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Veröffentlicht am 21.03.2010 | von Dominik

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DOWNLOADING NANCY – Filmkritik

Dann werde ich einfach loslassen und bin frei.

(Nancy – Downloading Nancy)

Nancy und Albert führen seit 15 Jahren eine emotional unterkühlte Ehe, reden kaum noch miteinander, geschweige denn tauschen sie Zärtlichkeiten aus. Während Albert sich in seine Arbeit stürzt und immer sein wichtigstes Arbeitsgerät, sein Handy, mit sich führt, verbringt Nancy ihre Hausfrauen-Abende am Computer. Doch nicht irgendwelche Shopping-Seiten haben es ihr angetan – die Borderlinerin sucht nach Männern, die ihre Suche nach Liebe durch Schmerzen befriedigen können, denn Schmerzen scheinen der einzige Weg für sie zu sein etwas zu empfinden. Gelangweilt von ihrer Ehe und unfähig aus dem Kreislauf aus seelischen und körperlichen Schmerzen auszubrechen sucht sie jemanden, der sie davon befreit und ihrem Leiden ein Ende setzt. Diese Person scheint sie in Louis gefunden zu haben, doch diesen befallen während Nancys letzten Tagen Zweifel, ob er ihren Wunsch erfüllen kann.

Liebe durch Schmerzen oder Schmerzen, die zu Liebe werden. „Downloading Nancy“ zeigt ein Thema, das so selten bis gar nicht gezeigt wird und zwingt seine Zuschauer einen ungeschönten Blick auf eine Borderlinerin zu werfen, deren einzige Zuflucht der Schmerz ist. Mit Maria Bello hat man eine Hauptdarstellerin gefunden, die bisher zumeist neben einem männlichen Hauptdarsteller glänzte – eher als Beiwerk, aber eigentlich immer überzeugend. In diesem Film tritt sie aus dem Schatten und liefert eine grandiose Leistung, die diese kleine amerikanische Produktion, die angenehm unamerikanisch ausfällt, zu etwas Besonderen macht. Unamerikanisch, da der Film alle Seiten Nancys Krankheit zeigt und diese auch so explizit zeigt – was auch die absolut angebrachte FSK 18-Freigabe berechtigt. Sowohl die Sexdarstellungen, Selbstverstümmelungen als auch die seelischen Abgründe sind nichts für schwache Nerven und auch der Grund warum dieser Film wahrscheinlich kein großes Publikum finden wird.

Was er aber sicherlich verdient hätte. Denn letztlich ist „Downloading Nancy“ ein Drama über drei kranke Menschen, die mit ihrem Leben hadern und keinen Weg finden zu lieben. Ein Film über Liebe und Schmerzen, der weh tut – sowohl den Charakteren als auch den Zuschauern – einen aber nach dem Film mit dem Wissen zurücklässt einen der stärksten amerikanischen Independent Filme der letzten Jahre gesehen zu haben!

Downloading Nancy (USA 2008)
Regie: Johan Renck
Darsteller: Maria Bello, Jason Patric, Rufus Sewell, Amy Brenneman, Matthew Harrison
DVD-VÖ: 15. Januar 2010, Universum Film
FSK: Freigegeben ab 18 Jahren

httpvh://www.youtube.com/watch?v=03vk8cC3_2c

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Über den Autor

Bedroomdisco-Gründer, Redaktions-Chef, Hans in allen Gassen, Golden Leaves Festival Booker, Sammler, Fanboy, Exil-Darmstädter Wahl-Hamburger & happy kid, stuck with the heart of a sad punk - spreading love for great music since '08!



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