US 2018)
Regie: Wayne Roberts
Darsteller: Johnny Depp, Rosemarie DeWitt, Odessa Young, Danny Huston, Zoey Dutch, Ron Livingston
Heimkino-VÖ: 31.07.2020

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Über den Autor

Malte wuchs im idyllischen Lilienthal, direkt an der Grenze zu Bremen, der schönsten Stadt im Norden Deutschlands, auf. Seine frühesten Film-Erinnerungen ist, auf dem Schulhof in der neusten TV Movie alles anzustreichen was gesehen und aufgenommen werden muss. Da die Auswahl an Horrorfilmen hier doch recht be- oder zumindest stark geschnitten war entdeckte er Videotheken für sich bzw. seine Mutter, da man diese ja erst ab 18 betreten durfte. Wenn er nicht gerade Filmreviews schreibt ist er wahrscheinlich im (Heim-)Kino oder vor dem Mikrophon für den OV Sneak Podcasts, SneakyMonday.



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