
Foto-© Megan Cullen
Once upon a time, a wild god zoomed
All through his memory in which he was entombed
It was rape and pillage in the retirement village
And in his mind he was a man of great virtue and courage
Flew out the window with his long, trailing hair
And the smoke from the bodies went straight up in the air
He was a wild god searching for what all wild gods are searching for
Flew through the dying city like a prehistoric bird
Went searching for the girl down on Jubilee Street
Who died in a bedsit in 1993
He flew to the top of thе world and looked around
Said, „Where arе my people? Where are my people to bring your spirit down?“
Ooh, he’ll never
Bring your spirit down
(Nick Cave & The Bad Seeds – Live God)
Ob Nick Cave ein gläubiger oder sogar gottesfürchtiger Mensch ist, darüber streiten die Cave-ologen, seit der inzwischen 68 Jahre alte Meister immer mehr religiöse Bezüge in seine Songtexte und seine öffentlichen Äußerungen einfließen lässt. Also eigentlich schon ziemlich lang. Dass seine Konzerte mit der famosen Begleitband The Bad Seeds inzwischen unvergessliche, zwischen hellstem Licht und dunkelstem Grusel oszillierende Rock-Gospel-Messen mit einem entfesselten Prediger und Tausenden beseelten Jüngern sind, das war voriges Jahr bei der triumphalen Wild God Tour auch in Deutschland zu bestaunen – nach Nick Caves eigenen Worten „ein Gegenmittel gegen die Verzweiflung“.
Und als hätte der im südlichen Großbritannien residierende gebürtige Australier die Gebete seiner Fans erhört, liefert er jetzt, da bereits neue Cave-Gottesdienste für 2026 in Planung sind (Termine weiter unten), ein Live-Album nach, das den Zauber und die Faszinationskraft der Shows von 2024/25 vollumfänglich (so weit das als Konserve möglich ist) einfängt. Live God besteht aus 18 Aufnahmen, die das aktuelle, absolut fantastische Album Wild God (2024) weitestgehend abdecken, aber auch deutlich älteres Material und Fan-Favoriten wie die brachialen Kracher From Her To Eternity und Tupelo, Red Right Hand, Papa Won’t Leave You, Henry oder das zum Heulen schöne Into My Arms.
Eine besser aufeinander eingespielte, ja virtuosere Live-Band als die derzeitige Ausgabe der Bad Seeds – neben Pianist und Frontmann Cave sind das Warren Ellis (Gitarre, Geige, Keys), Colin Greenwood (Bass), Larry Mullins (Schlagzeug), Jim Sclavunos (Percussion), Carly Paradis (Keys) und George Vjestica (Gitarre) – ist tatsächlich kaum denkbar. Das wird schon mit dem ersten Song dieser opulenten Konzertplatte, dem so mitreißenden wie berührenden Frogs, sofort klar. Das Titelstück Wild God, vorab ausgekoppelt als Single samt Videoaufnahmen aus Paris, ist ein Zwiegespräch Caves mit einer aus der Spur geratenen höheren Macht, irgendwann treibt ein vierköpfiger Gospelchor mit verzücktem „Bring Your spirit down!“ den Zweifler zur Ekstase.
Was schon auf Tonträger niederschmetternd und erhebend zugleich klingt, wirkt live, wenn man das Event eingezwängt zwischen lauter ob dieser Energie komplett fassungslosen Zuschauern erlebt, natürlich noch intensiver. Aber das Live God-Doppelalbum kommt doch ziemlich nah dran an den typischen, zweistündigen Vibe, der seit einigen Jahren in zahllosen körperlichen Kontakten von Sänger und Publikum kulminiert. „You’re beautiful!“, ruft Nick Cave am Ende von Conversion, und man glaubt ihm diese Liebesbekundung an seine treue Gefolgschaft sofort. Also CD oder Vinyl rein- beziehungsweise auflegen, Volume-Regler hochdrehen – und (nochmal) abheben. Egal ab man nun religiös ist oder nicht, mit dieser im besten Sinne erschöpfenden Musik ist der Rock-Himmel nah.

Nick Cave & The Bad Seeds – Live God
VÖ: 05. Dezember 2025, Bad Seed
www.nickcave.com
www.facebook.com/nickcaveofficial
Nick Cave & The Bad Seeds Tour:
16.06.26 Lingen, Open Air an der EmslandArena
30.06.26 Berlin, Waldbühne
06.07.26 Stuttgart, JazzOpen
02.08.26 Dresden, Filmnächte am Elbufer
23.08.26 München, Königsplatz
25.08.26 Bonn, Kunst!Rasen

