
Foto-© Kim Black
Run into the one you love forever
Laugh into each other’s empty mouth
We all fall through the window
Babies having babies
Everything crying out loud
Beauty lasts about as long as lightning
Honesty’s an eight ball in the dark
We all fall in the river
Kissing our own body
Hope knows where to hammer on a heart
Hope knows where to hammer on a heart
I can’t make
This easier
On you
When you’ve fallen face down in the garden
Roses say whatever comes to mind
Some are staying naked
Unafraid of flame
(Iron & Wine – Roses)
Eine schwache Platte – das kann Sam Beam mit seinem langlebigen Indie-Folkpop-Projekt Iron & Wine ganz offensichtlich nicht. Es gibt also seit fast 25 Jahren, genauer gesagt seit dem Debüt The Creek Drank The Cradle (2002), nur mindestens ganz gute bis herausragende Alben von diesem US-amerikanischen Singer-Songwriter. Und natürlich gehört auch Hen’s Teeth zu den empfehlenswerten Werken des Mannes mit dem eindrucksvollen, biblisch anmutenden Rauschebart.
Einziges Manko: Die zehn neuen Lieder folgen auf die veritablen Geniestreiche des für den Grammy (und zahlreiche Jahresbestenlisten) nominierten Vorgängers Light Verse. Sie bilden quasi ein Schwesteralbum zu den Folk-Jazz-Meisterstücken von 2024. Keine Reste-Rampe, das sicher nicht, aber qualitativ in der Gesamtwirkung eben auch nicht ganz auf Augenhöhe – das ist Hen’s Teeth, mittlerweile das achte Album von Iron & Wine und das sechste für Sub Pop.
Hen’s Teeth geht mit Roses gleich zu Beginn in die Vollen – mit einem episch, am Ende leicht dissonant aufbrandenden Song, der auch auf Light Verse das Niveau nicht gesenkt hätte. Paper And Stone ist eine dieser zarten, von einer Fiddle sanft Richtung Country-Pop gelenkten Beam-Balladen – wunderschön. Aber schon hier ahnt man, dass die Lieder dieses neuen Albums denen des vollendeten Vorfängers wohl nichts entscheidend Neues hinzufügen können – selbst wenn in Robin’s Egg und Wait Up die wunderbaren Harmonien des tatsächlich Grammy-verzierten Americana-Trios I’m With Her (Sara Watkins, Sarah Jarosz and Aoife O’Donovan) zu hören sind.
Apropos starke Frauen-Stimmen: Nachdem Beam bei seiner jüngsten Tour mit einer rein weiblichen Band aufgetreten war, lässt er diesmal seine Tochter glänzen. Das neue Album markiert das Iron & Wine-Debüt von Arden Beam, sie steuert Harmonies und Backing Vocals zu Roses, Singing Saw, dem Folk-Samba Defiance, Ohio und Grace Notes bei.
Persönliche Beziehungen beim Musikmachen sind Sam Beam ohnehin sehr wichtig: „Ich mag es, Iron & Wine-Alben aufzunehmen, aber noch mehr mag ich die Zusammenarbeit. Mit einer Gruppe von Freunden zu interagieren und davon begeistert zu sein, was sie musikalisch und emotional zu drei Akkorden beitragen können. Ich kann den ganzen Tag mit diesen Menschen spielen, die ich liebe, und sie reagieren darauf, indem sie mir ihr verletzlichstes, ausdrucksstärkstes Ich zeigen. Es ist der seltsamste und beste Job, den es gibt.“
Und was hat es nun mit dem Albumtitel Hen’s Teeth auf sich? „Für mich steht der Titel für das Unmögliche. Hühnerzähne gibt es nicht“, sagt der 51-jährige Musiker. „Und genau so fühlte sich dieses Album an: wie ein Geschenk, das es eigentlich nicht geben dürfte, aber doch da ist. Eine unmögliche Sache, aber sie ist real.” Zum Glück kam es so, auch wenn das Top-Level von Light Verse diesmal nicht ganz erreicht wurde.

Iron & Wine – Hen’s Teeth
VÖ: 27. Februar 2026, Sub Pop
www.ironandwine.com
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