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Veröffentlicht am 24.08.2010 | von Dominik

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HALDERN POP 2010 – das Festival der guten Menschen

Sommer + Sonne + Festivals – eine Gleichung, die für uns nicht nur ein Mal diese Festival-Saison aufgegangen ist. Nachdem wir vor Wochen unsere Gedanken zum diesjährigen MELT!-Festival verbreiteten, wollen wir heute noch mal das Haldern Pop-Festival Revue passieren lassen – zwei Festivals, die unterschiedlicher kaum sein könnten, jedoch eines gemeinsam haben: Es lohnt sich sie zu besuchen!


Das Publikum von und zu Haldern….

Rees-Haldern ist ein kleines beschauliches Dörfchen am Niederrhein, das ein Mal pro Jahr Austragungsort eines Festivals der besonderen Art ist: Dem Haldern Pop-Festival, das dieses Jahr schon seinen 27. Geburtstag feierte. Über Jahre hinweg hat sich das Festival einen guten Ruf erarbeitet. Es ist nicht nur die ländliche Atmosphäre mit See und Feldern in unmittelbarer Umgebung, nicht nur die gelassene Stimmung der rund 6000 Besucher, die das Festival jährlich mit dem Stempel „ausverkauft“ versehen, und auch nicht nur das einzigartige Spiegelzelt, die als Kulisse der zweiten Bühne dient – es ist das alles und das ausgesprochen gute Booking der Veranstalter. Man möchte eigenständig und überraschend sein – und das schafft man auch jedes Jahr! So ist es keine Schande, wenn man beim Lesen des Line-Ups auf viele Fragezeichen stößt – man sollte wirklich jedem Künstler, der es zum Haldern Festival schafft eine Chance geben, denn wie sich jährlich herausstellt, ist das schon ein Qualitätsmerkmal!


Delphic in Action

Eigenständig ist dabei auch direkt, dass das Festival jährlich Do bis Sa, anstatt des üblichen Fr bis So-Termins, stattfindet – die meisten schienen vorbereitet zu sein, wir verpassten während dem Zelt-Aufbauen schon mal Beach House, freuten uns dann allerdings darüber, dass Seabear entgegen erster Informationen nach hinten verschoben worden waren. Somit blieben vom ersten Tag noch Chapel Club, I Blame Coco, Seabear und Stornoway. Bei Chapel Club handelt es sich dabei um eine englische Band, die musikalisch gesehen Ähnlichkeiten zu den Editors aufweisen und auch live zu überzeugen wissen – etwas, dass man über Stings Tochter Eliot Sumner und deren Projekt I Blame Coco noch nicht gänzlich sagen kann, passt doch ihre Stimme nicht immer zu den hohen Parts der Songs – aber was soll’s, besser als der Auftritt von Pophoffnung Little Boots letztes Jahr, war sie allemal.

Danach das erste Highlight in Form der isländischen Band Seabear, die mit ihrer Musik und ihrem schüchternen Auftreten das Publikum im vollen Spiegelzelt verzauberten – und die Latte damit sehr hoch legten! Stornoway schlossen den Abend dann zwar launig ab, übertrumpfen konnten sie Seabear allerdings in keinem Moment.


Philipp Poisel a.k.a. „?“

Tag zwei wartete dann direkt mit einer Überraschung auf, lies man doch noch ein „?“ im Programm, das erst auf der Bühne als Philipp Poisel enthüllt wurde und von den Festivalbesuchern sehr positiv aufgenommen wurde. Genauso wie die sonstigen Acts, die durch die Bank weg begeistern konnten. Egal ob Delphic mit Elektro-Pop, Mumford & Sons mit Folk oder Beirut mit wie auch immer man deren Musik bezeichnen will – ein launiger erster Mainstage-Tag war sicher und fand ab 1:30 Uhr sein Ende im Spiegelzelt. Dort bildeten mit Thus:Olws und der neuen Band von José Gonzáles, Junip, zwei außergewöhnliche Bands den Abschluss.


Mumford & Sons konnten schon letztes Jahr beim Haldern überzeugen, dieses Jahr auf der Mainstage

Ein paar Stunden später, ging es dann schon wieder weiter, hatten die Veranstalter doch für den letzten Tag noch einige Hochkaräter zurückgehalten, was wohl auch den frühen Slot von Portugal. The Man erklären könnte, die dadurch zumindest „The Sun“ während der Anwesenheit eben dieser spielen durften und das Publikum zum Tanzen brachten. Etwas das auch der erste Zelt-Act Everything Everything vermochte, hatten sie doch einige neue Songs ihres diese Woche erscheinenden Debütalbums dabei. Noch während die Briten diese spielten, begannen auf der Hauptbühne schon Fanfarlo, die eindrucksvoll bewiesen, dass sie auch schon auf der großen Bühne bestehen können – Arcade Fire-Ähnlichkeiten im Sound der Band gewollt oder nicht.


Portugal. The Man


Everything Everything im Spiegelzelt

Die Blood Red Shoes bewiesen dagegen mal wieder, dass sie absolut austauschbar sind und mit ihrem lustlosen Rock-Gehabe, live nur mäßig genießbar sind. Umso toller dagegen die Dänen von Efterklang, die aus dem Schmunzeln und Lächeln nicht mehr herauszukommen schienen – etwas, dass sich auf das Publikum übertrug, auch wenn bei Tageslicht und ohne Philharmonie Orchester nicht ganz so viel Gänsehaut-Stimmung verbreitet wurde während „Cutting Ice to Snow„.


Sympathieträger-Band Efterklang auf dem Haldern Pop Festival

Technische Probleme hinderten dann die beiden Festival-Abschluss-Bands Yeasayer und The National daran ihre volle Klasse zu entfalten. Während die Tontechniker das gesamte Yeasayer-Intro am Sound arbeiteten und die Probleme danach behoben schienen, musste der Bass-Amp während dem National-Auftritt drei Mal ausgewechselt werden – etwas, dass Matt Berninger und Co. sehr professionell aufnahmen und munter zu überspielen versuchten. So oder so – The National spielen live auf einem anderen Level, trotz Berningers ziellosen Umherirren auf der Bühne, dem mehrmaligen Umwerfen seines Mikrophons und dank einer unerwarteten Zugabe – es hat sich gelohnt The National als Headliner zu buchen, eine Band wie ein Spektakel! Einziger Wermutstropfen, dass man während der Wartezeit vor The National den sicherlich tollen Auftritt von Dan Deacon verpasste. Aber man kann eben nicht alles haben.

Alles in allem hat das 27. Haldern-Festival wieder seinen Ruf bestätigt: Ein Festival der guten Menschen, der guten Musik und dieses Jahr auch des guten Wetters!

// Fotos by Dominik Schmidt

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