Reviews Oscar And The Wolf © Promo

Veröffentlicht am 21.10.2021 | von Insa Germerott

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Oscar And The Wolf – The Shimmer

Oscar And The Wolf - The Shimmer Artwork
So meet me when you’re high

Yeah, you’ll meet me in the light
I don’t know when you’re ready
I’ll do it now when you’re ready

(Oscar and the Wolf – James)

Hier ist alles miteinander im Einklang: Auf dem neuen Album The Shimmer zeigt uns der Belgier Max Colombie, besser bekannt als Oscar and the Wolf, eine neue Seite von sich. The Shimmer wirkt ehrlicher, authentischer, näher an Colombie und seinem Verständnis der eigenen Musik – als könnte man den Künstler auf einer Reise zu sich selbst begleiten. Seine Musik kommt dabei so schillernd-experimentell wie facettenreich daher. Die kreativen Köpfe hinter Oscar and the Wolf arbeiten mit dem Layering verschiedener Sounds und Stile, die in jedem Augenblick neue Eindrücke hervorrufen. So erschafft Colombie mit jedem Song immer wieder neue, traumartige Sphären, in denen man sich für einen Moment einrichtet, um sich im nächsten bereits in einer ganz anderen Welt wiederzufinden.

Nach seinem Debütalbum Entity von 2014 und dem Nachfolger Infinity von 2017 – beide ausgezeichnet mit Platin in Belgien – folgt 2021 mit The Shimmer ein Album, das einen gereiften Künstler und sein musikalisches Wachstum der letzten Jahre zeigt. Die Aufnahmen entstanden in den ICP Studios in Brüssel und bei Colombie zuhause. Gerade dort kam die intime Atmosphäre auf, in der Produzent Jeroen De Pessemier und Multi-Instrumentalist Ozan Bozdag, die beide auch schon am Vorgänger-Album mitgewirkt haben, gemeinsam mit Colombie an einem sehr persönlichen Album arbeiten konnten. Mit Erfolg: The Shimmer ist eine Einladung in Colombies Gefühls- und Erlebniswelt. Eine Einladung in völlig neue Klangwelten, die sich aufbauen, überlagern, miteinander harmonieren und konkurrieren – und sich dabei ständig verändern. Die Range der Sounds und Gefühle reicht dabei von einer super melancholischen Schwere mit sehr ruhigen, akustischen Einflüssen bis hin zu einer entspannten Leichtigkeit mit tropischen Elementen, die sich innerhalb von Sekundenbruchteilen abwechseln können.

Colombie kommentiert, sein Album „ist eine Balance zwischen Licht und Dunkelheit. Die perfekte Kombination aus Sonne und Mond. Es ist gleichzeitig wunderschön und unheimlich.“ Wir folgen ihm auf eine traumartige Reise, bei der alles zwischen Realität und Imagination rangiert. Was erst sehr klar, real und greifbar scheint, kann schon im nächsten Augenblick fantastisch abstrahiert werden – ein Album wie der Übergang vom Wachsein in den Schlaf. In seinen Songs verhandelt Colombie konträre Themen wie Liebe und Verlust, Begierde und Kapitulation. Die Traumthematik durchzieht auch seinen Schaffensprozess, so ist ihm der Opener James – benannt nach seinem Neffen – angeblich im Schlaf gekommen. Mit Synthie-Sounds, hallenden, hellen E-Gitarren und Colombies hauchender Stimme erinnert der Track an The Weeknd und versprüht 80s Vibes. 

Gerade die ruhigeren Songs Ghost of You und Transfixions sind durch die klangvollen, sich überlagernden Gitarrenstimmen sehr melodisch und wirken durch Akzente diverser elektronischer Soundelemente trotz schwerer, gedankenvoller Thematiken wie unerwiderter Liebe leicht und verträumt. Der perfekte Soundtrack für einen verregneten Oktobertag. Auch wenn Colombie über sein Album sagt, dass es keine mainstreamigen Clubhymnen enthalte, kann man nicht bestreiten, dass sich Nostalgic Bitch mit seiner kühlen Atmosphäre und präsenten Beats auch auf Tanzflächen gut machen würde. Experimentell wird’s mit The P.I.C. „People in Charge“ soll die Abkürzung des Instrumentaltracks bedeuten, der vom Film Call Me By Your Name inspiriert ist. Klavier und Flöte wechseln sich ab, treten – getragen von rhythmischen Sounds – in einen Dialog miteinander und schaffen eine seichte, tropisch anmutende Urlaubsstimmung, die Colombie mit der Französischen Riviera verbindet.  

The Shimmer ist vielseitig – und kein Album, das man mal eben nebenbei hört. Die vielen verschiedenen Stile, Rhythmen und Sounds können beim ersten Hören überfordern. Man muss sich auf dieses Spiel einlassen: auf den sekündlichen Wechsel der Emotionen, das Überlagern verschiedenster Sound-Puzzleteile, das gleichermaßen Konkrete und Avantgardistische, das Reale und Traumhafte. Dann ist es ein Album, das bei jedem Hören Neues entdecken lässt. Ein Raum zum Loslassen, in dem man sich mit den verschiedenen Stimmungen, die wie schillernde Nuancen in den Songs aufblitzen, treiben lassen kann. Colombie ist mit sich und seiner Musik auf der neuen Platte im völligen Einklang; das ist sichtbar, hörbar und spürbar – für alle, die sich im Herbst mit Oscar and the Wolf auf die Reise begeben wollen.
 

Oscar And The Wolf – The Shimmer
VÖ: 12. November 2021, Pias Recordings, Rough Trade
www.oscarandthewolf.com
www.instagram.com/oscarandthewolf

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