Interviews

Veröffentlicht am 13.10.2021 | von Silvia Silko

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FINNEAS – so ganz und gar nicht bloß der Schatten seiner Schwester

Foto-© Universal Music

Da kann sich keiner drüber streiten: Billie Eilish ist das Pop-Phänomen der Gegenwart. Maßgeblich beteiligt an dem Stardom seiner Schwester ist Finneas. In einem Interview mit Jimmy Kimmel meinte er mal, er habe recht früh neidlos anerkennen müssen, dass seine Schwester einfach die viel schönere Stimme hat – und er tat seinen Teil, um diese in allerbestem Ambiente zum Klingen zu bringen. Er schrieb und produzierte im Prinzip alles, was Eilish jemals zur Spitzenmarke des Musikbusiness machte und macht.

Im Interview und diesem Text soll es um Finneas gehen, klar. Man kann sich fragen, ob es unpassend ist, nun erstmal schon wieder von Billie Eilish anzufangen. Aber die Musikerin ist nun mal der Pfad, über den Finneas auch der breiten Öffentlichkeit auffiel. Als Produzent vom James Bond Song No Time To Die arbeitete er mit Urgestein Hans Zimmer zusammen, 2020 war er einer der Produzenten von Selena Gomez‘ Album Rare, scheinbar nebenbei arbeitete er an eigener Musik. Und nun steht er mit seinem Debüt in den Startlöchern: Am 15. Oktober erscheint die Platte Optimist mit bubbly Popsongs, schicken Balladen und dem Besten von heute. Mal elektronisch unterlegt, mal Klavier-, mal Gitarren-lastig bekommt Finneas es hin, schicke Popmelodien rauszuhauen, die im Prinzip alle radiotauglich wären. Seine Stimme ist warm und glatt, er singt herrlich eingängig von den Neunzigern, in denen er nicht hätte aufewachsen wollen, weil: Damals gabs kein Internet – klar! Er haut Liebessongs raus, reflektiert über Star- und Fandom und ist dabei ehrlich, spritzig und abwechslungsreich. Via Zoom trafen wir uns mit Finneas zu einem knackigen Talk über Kaffeetassen, Gegenwart und die Frage, ob Finneas eigentlich empathischer ist, als alle anderen.

Wenn man sich so anschaut, was du so alles machst – also die ständigen Veröffentlichungen deiner Schwester, Alben und Musik, bei der du mitarbeitest, und nun dein eigenes Album – da hat man das Gefühl, dein Tag muss sehr viel mehr Stunden haben, als der eines normalen Menschen. Was ist dein Geheimnis?
Finneas: Ganz ehrlich? Ich habe richtig viel Hilfe mit allem. Es gibt sehr viele Menschen um mich herum, die vieles im Alltag für mich übernehmen, was nicht Musikmachen ist. Ich kann mich also hauptsächlich auf meine Musik konzentrieren.

Eine sehr ehrliche Antwort! Wo wir beim Thema Alltag und Dinge erledigen sind: Ich habe mal gelesen, dass erfolgreiche Menschen oder Genies einen immer gleich ablaufenden Tag haben. Beziehungsweise: Sie haben feste Routinen und halten daran fest. Ist das bei dir auch so?
Geht so. Ich habe jetzt keine festen Abläufe. Aber ich mag definitiv Routine. Ich finde es beruhigend. Ich mag es, immer dieselbe Kaffeetasse zu benutzen, immer dieselben Wege beim Spazierengehen zu nehmen. Es erinnert mich an die Zeit, als ich ein Kind war, da hat man so viel Routine. Leider ist es in meinem Job aber gar nicht so einfach, Routinen zu etablieren und vor allem beizubehalten.

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Lass uns über dein bald erscheinendes Album sprechen. Was mir direkt aufgefallen ist, ist die Tatsache, dass du so viele unterschiedliche Stile und Sounds auf Optimist miteinander kombinierst. Zum Beispiel der Track Around My Neck klingt so anders als Love is Pain – und zwar nicht, weil der eine Song eine Ballade ist und der andere nicht. Es ist die generelle Herangehensweise, der Stil des Songs. Was würdest du sagen, wenn ich diese Platte in ferner Zukunft meinen Urenkeln vorspiele – was für einen Eindruck werden sie von der musikalischen Gegenwart haben?
Oh wow – keine Ahnung! Wer weiß? Was ist dein, was ist mein Gefühl über die Zeit unserer Großeltern? Es ist so hart, sich das vorzustellen. Ich kann es echt nicht sagen.

Das stimmt, aber was würdest du sagen, mal anders gefragt, ist die gegenwärtige Qualität deiner Musik? Also was macht das Album Optimist zu einer Platte aus dem Hier und Jetzt?
Mhhh, wie kann man das am besten umschreiben? Ich mache keine Musik, die besonders visionär sein möchte. Ich mache nichts, was in ein paar Jahren noch Relevanz haben soll – darüber denke ich nicht nach, das ist nicht mein Ziel. Normalerweise achte ich weniger auf Relevanz als viel mehr darauf, mich selbst auszudrücken und ehrlich zu sein.

Du beschreibst Geschichten und Situationen so gut in deiner Musik. Vielleicht sind das nicht immer Momente, die du selbst erlebt hast, vielleicht sind es Sachen, die du beobachtest hast. Würdest du sagen, du bist eine besonders empathische Person?
Nein, ich glaube aber, dass ich meine Empathie sehr viel mehr artikuliere – oder einfach den Hang dazu habe, das zu tun. Vielleicht mehr als andere.

Aktuell arbeitest du viel mit unterschiedlichen Künstler*innen zusammen und jeder auf dem Globus kennt deinen Namen wegen der Musik deiner Schwester. Ist es manchmal schwer, deine eigene Musik, auf der nur dein Name steht, von dem zu trennen, was du sonst so machst?
Es kann schon eine Herausforderung sein, ja. Aber ich versuche mit Leuten zu arbeiten, die eine ganz spezielle Vision und Idee haben. Denen helfe ich dann, diese umzusetzen. Dasselbe mache ich bei mir selbst: Ich möchte Musik machen, die so klingen soll, wie ich es mir ursprünglich vorgestellt habe.

Kleines Gedankenspiel zum Schluss: Mal angenommen es gibt jemanden, der wirklich noch gar keine Ahnung hat, wer du bist und was du machst. Und diese Person möchte aber jetzt direkt anfangen, deine Musik zu hören. Was sagst du: Welcher Song ist der Beste, um den Deep Dive in deine Gesamtwerk zu starten?
Puh, das ist schwer. Kann ich mich da festlegen? Ich würde sagen, die EP, die ich im letzten Jahr rausgebracht habe. Blood Harmony ist einfach das, was einen gut auf mein Album vorbereitet. Es zeigt alles schon auf die Richtung, in die ich letztendlich mit Optimist gegangen bin.

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