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Veröffentlicht am 26.07.2010 | von Dominik

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MELT! 2010 – das Festival ist der Star!

Letztes Jahr öffnete Ferropolis noch unter dem Motto „Dirty Dozen“ seine Tore, dieses Jahr gaben die MELT!-Veranstalter den Schlachtruf „It’s Nummer 13, Baby“ vor! Doch wie war die 13. Ausgabe des Trendfestivals auf dem Baggerfriedhof? Wir haben unsere Gedanken nach einer Woche runterkommen in ein paar Worte gefasst:


Foto: MELT!, Fotograf: Tobias Vollmer

– Das Line-Up:

Während man letztes Jahr die richtig großen Namen (Oasis, Digitalism, The Whitest Boy Alive, Bloc Party, Phoenix) auffuhr, ging man dieses Jahr beim Booking der Acts eher in die Breite, sodass man neben Massive Attack vergeblich nach großen internationalen Namen suchte, die dem Head-Liner-Status für ein Festival dieser Größenordnung gewachsen wären. Dafür hat man es wieder mal geschafft den Spagat zwischen Elektro, Indie, Rock und Techno zu bewältigen und die interessantesten Acts der jeweiligen Bereiche zusammen zu trommeln und hat damit mal wieder bewiesen, dass das Booking den richtigen Riecher hat und sich auskennt. Somit versammelten sich im Line-Up Get Well Soon, Goldfrapp, Hurts, die Broken Bells, Shout Out Louds, The xx, Tocotronic, Foals, Fake Blood, A-Trak und Ewan Pearson, um nur ein paar zu nennen. Hinzu kamen diverse alte Bekannte, wie Ellen Allien, Miike Snow, die Audiolith-Crew, die ihren gesonderten Auftritt am Donnerstag bekam, Tiga und ein DJ-Set von Simian Mobile Disco. Und auch Erlend Øye durfte auch dieses Jahr nicht fehlen und kam dieses Mal mit seiner Band Kings of Convenience nach Ferropolis, während Kele ohne seine Bloc Party Kollegen dieses Jahr solo die Reise antrat.

– Die Highlights:

Bei parallel 4-5 Acts fiel es wie jedes Jahr schwer sich alle seine geplanten Konzerte und DJ-Auftritte anzuschauen, doch trotzdem haben wir es probiert und sind von Bühne zu Bühne gehetzt. Ein paar Highlights stellen wir euch hier vor:

Gleich zu Beginn wusste Hendrik Weber alias Pantha du Prince zu überzeugen, gerade weil er sich nicht verbiegen ließ, sondern seine düsteren und atmosphärischen Songs trotz unpassendem strahlenden Sonnenschein in einem qualitativ-großen Mix der gespannten Menge vor der Big Wheel Stage präsentierte.

Als es dann langsam dunkler wurde, betrat Jónsi, ansonsten Frontmann von Sigur Rós, die Bühne und präsentierte die Songs seiner ersten Solo-CD, verbunden mit wunderschönen Visuals in einer mitreisende Live-Show, die einen aufgrund der Märchenhaftigkeit der Songs zum Träumen einlud.

Bevor dann Booka Shade hauptsächlich durch ihre peinlichen Ansagen auffallen konnten, sorgten die Foals im Zusammenspiel mit der tollen Kulisse und dem Lichterspektakel am Himmel für Gänsehaut – so sollte „Spanish Sahara“ immer aufgeführt werden! Das entschädigte dann auch für den Ausfall des letzten Jahres, als die Foals krankheitsbedingt absagen mussten.

Tag zwei begann dann mit Philipp Poisel relativ entspannt, was aber viele Besucher dankbar annahmen, hatte doch so manch einer noch das exzessive Tanzen der letzten Nacht in den Beinen oder um es mit Philipp Poisel zu sagen – sie hatten getanzt als gäb’s kein Morgen mehr! Apropos Tanzen: Darwin Deez verzauberte die zahlreichen Besucher im Intro Zelt abwechselnd mit seinen Songs und genial choreographierten Tänzen, bei denen kein Auge trocken blieb – was auch völlig zurecht nach tobendem Applaus mit einer Zugabe belohnt wurde.

Nachdem es aufgrund von Verspätungen auf der Converse Main Stage zu diversen Verschiebungen kam, durften dann auch endlich Moderat ihren Met!-Auftritt hinlegen, nachdem dieser letztes Jahr sprichwörtlich ins Wasser gefallen war. Zum Glück auch nicht ins Wasser gefallen ist der Auftritt von A-Trak, der seinem Ruf gerecht wurde, was sich auch im Kanon der Besucher zeigte: Einfach einer der geilsten DJs der Welt!

Auch der Sonntag fing wieder entspannt an: Erlend Øye bespaßte das wohl größte Publikum, das die Bench Gemini Stage je gesehen hat – genauso wie ein solch früher Slot wahrscheinlich selten solch einen Jubelsturm nach sich gezogen hat.

Nachdem dann Johnossi relativ belanglos ihr Programm auf der Hauptbühne abgespult hatten, konnte man mit den sichtlich betrunkenen Slagsmalsklubben noch mal richtig feiern bevor es zu Get Well Soon ging.

Der Geheimtipp des Tages waren dann wohl die Post War Years, die im Intro Zelt spielten. Danach gab es beim Danger Mouse/The Shins-Sänger Projekt Broken Bells zwar eine bestechende musikalische Darbietung zu sehen, doch richtig mitzureisen vermochten sie die Menge vor der Bühne nicht wirklich (außer einer kleinen Gruppe, die durch ihre lustige Tanzchoreographie auffiel). Das gelang dann schon eher Goldfrapp, die trotz Pop-Sternchen-Show plus cheesy Musik gefühlt mehr Menschen vor die Hauptbühne locken konnten als vor einem Jahr Oasis.

Danach gab es dann endlich Massive Attack und somit Head-Liner-Qualitäten verbunden mit einer aufwendigen Lichter- und Bühnenshow auf der Hauptbühne zu sehen. Der Höhepunkt eines eher schwachen Festival-Tages (aus Live-Band-Fan-Sicht), der dann mit den spielfreudigen WhoMadeWho im Intro Zelt endgültig ausklang.


Foto: MELT!, Fotograf: begeorge@ tranZland.com

– Die Enttäuschungen:

Neben der krankheitsbedingten Absage der Dirty Projectors, gab es nicht viele Enttäuschungen, höchstens vielleicht der etwas lahme Auftritt von Miike Snow, der nur während des letzten Songs „Animal“ wirklich zündete. Ach und warum durften eigentlich WhoMadeWho nicht weiterspielen – bei der letzten Band hätte man da doch etwas lockerer sein können?

– Das Festival:

Allein die Örtlichkeiten des Festivalgeländes mit See, Baggern und dem was die Veranstalter jedes Jahr daraus machen, lässt das MELT!-Festival zu einem einmaligen Erlebnis werden. Da nimmt man auch gerne den weiten Weg zwischen Festival-Gelände und Camping-Platz in Kauf, kann man doch dabei noch etwas die Atmosphäre genießen. Dass die Duschen und die richtigen Toiletten (Dixies kosten natürlich nichts) im Gegensatz zu anderen Festival nicht kostenlos sind, ist da schon etwas ärgerlicher, aber immer noch zu verkraften. Letztlich bekommt man für den Preis des Festival-Tickets eines der besten internationalen Festivals, dass nicht viel besser organisiert sein könnte als dieses Jahr! Außerdem spielte dieses Jahr auch wieder das Wetter mit, das sich abgesehen von zwei kurzen Regenschauern nur von der besten Seite zeigte.

– Unser Fazit:

MELT! 2010 = ein Spektakel, ohne die ganz großen Namen. Aber was soll’s – manchmal ist eben das Festival selbst der Star und mal ehrlich – etwas besseres als das MELT!-Festival gibt es einfach nicht in der deutschen Festival-Landschaft!

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Über den Autor

Bedroomdisco-Gründer, Redaktions-Chef, Hans in allen Gassen, Golden Leaves Festival Booker, Sammler, Fanboy, Exil-Darmstädter Wahl-Hamburger & happy kid, stuck with the heart of a sad punk - spreading love for great music since '08!



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