Musiknews

Veröffentlicht am 6.01.2022 | von Dominik

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Bedroomdisco Top Alben – Januar

Foto-© Grant Spanier

Neues Jahr, neues Glück, neue Musik! Unsere Lieblingsalben des Monats Januar!

1. Bonobo – Fragments (VÖ: 14.01.22)

Als einer der größten Namen in der Dance-Musik kann Simon Green auf drei Grammy-Nominierungen und zwei Millionen verkaufte Tickets für die Tour zu seinem 2017er Album Migration zurückblicken. Doch damit nicht genug, nun erscheint mit Fragments das neue Bonobo-Album! Green selbst betrachtet es als seine emotional intensivste Platte, gar als sein Opus Magnum! Das Album entstand zunächst aus Ideenfragmenten und Experimenten und wurde schließlich in einem Ausbruch von Kreativität zusammengefügt, der sowohl durch Zusammenarbeit als auch durch Greens Flucht in die Wildnis befeuert wurde. Auf dem Album sind Jamila Woods, Joji, Kadhja Bonet, Jordan Rakei, O’Flynn und Miguel Atwood-Ferguson zu hören. Letztlich besteht es aus 12 klanglichen Bekenntnissen, die einige der härtesten und tanzbarsten Grooves enthalten, die Green je geschaffen hat – und neben denen die Balladen perfekt platziert sind. Sie fangen eine Welt im Wandel ein und glühen vor Hoffnung.

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2. Pinegrove – 11:11 (VÖ: 28.01.22)

Anfang der 2000er Jahre sorgte eine Welle von melancholisch geprägtem Indie-Rock für die musikalische Sozialisierung einer ganzen Generation. Acts wie Death Cab For Cutie, The Decemberists, Nada Surf, The Shins, Bright Eyes oder Broken Social Scene gaben den guten Ton an – jener Sound und Spirit lebt in den Songs der US-Amerikanern von Pinegrove wieder auf. Das neue Album 11:11, das am 28. Januar 2022 via Rough Trade Records erscheint, unterstreicht einmal mehr den Anspruch der Band um Mastermind und Sänger Evan Stephens Hall, in eine Reihe mit diesen großen amerikanischen Bands zu treten. Denn 11:11 ist ein Album, das von seinen vielen großen und kleinen Momenten lebt, das stürmisch drängt und mit jedem Hören gen Himmel wächst. Pinegrove schlagen mit ihrem neuen Album ein neues Kapitel ihrer Bandgeschichte auf und führen die große Tradition des amerikanischer Indie-Rocks in eine neue Generation. Indie-Rock ist auch 2022 noch lange nicht tot und klingt, dank der Band aus New Jersey so quicklebendig wie lange nicht mehr.

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3. Dope Lemon – Rose Pink Cadillac (VÖ: 07.01.22)

Wer macht sich da schon wieder zu viele Gedanken über ein neu beginnendes Jahr? Keine Sorge, ihr müsst nicht mehr lange warten, um freiwillig oder unfreiwillig in einen verträumten und tiefenentspannten Zustand versetzt zu werden. Wieder einmal gehen die Danksagungen nach Australien. Unangefochten bringt diese zauberhafte Landmasse nämlich den Großteil an lässig-psychedelischen Indie-Rock-Legenden hervor. Ganz vorne dabei ist dieses Jahr Angus Stone alias Dope Lemon mit seinem neuen Album Rose Pink Cadillac, das eigentlich schon vor mehreren Wochen erscheinen sollte, uns jetzt aber den regnerischen Jahresbeginn versüßt.

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4. St. Paul and the Broken Bones – The Alien Coast (VÖ: 28.01.22)

Corona zwang auch die amerikanischen Soul-Schwergewichter von St. Paul and the Broken Bones wieder zu ihren heimatlichen Wurzeln zurückzukehren – erstmals bei der Band entstand ein Album in ihrer Heimatstadt Birmingham, Atlanta! Die achtköpfige Band hatte dadurch keinerlei Zeitdruck, experimentierte ewig vor sich hin, traute sich an neue Sounds und Herangehensweisen, um letztlich mit einem ausdrucksstarken, wie energetischen Album aufzuwarten. The Alien Coast klingt so frisch wie Soul schon lange nicht mehr klang, verbindet wuchtigen Rock mit den Soul-Wurzeln der Band, während Frontmann Paul Janeway sich inhaltlich von griechischer Mythologie, dystopischen Sci-Fi Geschichten und auch Kolonialgeschichte inspirieren lässt…

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5. Palace – Shoals (VÖ: 21.01.22)

Nach dem Indie-Rock in den Nullerjahren noch Trumpf war, ebbte der Hype nach und nach ab – um jetzt wieder langsam salonfähiger zu werden. In der britischen Heimat dieser Musikgattung gilt – neben einigen anderen – auch gerade die Londoner Band Palace zur neuen Speerspitze des Genre, schließen sie doch mit ihren melodischen Indie-Rock-Alben als Art Lückenschließer, nachdem Bands wie die Wild Beasts oder die Maccabees von der Bildfläche verschwunden sind. 2019 erschien das zweite Album Life After und damit elf Songs von melodischer Wärme und komplexen Songtexturen, die auch heute noch nachwirken. Doch untätig war die Band während den vergangenen Lockdown-Monaten auch nicht – vielmehr stellten sich die Herren ihren Ängsten und behandeln diese als bestimmendes Thema des dritten Albums Shoals ab. „Die meisten der neuen Stücke handeln von komplexen Gefühlen, die Menschen nun mal haben. Und manchmal ist es ganz schön schwer, sie zu artikulieren. Bis wir bei der Angst landeten: Sie wurde zu einer Art Aufhänger, um durch sie all diese Dinge herauslassen zu können.“ Dieses – für viele gerade aktuell überall greifbare Thema – formte und beeinflusste die Musik der Briten, die nicht selten aus der verschwommenen Grenzregion zwischen Wachsamkeit und Schlaf stammt, aus jenem Dämmerzustand, der unsere Furcht und Sorgen an die Oberfläche treten lässt. Und wie schon der Titel Shoals (übersetzt heißt das so viel wie Untiefen) vermuten lässt, spielt auch das Meer im Verlauf der Songs immer wieder eine zentrale Rolle. „Mich zieht’s schon mein ganzes Leben zum Ozean, zum Meer. Ich habe es schon immer geliebt, im Meer zu sein“, so Sänger Leo Wyndham, der den wässrigen Teil der Welt auch immer wieder als Metapher für die unterschiedlichsten Geistes- und Gemütszustände heranzieht. „Das Meer ist so ein geheimnisvoller Ort – aber auch so wunderschön. Und natürlich ist der Ozean zugleich extrem gefährlich, schließlich kann er dich auch verschlucken.“

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Newcomer:

1. Yard Act – The Overload (VÖ: 21.01.22)

In vielerlei Hinsicht ist Yard Act ein Projekt, das durch die Verschmelzung von scheinbar gegensätzlichen Entitäten entsteht. Alte Freunde in einer neuen Band suchen nach den Schattierungen des soziopolitischen Grauens, wobei sie ihre Geschichten mit scharfem, satirischem Spoken-Word-Humor durchdringen. Angeführt von James Smith (Gesang) und Ryan Needham (Bass) hat die mittlerweile vierköpfige Band, die durch Sam Shjipstone (Gitarre) und Jay Russell (Schlagzeug) vervollständigt wird, einen Sound entwickelt, der unweigerlich mit ihrem Geburtsort Leeds, West Yorkshire, in Verbindung steht und doch Beobachtungen aus allen Bereichen des modernen britischen Lebens miteinander verknüpft – der Kleinstadtjunge im örtlichen Pub, der Antikapitalist, der in einem Schreibtischjob feststeckt, der müde Aktivist in uns allen, der zwischen leichter Mitschuld und dem Wunsch zu kämpfen hin- und hergerissen ist. Ihr Sound und ihr Ethos mögen progressiv sein, aber es geht nicht darum, mit dem Finger zu zeigen, sondern die Augen zu öffnen. Und das macht Yard Act derzeit zur Band der Stunde!

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2. dvr – dirty tapes EP (VÖ: 14.01.22)

“Lockdown was a creative renaissance…It gave me all the time and resources to do exactly what I wanted: wake up every day and work on music”, so erklärt der gerade mal 17-jährige schottische Newcomer dvr, warum er nur kurze Zeit nach der ersten via XL Recordings veröffentlichten EP, die übrigens in Windeseile ausverkauft war, schon die nächste EP am Start hat. Gut für ihn – und gut für uns! Irgendwo zwischen King Krule, Gus Dapperton oder Yellow Days erkundet dvr die raue Seite einer Indie-R’n’B-Mixtur!

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3. jackie – Hey Angel (VÖ: 27.01.22)

Das kanadische Trio jackie aus Toronto hat zuletzt wohl die Werke von Snail Mail, Courtney Barnett oder Julia Jacklin verschlungen – zumindest wirkt ihre neue EP Hey Angel von deren nostalgischen Indie-Rock-Entwürfen, wie eingängigen Melodien durchzogen. Frontfrau Jackie Mohr erklärt über ihr Songwriting im Kontext der Single Filter: „I love when I write something that’s not about love, or loss, or pain because that’s often what I think about when writing, but Filter instead just has this cool wave of good vibes. The line, “I forgot to shake it off, to take a break for heaven’s sake” rolls around my head at least once a day now.“ Und wie der Sängerin diese Lyric-Zeile nicht mehr aus dem Kopf gehen will, werden sich auch die Songs der Band in den Köpfen der Zuhörer festsetzen!

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Wiederkehrer: Spacey Jane – Sunlight (VÖ: 12.06.20)

Sprachen wir bei Palace schon den nach den Nullerjahren abebbenden Indie-Hype in UK an, hat man das Gefühl, dass der Hype Down Under noch fröhlich floriert und immer wieder großartige Geheimtipps nach Europa hinüberschwappen lässt. So gehören in den letzten Jahren Acts wie Rolling Blackouts Coastal Fever, Stella Donnelly, Middle Kids und Co zu unseren absoluten Lieblings-Aussie-Indie-Exporten – und der nächste Indie-Aussie-Bandcrush steht schon mit Spacey Jane in den Startlöchern! Zumindest haben wir uns seit dem ersten Single-Vorboten Lunchtime auf das in 2022 wohl erscheinende Zweitwerk des Quartetts vollkommen in das Debüt Sunlight eingemummelt. Können wir nur empfehlen es uns gleich zu tun!

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Über den Autor

Bedroomdisco-Gründer, Redaktions-Chef, Hans in allen Gassen, Golden Leaves Festival Booker, Sammler, Fanboy, Exil-Darmstädter Wahl-Hamburger & happy kid, stuck with the heart of a sad punk - spreading love for great music since '08!



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