DEXYS MIDNIGHT RUNNERS – Love


Foto-© Jake Walters

You, you, you, you, you’ve got the love
You, you, you, you, you’ve got the love
You, you, you, you, you’ve got the love

You think I’m not good enough for you, yeah too
But I don’t wanna be, if I can’t be with you, it’s true

You’re the only one I want now
You’re the only one I want now
You’re the only one I want now
You you you you
You’re the only one I want now
All I wanna do is love you
All I wanna do is love you

You’ve got the love that I need
You’ve got the love that I need
You’ve got the love that I need

(Dexys Midnight Runners – You’ve Got The Love)

Dies sei „möglicherweise das letzte Kapitel der außergewöhnlichen musikalischen Reise“ von Kevin Rowland und seiner legendären Folk-Soul-Band Dexys Midnight Runners, heißt es ernüchternd zur Veröffentlichung des Albums Love. Das wäre einerseits natürlich sehr schade, denn was hat dieser Sänger und Songwriter mit seinem Langzeitprojekt in den vergangenen fast 50 Jahren nicht alles für die britische und irische Musik getan. Zudem ist auch Love wieder ein wunderschönes, erhebendes Werk geworden. Andererseits wäre gerade diese starke Platte ein angemessener Schlusspunkt – wer das eigene Leben und die Liebe so grandios zum Thema macht, kann mit 73 getrost in den künstlerischen Ruhestand gehen.

Damit nun zu den Details von Love. Zunächst fällt auf, dass es das erste Album seit 40 Jahren – genauer gesagt seit Don`t Stand Me Down von 1985 – ist, das Kevin Rowland unter dem vollständigen Bandnamen Dexys Midnight Runners veröffentlicht (zuletzt firmierte er bekanntlich unter dem kürzeren Moniker Dexys). Auch dies ist möglicherweise zu verstehen als sich schließender Kreis, als ein „back to the roots“ vor einem Karriere-Ende. Dass die neue und vielleicht letzte Platte Love betitelt ist, kann auch kein Zufall sein – denn das schönste, auch schwierigste, widersprüchlichste Gefühl der Welt war stets prägend für Rowlands Lieder.

Und nicht immer hat es der zeitweise gefürchtete Womanizer-Gockel Kevin textlich so gut hinbekommen wie jetzt, als milder, altersweiser Mann. Schon auf dem Love-Vorgänger The Feminine Divine (2023) war viel Selbstkritik und Reue über frühere toxische Verhaltensmuster zu spüren, Rowland gab sich fast schon zu demonstrativ als Softie und Frauenversteher, und er thematisierte den erstaunlichen Sinneswandel auch in Interviews. So lauten die aktuellen Songtitel demütig You’ve Got The Love, I’ll Always Love You oder Old Love. Im soul-jazzigen Album-Highlight Strange Feelin‚ setzt sich Rowland sehr ernsthaft mit diesem seltsamen Gefühl namens Liebe auseinander, er wünscht sich außerdem inniglich I Want To Be Holding You Next Christmas und akzeptiert auch ein It’s Over Now.

Alle Songs vibrieren geradezu vor bittersüßem Sixties-Soul-Feeling, es gibt große Arrangements und eine opulente, butterweiche Produktion von David Holmes zu bejubeln. Und der große, stimmlich offenbar ewig junge Crooner Kevin Rowland singt wie ein Gott – dass er es manchmal etwas übertreibt mit der Grandezza und dem Pathos, ist bei diesem Performer schließlich schon lange eingepreist. „Ich dachte plötzlich: Das sind alles Liebeslieder – nur eben verschiedener Art“, sagt Kevin Rowland über die Entstehung des Konzepts. „Da wusste ich: Es muss ‚Love‘ heißen.“ Ein (Liebes-)Leben in Songform, erzählt von jemandem, der mit seiner Autobiografie Bless Me Father bereits gezeigt hat, wie offen er über seine Vita schreiben kann.

Autobiographisch eingerahmt werden die acht Songs über die Liebe zusätzlich von My Life In England, einem schon etwas älteren Rowland-Lied in zwei Teilen am Anfang und am Ende des Albums. Hier erzählt der 1953 in Wolverhampton/UK geborene Musiker über sein Leben als junger Mann irischer Abstammung (und damit als Underdog in den 60er/70er Jahren). „Es sind alles Erinnerungen an meine eigenen Erfahrungen“, sagt er. Wie wir nicht erst seit dem Erfolgsalbum Too-Rye-Ay von 1982 (mit dem Superhit Come On Eileen) wissen, hat dieser Künstler seine Herkunft zeitweise in Irish-Folk-Songs einfließen lassen. Auf Love ist davon wenig zu spüren – dies ist wohl das souligste Album in der Karriere von Kevin Rowland und seinen Dexys (Midnight Runners), die am 10. Oktober zu ihrem womöglich letzten Deutschland-Gig in der Berliner Passionskirche auftreten.

Dexys Midnight Runners – Love
VÖ: 04. September 2026, Heavenly
www.dexys.tmstor.es
www.facebook.com/kevinrowlandanddexys

YouTube Video

Werner Herpell

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