M FIELD – Von Helden und Berufungen

Matthew Field alias M Field macht sein eigenes Ding, folgt keinem vorgefertigten Pfad und genau das macht ihn zu einem der spannendsten Künstler unserer Zeit. Geprägt von den Klängen seiner Heimat Südafrika und seiner Vorliebe für ausgefallene und tiefgründige Texte, hat er über die Zeit seinen ganz eigenen Stil entwickelt – einer der sich eben nicht in Schubladen pressen lässt. Statt einem starren Konzept folgt er meist seinem Gefühl: Die Musik findet ihn und er kreiert daraus, was in dem Moment da ist. Er fängt an zu spielen und schaut wohin ihn die Reise trägt.

Das Album seiner Band Beatenberg The Hanging Gardens of Beatenberg wurde weltweit gefeiert und erzielte in Südafrika einen rekordverdächtigen Charterfolg. Noch heute gilt es als zeitlos und wird von Musikliebhabern sehr geschätzt. Die Band zeichnet sich durch eine einzigartige Synthese verschiedener musikalischer Einflüsse aus, die sie unvergleichbar machen. In dieser Zusammenarbeit bringt Matthew seine Fähigkeiten als Songwriter und Sänger ein. Sein Soloprojekt M Field zeit eine noch persönlichere und introspektivere Seite seines künstlerischen Schaffens. Es scheint fast natürlich, wie Matthew spannende Melodien mit einer besonderen Textur und Klangwelt kombiniert und daraus unvergessliche Songs formt. Für ihn bedeutet Musik Freiheit und Ventil zugleich; wie eine Art weiße Leinwand, auf der er seine innersten Gefühle auslebt.

Und nicht anders ist es in seinem neusten Release. In seinem neuesten Song Sails or Jason schafft er es Mythologie subtil und kunstvoll mit dem Alltag zu verweben. Indem er seinen Protagonisten Jason nennt, greift er auf das argonautische Abenteuer und den Mythos des Goldenen Vlieses zurück – aber nicht auf die übliche heldenhafte geradlinige Weise. Jason wird hier vielmehr zum modernen Archetyp, einem einfachen jungen Berufstätigen, der mit einer stillen und fast unbewussten Resonanz epischer Quests durch die alltägliche Routine navigiert. Matthew hat zudem erwähnt, dass er einfach den Namen Jason mag – die mythologische Bedeutung spielt dabei zwar eine Rolle, ist aber eher ein feiner Hintergrund, der dem Namen für ihn besondere Tiefe verleiht.

Dieser Zwiespalt zwischen dem Gewöhnlichen und dem halb vergessenen Epos – Matthew beschreibt das selbst als „mundane inflected with half-forgotten epic“ – verleiht dem Song seine ganz eigene Atmosphäre. Das Ergebnis ist ein Song, der die Kluft zwischen Geschichte und Handlung, Mythos und Wirklichkeit einfängt, verkörpert über die Zeile über die Klarinette, die gesprochen aber nie gespielt wird. Fast wie ein Versprechen von Kunstfertigkeit ohne tatsächliche Ausführung. So wird Jason weniger zum Helden der Sage, sondern eher zum Sinnbild für jemanden, der groß erzählt und träumt, dabei aber mit der Realität des Erwachsenwerdens ringt.

Sails or Jason vermittelt instrumental ein Gefühl von Aufbruchsstimmung und Neugier, gepaart mit einem melancholischen Hauch von Realität. Auch das Cover mit seinem idyllisch schwingenden Landschaft spiegelt diese Stimmung wider.

In Verbindung mit seinem vorherigen Song Andrew, der die stille Last eines einfachen Professors beschreibt, entsteht ein beeindruckendes Panorama moderner beruflicher Existenz – geprägt von Einsamkeit, Druck und dem ständigen Ringen um Authentizität. Berufung meint hier aber nicht nur einen Job, sondern vielmehr eine tiefere Lebensaufgabe – praktisch das was uns antreibt und unserem Dasein Sinn verleiht. In Andrew singt er „You’ve got to do it alone“, „You’ll never be ready“ – eindringliche Zeilen, eingebettet in eine kontrollierte, gepflegte Welt aus Beton, Efeu und Rugbyfeldern. Es ist das Porträt eines Menschen, der zwischen äußeren Erwartungen und inneren Selbstzweifeln gefangen ist.

M Fields Songwriting geht somit weit über poetische Metaphern hinaus und öffnet einen echten Einblick in das Innenleben zeitgenössischer Menschen, die im Spannungsfeld zwischen Alltag und Sehnsucht nach Bedeutung stehen.

Andrew zeichnet ein Bild von stillem Druck und Isolation und Jason setzt den Faden fort, konzentriert sich auf die Kluft zwischen Mythos und Handlung, Geschichte und Tun erinnert uns daran, dass unter dem Alltag ein halb vergessenes Epos schlummert.

Diese Verbindung verleiht Matthew Fields Songwriting eine beeindruckende Tiefe. Seine Verwendung von Mythos und zeitgenössischem Leben ist nicht nur poetische Schaufensterdekoration, sondern ein ehrlicher Blick ins Innenleben moderner Menschen, die sich den alltäglichen und doch tiefgründigen Herausforderungen stellen.

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