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Veröffentlicht am 27.10.2010 | von Dorota

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FLORIAN OSTERTAG – Interview

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Wir selbst sind ja Fans von deutschen Singer-Songwritern, ganz besonders wenn sie ein hervorragendes Album veröffentlicht haben. Florian Ostertag hat uns mit „The Constant Search“ (die Kritik könnt ihr HIER lesen) bezaubert und da bleibt uns ja eigentlich nichts anderes übrig, als den Künstler selbst zu Album, Produktion und musikalischen Vorlieben zu befragen. Viel Spaß bei einer neuen Ausgabe des Bedroomdisco Interviews, diesmal mit Florian Ostertag!

1.) Steckbrief:

– Name: Florian Ostertag
– Standort: aktuell Nashville normal Stuttgart
– aktuelles Album: The Constant Search

2.) Fragenkatalog:

– Wie und wann bist du zur Musik gekommen?
Ich erinner mich an so ne Kassette, die ich als Kind gehört hab. Rolf Zuckowski oder sowas. Mit 6 oder so danach wollt ich unbedingt Keyboard lernen. Das hab ich dann auch getan, als ich sieben war. Ich hab zu der Zeit aber selber kaum Musik gehört. Eher 3 Fragezeichen oder TKKG. Erst so mit 15/16 hab ich mich angefangen für Musik zu interessieren. Da hab ich dann Gitarre und Klavier gelernt und in der ersten Band gespielt.

– Gab es jemanden oder etwas, der/das ausschlaggebend war?
Naja, diese Rolf Zukowski Kassette hatte so coole Soundeffekte. Es ging um nen Düsenjäger in dem Song und dann war dieser Sound von so nem Düsenjäger und es war irgendwie elektronisch, das fand ich ziemlich geil. Deswegen wollt ich ein Keyboard hamn. Aber wie gesagt, so richtig ging’s erst mit 15/16 los. Ich hab Chöre begleitet am Klavier. Wollte aber eigentlich eher ne richtige Band. Ein guter Freund von mir hat in ner Band aufgehört und die suchten nen Keyboarder, da bin ich eingestiegen. Wir hatten exakt einen Auftritt. Der war mir so peinlich, dass ich danach nie wieder zu ner Probe gegangen bin.

– Wie würdest du deine Musik beschreiben?
Songwriter mit Indie Elementen.

– Welche musikalischen Einflüsse hast du?
Ich höre selber nicht so arg viel Musik und kenne nicht so arg viel. Späte Grunge / Alternative Rock Bands wie Bush und Silverchair hamn mich beeinflusst. Als mir das dann irgendwann zu laut war mochte ich David Gray, Keith Kaputo und Damien Rice. Damien Rice ist definitv ein unüberhörbarer Einfluss.

– Wie kamst du dazu das Album „The Constant Search“ zu schreiben und aufzunehmen?
Die Songs sind über eine lange Zeit entstanden auch während ich noch eine Indie Band hatte. Es waren eher persönliche Songs. Keine „ich setz mich hin und schreib nen Song“-Songs. Sondern eher, was ich eben in nem Moment fühlte und dann aufgeschreiben hatte. Sie sind also eher nebenbei entstanden. Manche der Songs waren aber zu langsam oder zu fragil um sie mit der Band zu spielen. Ich hätte mich wohl garnicht getraut, sie mit der Band im Probenraum zu spielen. Vielleicht aus Angst vor meinen Bandkollegen als Heulsuse dazustehen. Vielleicht auch, weil ich Angst hatte sie könnten es nicht nachempfinden und somit auch nicht musikalisch so umsetzten, wie ich es fühlte. Ich hatte so ne Gartenhütte in der Zeit, da konnte ich ungestört nachts Musik machen. Natürlich nur so leise, dass ich die Nachbarn nicht störte. Aber das waren so die ersten songs. Irgendwann hab ich dann mit ein paar Freunden nen Keller zu nem Studio umgebaut und dort weitergemacht. Da durfte es dann auch lauter sein. Es hat ein paar Jahre gedauert vom ersten song bis zur fertigen Platte. Der eigentliche Aufnahmeprozess hat sich über ein Jahr hingezogen. Manche Texte und Melodien wie bei „Drowning Man“ oder „Let It Go“ wirken ein wenig melancholisch.

– Wie würdest du selbst das Album und seine Stimmung beschreiben?
Ja ich denke schon melancholisch, ohne hoffnungslos zu wirken und mit ner Prise Selbstironie.

– Ist das Album in Eigenregie entstanden oder gab es ein Label, das dich unterstützt hat?
Ich denke man kann sagen, es ist in Eigenregie entstanden. Ich hatte kein Budget zur Verfügung oder so, hab alles selber finanziert und konnte alles frei entscheiden Das Label kam auf mich zu, nachdem sie gehört hatten, dass ich ne Platte mache. Ich hab ihnen ein fertiges Album geliefert und sie helfen mir bei Promo und Vertrieb, wofür ich sehr dankbar bin, weil ich in diesen Sachen scheiße bin.

– Wie, wo und in welchem Zeitraum wurde das Album aufgenommen bzw. produziert?
Ich habe das ganze in meinem Studio in einem kleinen Dorf auf der schwäbischen Alb aufgenommen. Es hat ungefähr ein Jahr gedauert (Sommer 2009 – Sommer 2010). Aber ich war zwischendurch auch auf Tour oder hatte Durchhänger.

– Was waren die Probleme, wie hast du dich darauf vorbereitet, was war der beste Moment während der Aufnahmen?
Naja, wenn man viel alleine arbeitet und sowieso immer am Zweifeln ist¸ berdenkt man vieles, nimmt es neu auf, findet dann doch wieder das alte gut. Ich hatte viele Durchhänger während der Produktion. Tage an denen ich gerade mal eine Gitarrenspur eingespielt habe und die dann am Ende des Tages wieder gelöscht hab. Vorbereiten musste ich mich nicht, weil ich für die Studiozeit nicht bezahlen musste. Die besten Momente während den Aufnahmen waren, wenn ich andere Musiker da hatte, die neue Ideen einbrachten oder ihr Instrument einfach viel mehr beherrschten, als ich es das jemals tun würde. Ich hab ein paarmal versucht Schlagzeug selbst einzuspielen und hab fast alles wieder gelöscht, weil es einfach zu schlecht war. Die Streicheraufnahmen fand ich super.

– Unser Lieblingssong ist „I Have Been Good“ – kannst du uns erzählen, wie das Lied entstanden ist bzw. ob es eine Geschichte dazu gibt und was er persönlich für dich bedeutet?
Mhm, ich glaube in dem Song wird sehr sehr viel verarbeitet. Ich komme aus einem recht konservativ christlich geprägten Hintergrund. Da ist vieles schwarz weiss. Man neigt dazu schnell in Klischees zu denken,über andere zu urteilen und selbstgerecht zu sein, nur weil andere Menschen, andere Ansichten haben. Oder auf der anderen Seite sich selber zu verurteilen und sich für die eigenen Fehler zu hassen, weil man seinen eigenen Idealen nicht gerecht wird. Alles in Frage zu stellen oder alles schön zu reden. Wenn mir jemand zu nahe kommt spüre ich das am deutlichsten. Ich versuche die Fassade des netten, tollen Kerls aufrecht zu erhalten bis ich selber daran zerbreche und wegrennen muss, weil ich mein Getue selber nicht mehr ertragen kann. In dem Beispiel des Songs bin ich nach Neuseeland abgehauen, weil das irgendwie soweit weg war, wie es nur ging. Das kommt auch im Song vor „running to the end of the world“. Der Song ist irgendwie eine Art Spagat: Ich bin schwarz und weiß und irgendwie fühlt sich beides richtig und falsch gleichzeitig an, beides und ich muss das aktzeptieren. Das ist für mich eine sehr unbequeme Position (schätze wie beim Spagat, haha), weil alles irgendwie relativ wird und es kein absolutes richtig und falsch mehr gibt und weil man es ständig wieder neu definieren muss und ständig auf der Suche danach ist. Einfacher wäre es wenn dir einfach jemand sagen würde: „Mach es einfach so dann machst Du alles richtig.“ Wenn es sowas wie ein Fazit in dem Song gibt, dann wohl das dass man auf Vergebung und auf die Nachsicht der Menschen, die man nahe bei sich hat angewiesen ist und man selber eben aus eigener Kraft nicht alles wieder gut machen kann. Das ist immer noch ne große Herausforderung für mich, das zu aktzeptieren.

– Hast du dich ganz der Musik verschrieben oder hast du noch ein zweites Standbein bzw. andere Interessen was du einmal machen möchtest?
Ich hab ja mit meinem Keyboarder zusammen ein kleines gemütliches Studio auf dem Land. Dort produzieren wir auch für andere. Da hab ich auch mal ein halbes Jahr garnichts zu tun, aber wenn’s ne Produktion gibt bin ich auch mal wochenlang dort. Ausserdem mach ich noch hin und wieder Livesound für andere Bands. Das ist alles ziemlich relaxt. Manchmal zu relaxt so dass ich mir auch manchmal wünsche einen regelmässigen Job zu haben. Ich hab vor ein paar Jahren noch Kommunikationstechnik studiert, hab aber nie was mit dem Abschluss gemacht, vielleicht kommt das noch irgendwann. Manchmal hab ich echt genug davon ständig über mich selbst nachzudenken und das mache ich zwangsläufig, wenn ich Zeit habe. Da kann man schon sehr melancholisch werden. Ich denke dann schon immer mal wieder darüber nach, das mit der Musik sein zu lassen. Aber im Moment ist das wohl der Platz an dem ich am zufriedensten bin.

– Mit wem würdest du gern einmal ein Lied/Album aufnehmen (sowohl Produzent, als auch Musikern)?
Hmm, als Produzent fällt mir eigentlich nur Frank Pilsl ein. Der hat beide Philipp Poisel Alben gemacht und meins gemastert. Er ist für mich sowohl menschlich als auch produktionstechnisch ein Vorbild. Bei Menschen, die ich nicht kenne fühle ich mich eher unwohl da würde ich bestimmt ganz schlecht singen und spielen. Ich würde gerne mal was mit ner weiblichen Stimme aufnehmen. Ane Brun fände ich toll. Sie müsste allerdings die Hauptstimme singen weil sie so ne charackteristische Stimme hat, dass die als Zweitstimme nicht funktionieren würde. Ich würde dann gerne ne Zweitstimme singen.

– Teilweise bietest du an, dass dich auch Fans für private Auftritte buchen können, wie kommt’s bzw. wie läuft das normal ab, was magst du daran?
Ich hatte so ne Wohnzimmertour letzten Winter, mit Hauskonzerten. Das ist einfach ne schöne Atmosphäre und man weiss, dass alle die da sind, wegen der Musik da sind. Irgendwie sehr intim. In nem Club kostet es mehr Arbeit, die Aufmerksamkeit zu gewinnen, weil da immer so ne automatische Trennung wischen Publikum und Bühne da ist. In nem Wohnzimmer ist das anders. Meistens gibt es dann ein bisschen Wein und kleine Snacks man unterhält sich mit den Leuten und irgendwann spielt man dann ein paar songs, macht dann ne kleine Pause und spielt wieder ein bisschen. Man lernt ausserdem viele Leute kennen, das find ich auch schön daran. Sowas mach ich bestimmt auch mal wieder, aber eigentlich in Zusammenhang mit einer kompletten Tour.

– Was sind deine nächsten Pläne?
Anfang nächsten Jahres bin ich mit Philipp Poisel auf Tour. Danach ne eigene Tour und dann hoffentlich ein neues Album. Dafür schreibe ich gerade Songs, aber erzwingen will ich das nicht. Deswegen… …schaun wir mal. Ausserdem gilt es natürlich immer soviele Leute für die eigene Musik zu begeistern, dass man mit Konzerten und CD-Verkäufen soviel verdienen kann, dass man halbwegs davon leben kann. Wenn bei jedem Konzert zwischen 50 und 100 Leuten kommen und die dann noch ein paar CDs kaufen ist das machbar. Alles darüberhinaus ist Luxus. 🙂

– Deine 3 Top Alben in 2010?
The National – High Violet
und obwohl schon einiges älter Bon Iver – For Emma, forever ago
David Gray – White Ladder

– Warum?
The National – weil ich mich in den Texten wiederfinde und ich die Band einfach mag.
Bon Iver – die Musik hat eine Art Leichtigkeit in der Melancholie. Obwohlsie melancholisch und tief ist sagt sie mir: Alles wird gut.
David Gray – weil ich das Album immer wieder hören kann und immer gut finde

– Welcher Song ist und bleibt dein all-time Favorit?
Ist: David Gray – Please Forgive me
bleibt: kann ich nicht versprechen

Weil ich den immer wieder hören kann und ich ihn nie langweilig finde und ich die line einfach zu geil finde: „Please fogive me if I act a little strange, for I know not what I do“.

– Welcher Song passt zu deiner aktuellen Stimmung?
Ed Harcourt – Loneliness (what would I do without you)

– Was stellst du dir unter „Bedroomdisco“ vor?
In meiner Schulzeit hamn wir Lampen mit farbigem Transparentpapier abgeklebt und Stehblues getanzt. Naja, ich nicht, aber die andern. Das stell ich mir unter Bedroomdisco vor.

Vielen Dank Florian für das Fragen beantworten!

httpv://www.youtube.com/watch?v=528Z5Yjen_A

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