PRINCE – Timeless


Foto-© Jeff Katz

I keep your picture beside my bed, mm
And I still remember everything you said, mmm
I always thought our love was so right, I guess I was wrong, oooh
I always thought you’d be by my side, mama; now you’re gone

What I wanna know, baby
If what we had was good
How come you don’t call me anymore, yeah?
Oh, anymore?

(Prince – How Come U Don’t Call Me Anymore?)

Nach dem Tod des Pop-Genies Prince vor zehn Jahren sind die Verwalter seines riesigen Erbes damit bislang sensibel und sparsam umgegangen. Obwohl die legendären Vaults (Gewölbe) der legendären Paisley-Park-Trutzburg in Chanhassen/Minnesota bei Minneapolis randvoll mit unbekannten Songs und Raritäten sein sollen, eine schnelle kommerzielle Ausbeutung des Materials daher nahe lag, wurden bisher nur drei Platten posthum veröffentlicht. Und alle waren respektvoll und bereichernd für Millionen Fans:

Zunächst Piano & A Microphone 1983 (2018) mit reduzierten Gesang/Klavier-Aufnahmen aus der Zeit vor der Eighties-Weltstar-Karriere; danach Originals (2019) mit 15 von Prince über die Jahre geschriebene Original-Songs, die er nicht selbst veröffentlicht, sondern anderen Künstlern wie Sheila E. oder The Bangles überlassen hatte; schließlich das grandiose Polit-Soul-Funk-Werk Welcome 2 America (2021) mit Tracks, die Prince 2010 fertig eingespielt, aber nie herausgebracht hatte.

Wenn nun eine neue Platte mit zehn Aufnahmen aus 40 Prince-Jahren erscheint, vertraut man als langjähriger Verehrer einerseits dem guten Gespür und Verantwortungsgefühl des Prince Estate. Andererseits ist die zeitliche Spannweite der Songs – von der Wunderkind-Phase bis zum Todesjahr 2016 – schon auch riskant. Ob dabei ein in sich stimmiges Album herauskommt? Oder doch eher eine zerfledderte Reste-Sammlung? Das Fazit dieses Reviewers, der Prince noch vor dem ganz großen Durchbruch mit dem Soundtrack-Album Purple Rain von 1984 entdeckte: Weder … noch.

Denn, na klar, Lieder wie der mächtig groovende Disco-Pop-Opener I Am You (1977) und die abschließende jazzige Piano-Soul-Ballade How Come You Don’t Call Me Anymore? (2016 live aufgenommen, allerdings bereits 1982 als B-Seite des Single-Hits 1999 erstmals veröffentlicht) sind schon sehr unterschiedliche Kaliber. Sie wären von Prince selbst vermutlich in dieser Form auch nicht für ein Album kompiliert worden. Tick, Tick, Bang, der furiose zweite Timeless-Track, ist (wie auch der später noch folgende knackige Funk-Rocker Stone von 1995) nicht ganz neu, nun aber erstmals in seiner ursprünglichen Fassung von 1981 zu hören.

Die leicht kitschige Ballade With This Tear von 1991 wurde ein Jahr später von Celine Dion (ja, tatsächlich!) herausgebracht – noch so ein großzügiges Song-Geschenk. Es gibt auf Timeless aber auch bislang völlig unbekannte Highlights zu entdecken wie etwa Heaven (1985), das den bahnbrechenden, coolen Keyboard/Schlagzeug-Sound des Mittachtziger-Prinzen aufs Feinste zelebriert. Das aufgekratzt soulpoppige I Wonder (1989), das unwiderstehlich tanzbare Calabama (2003), der treibende, angegospelte Rocker The Guilty Ones (2007), das bombastische Jazz-Soul-Stück Bestest Friend (2012) – ja, es gibt auf dieser Kompilation manch Spannendes zu entdecken.

Und natürlich ist allein die fabelhafte Stimme dieses Ausnahmemusikers schon mehr als die halbe Miete. Laut Prince Estate und Label Sony Music ist Timeless die erste Zusammenstellung, „die einen Bogen über sämtliche bedeutenden Epochen seiner Karriere spannt“. Auch wer solche Projekte grundsätzlich skeptisch sieht, weil der Künstler halt nicht mehr darauf einwirken konnte, wird mit diesem sorgfältig betreuten posthumen Album wohl ganz gut leben können. Für die meisten Anderen dürfte allein die Tatsache ausreichen, dass es „Neues“ von Prince gibt, der offenbar zu jeder Phase seiner langen (und leider doch viel zu kurzen) Laufbahn großartige Musik voller Leidenschaft und Experimentierfreude produziert hat.

Prince – Timeless
VÖ: 28. August 2026, Sony Music
www.timeless.prince.com
www.facebook.com/prince

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Werner Herpell

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