Kritik

Veröffentlicht am 19.10.2020 | von Julius Tamm

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INGENIUM – Filmkritik

Manchmal ist es nicht leicht, eine Geschichte zu erzählen – vor allem, wenn sie sich um die menschliche Psyche dreht. Etwas, das wir Menschen selbst noch nicht ganz verstehen. Filme wie Eine dunkle Begierde, The Lodge oder The Shining sind hervorragende Beispiele dafür, wie es richtig gemacht werden kann. Ingenium von Steffen Hacker kann sich hier leider nicht einreihen.

Eine Erinnerung, die wie mit einem Instagram-Filter aufgenommen aussieht und in der zwei Mädchen über ihre toten Eltern reden. So werden direkt zu Beginn von Ingenium die dunkle Vergangenheit der Protagonistin Felicitas (Esther Maaß) und ihre Bezugsperson Natascha (Judith Hoersch) vorgestellt. Ein klischeehaftes Intro für einen klischeehaften Thriller.

Aus dieser Reise in die Vergangenheit geht es mit einem verwirrenden Ablauf von scheinbar wahllos zusammen gewürfelten Bilder in die Gegenwart. Dabei wird auch der erste Filter durch einen weiteren, den Film künstlich wirken lassenden ersetzt.

Felicitas ist nun kein Mädchen mehr, sondern eine erwachsene Frau und liegt bei ihrem Psychologen auf der Couch. Dass, was wir im Übergang von Rückblende zu Realität gesehen haben, scheint die junge Frau so zu belasten, dass sie sich externe Hilfe suchen musste. Und das wird der Kern von Ingeniums Narration sein.

Irgendwas scheint mit Felicitas nicht zu stimmen: Als sie von einer Thailand-Reise zurückkehrt, steht die Welt für sie auf dem Kopf. Sie kann sich nicht mehr daran erinnern, ihre Wohnung gekündigt zu haben und ein ihr unbekanntes Video auf ihrem Handy warnt sie vor einer drohenden Gefahr. Nach und nach ergibt sich für uns Zuschauende außerdem, dass Felicitas beste Freundin Natascha irgendwie Teil des Mysteriums ist. Was aber das Handyvideo, der psychische Zustand Felicitas und ihre in einer Psychiatrie eingesperrten Freundin miteinander zu tun haben, ist schwer nachzuvollziehen.

An vielen Stellen wirkt Ingenium wie eine großartige Idee, die an ihrer Umsetzung gescheitert ist. So zum Beispiel mit einer erschreckenden Schauspielkunst die irgendwo zwischen studentischem Film und Reality TV liegt. Besonders eine Szene, in der Natascha einen Anfall bekommt und sich schreiend auf den Boden wirft, brennt sich ins Gedächtnis. Völlig künstlich und absurd ist der Moment eher lächerlich als dass er die Spannung steigert. Dementsprechend leidet auch die Story von Ingenium. Wer niemanden hat, der sie gut erzählt, kann noch so eine tolle Handlung haben, am Ende bleibt davon aber nicht mehr viel übrig.

Rundum ist der Film von Hacker kaum zu ertragen, ohne sich nicht alle paar Minuten an den Kopf zu fassen. Wenigstens lässt sich über die grundlegende Idee hinter dem Film etwas Nettes sagen, aber das war es dann auch. Mit etwas mehr Mühe hätte da echt ein spannender Streifen draus werden können.

Ingenium (2018)
Regie: Steffen Hacker
Darsteller: Maaß, Esther, Hoersch, Judith, Topol, Adrian, De Maeyer, Tony, Kramann, Augistin
Heimkino-Start: 30. Oktober 2020, Camera Obscura Filmdistribution

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Über den Autor

Hat irgendwas mit Medien studiert, schaut gerne Filme und trinkt zu viel Tee. Schreibt für bedroomdisco, FRIZZ Darmstadt und bei hr-iNFO Online



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