
Foto-© Edith Smith
Hope when you can’t find a meaning
Entwined like a figure of eight
Head in the clouds and your feet on the moon
Your eyes as they start to dilate
Life is for living
Any way you want
Life is for living
Live it till it’s gone
(Tom Smith – Life Is For Living)
Laut Vergleich einer englischen Tageszeitung verfügt Tom Smith, seit über 20 Jahren Frontmann der Indie-Wave-Pop-Band Editors, mit 4,75 Oktaven über den größten Stimmumfang unter britischen Sängern. Aha, interessant – und zugleich irrelevant, denn die Qualität von Musik bemisst sich ja nunmal anders. Lässt man also diesen rein technischen Aspekt beiseite, bleibt immerhin festzuhalten: Mit seinem wohlig einlullenden Bariton kann der 44-Jährige auch auf seinem ersten Soloalbum nicht viel falsch machen – die Platte mit dem Bandwurmtitel garantiert quasi zehn Ohrenschmeichler.
Der zwischen purer Banalität und philosophischem Tiefsinn schwebende Albumtitel-Satz There Is Nothing In The Dark Which Isn’t There In The Light findet sich gleich im ersten Track Deep Dive. Und auch danach fragt man sich manchmal, ob das nun alles ungeheuer feingeistig und intellektuell ist oder doch eher schlicht und prätenziös, was Smith da so von sich gibt.
Etwa der Song Life Is For Living, der sich nicht nur den Titel mit einem typischen Guilty-Pleasure-Stück von Barclay James Harvest teilt, sondern dank seiner im Stadion-Softpop-Modus aufbrandenden Melodie jenen berüchtigten Kitschproduzenten der 70er/80er gefährlich nahe kommt. Oder auch Coldplay – aber leider nicht den Coldplay der unantastbar großartigen A Rush Of Blood To The Head-Phase. Das musikalisch ebenfalls beim älteren, müderen Chris Martin andockende Souls beeindruckt textlich mit der adäquaten Weisheit „There’s a lost soul in me/there’s a lost soul in you“.
Es gibt selbstverständlich auch einige wirklich schöne Lieder auf There Is Nothing…, vor allem Lights Of New York City mit einer sehr melancholischen, die Gitarre und den Gesang jazzig-warm umschmeichelnden Trompetenmelodie. Dass Tom Smith nach zwei Jahrzehnten als Editors-Chef und nach zwei Alben im Duo mit Andy Burrows „den ersten Schritt seiner Solokarriere wagt“, wie sein Label schreibt, ist also (noch) nicht als Flop abzutun – das Ganze hat durchaus Potenzial.
„Etwas Intimeres und Persönlicheres (…), fernab von der kollaborativen Natur seiner Bandprojekte“, sei das Ziel gewesen. Beim Songwriting und den Texten ist freilich noch Luft nach oben. Aber vielleicht landet Tom Smith ja dann mit seinem zweiten Soloalbum auf dem Niveau von The Slow Show-Frontmann Rob Goodwin, dessen diesjähriges Debüt Peekaboo zumindest diesen Reviewer mehr erfreut hat.

Tom Smith – There Is Nothing In The Dark Which Isn’t There In The Light
VÖ: 05. Dezember 2025, Play It Again Sam
www.tomsmith.os.fan
www.instagram.com/thmssmth
Tom Smith auf Tour:
11.03.26 Köln, Kulturkirche
13.03.26 Schorndorf, Manufaktur
25.03.26 Berlin, Passionkirche
26.03.26 Hamburg, Christiankirche

