Interviews

Veröffentlicht am 11.04.2018 | von Silvia Silko

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ISAAC GRACIE – does it smell like teen spirit?


Foto-© Bunny Kinney

Isaac Gracie könnte ein so guter Kurt Cobain sein: Die langen blonden Haare, ein hübsches Gesicht, das mit Zigarette im Mund direkt Grungeattitüde ausstrahlt und diese grundlegende Abgerissenheit, die Gracie so mit sich trägt würden jedenfalls genügen. So wirklich dem Grunge verschrieben hat der Londoner sich allerdings nicht. Musikalisch lässt er sich eher neben Jeff Buckley, Ryan Adams oder Bear’s Den stellen. Seine Songs sind hübsche Singer-/ Songwritermelodien, die sofort ins Ohr gehen – obwohl sie scheinbar ganz behutsam vorgetragen werden.

 

Auf seinem selbstbetitelten Debütalbum singt der Musiker mal mit zitternder Stimme über die eigene Zerbrechlichkeit (Hollow Crown), greift sich seine Hörenden beim intensiven The Death Of You & I oder beweist mit Reverie dass sein Leiden ganz zuckersüß und wundervoll klingen kann. Sind es die starken Gefühle, die er als Künstler in seine Musik gießen muss? „Ich muss ehrlich sein: Ich mag den Begriff ‚Künstler’ so gar nicht. Ich finde immer noch, dass Kunst mit Kunstfertigkeit zu tun hat – und dafür muss man verdammt gut sein und viel üben. Ich habe sogar mit dem Begriff des Musikers meine Probleme. Aber Ja. Ich tue nichts anderes, als Gefühle in meine Stücke zu übersetzen.“ Gracie hat über den Künstlerbegriff scheinbar schon eingängig nachgedacht – dabei hatte er bisher noch gar nicht so wahnsinnig viel Zeit dafür: Isaac Gracie ist zarte 23 Jahre alt. Er wuchs in Westlondon auf, seine Mutter ist die Psychoanalytikerin und Dichterin Judith Gracie. Nicht unbedingt das Umfeld, um Ambitionen für ein Musikerdasein zu entwickeln, so scheint es. „Ich bin der einzige in der Familie, der so mit Musik umgeht. Ich habe zum Beispiel als einziger auch nicht studiert.“ Also doch ein bisschen Grunge-Rebellentum? Isaac Gracie lacht „Kann man so sagen, ja. Ich habe mich immer gerne aufgelehnt.“ In gewisser Weise ist das Debüt des Briten also auch ein Coming-Of-Age-Album. „Es geht ums Erwachsenwerden, das würde ich schon sagen. Das Album ist das Zeugnis meiner letzten fünf bis sechs Jahre und es steckt dadurch natürlich Vieles drin, was damit zu tun hat, dass man langsam erwachsen wird, Unsicherheiten überwinden oder Verantwortungen übernehmen muss.“ In gewisser Weise begleiten einen diese Entwicklungen das ganze Leben – auch manche Unsicherheiten gehen nie ganz. Dafür braucht man nicht heranwachsend zu sein. Vielleicht funktioniert Musik, die sich mit dieser Phase des Lebens beschäftigt auch deshalb so gut. Isaac Gracie schafft es jedenfalls, neben all den Unsicherheiten und der Skepsis des Heranwachsens auch die Reinheit und das Pure dieser Zeit in Musik zu fassen. Er hat wenig Angst davor, zu scheitern – eben ein richtiger Rebell, könnte man meinen. Does it smell like teen spirit? It does.

 

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