Musiknews Kevin Morby @ Johnny Eastlund

Veröffentlicht am 1.09.2020 | von Fred

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KEVIN MORBY – Geschichten aus der Dämmerung

Kevin Morby @ Johnny Eastlund

Als Kevin Morby im Winter 2017 von Los Angeles in seine Heimatstadt Kansas zurückzog, war er gerade dabei den Songwriting Prozess zu dem im Jahr 2019 erschienen Album zu Oh My God zu finalisieren. Dazu legte er sich den Vierspur-Rekorder Tascam 424, doch anstatt die alten Songs zu Ende zu bringen, inspirierte ihn das Gerät zu einem neuen Album das am 16. Oktober das Licht der Welt erblickt: Sundowner.

Sundowner ist ein besonderes Album für Kevin Morby geworden, eher eine Momentaufnahme oder ein Schnappschuss seiner Eindrücke und Gefühle zur Zeit seiner Heimkehr. Er lebte zurückgezogen, nahm Eindrücke, Emotionen und Erinnerungen in sich auf und goß diese in Songs. Dafür bediente er sich einer auch für ihn neuartigen intuitiven und impulsiven Arbeitsweise:

„I wrote the entire album wearing headphones, hunched over the 424, letting my voice and guitar pass through the machine, getting lost in the warmth of the tape as if another version of myself was living on the inside, singing back at me. I was mesmerized by the magic of the four track not only as a recording device, but also an instrument, and considered it my songwriting partner throughout the whole process.“

Der Albumtitel hingegen beschreibt keinen einfachen optischen Eindruck, sondern vielmehr ein Gefühl, dass er mit seiner Liebhaberin Katie Crutchfield (Waxahatchee) teilt. Während des Songwriting Prozesses verbrachten die beiden viel Zeit in Kevins Haus in Kansas und dabei beobachtete das Paar eine gemeinsame Melancholie, die bei beiden zum Sonnenuntergang hervortritt und ihnen ein tiefes Verbundenheitsgefühlt bescherte. Der korporative Ausdruck Sundowners war geboren. Doch für Kevin Morby war es an der Zeit wieder auf Tour zu gehen und so lies er die Songsammlung zuerst in seinem Aufnahmegerät in Kansas ruhen.

Im nächsten Jahr kontaktierte Kevin Morby seinen alten Freund Brad Cook, mit dessen Hilfe er die Kadenzen, die in alten Tascam schlummerten, in die Dreidimensionalität überführen wollte. Beiden erschien die Sonic Ranch in Texas als der perfekte Ort für dieses Unterfangen, tief im Landesinneren und weit entfernt von jeder Küstenlinie an der mexikanischen Grenze nahe El Paso. Nachdem Kevin Morby fast alle Instrumente im Alleingang einspielte, konzentrierte er sich wieder auf seine Promo, Presse-Termine und Tour zu Oh My God und so fristete Sundowners erneut ein Schubladendasein. Bis im Frühjahr 2020 auch seine Tour der Pandemie zum Opfer fiel. Doch anstatt der Untätigkeit zu frönen, arbeitete er mit Brad und Mischer Jerry Ordonez weiter an den Recordings. Aufnahmen und Masterings wurden hin- und hergeschickt und eher die drei sich versahen, war Sundowner auch schon fertiggestellt.

Kevin Morby betont, dass ihn seine Isolation während Covid-19 an seine Zeit mit Katie in Kanas erinnert: „Katie and I spend our days in isolation, just as we did then. One of us often tucked away in the shed, working alongside the various insects – the tape of the four track as warm as the mid-July air. Songs, like sunsets, are fleeting, and it’s only due to a willingness and desire to catch them that you ever, if even only for a moment, grab a hold of one.“ Und genau das her hat Kevin Morby mit Sundowners gemacht ein unglaublich relevantes Zeitzeugnis einer – wenn auch gewollten – Isolation geschaffen, das Geschichten aus der mittelamerikanischen Dämmerung erzählt: Geschichten über Lagerfeuer, über eine Meerjungfrau, über ein totes Reh oder über eine unsichere Zukunft, sowie einen in Hasenfell gehüllten Highway. Oder eben auch einfach Geschichten über Kevin Morby.

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Über den Autor

Fred ist 32 Jahre, wohnt in der Pop-City Damstadt und mag Hunde, Pizza und Musik.



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