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Veröffentlicht am 4.11.2010 | von Marc

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MACHETE – Filmkritik

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„Machete don’t text.“

(Machete Cortez – Machete)

Rückblende: Der mexikanische Bundespolizist Machete Cortez (Danny Trejo) metzelt sich (nomen est omen) bei einer heldenhaften Befreiungsaktion geradewegs in einen Hinterhalt seines Erzfeindes Torrez, und muss mitansehen, wie dieser seine Frau ermordet. Jahre später schlägt er sich wie viele seiner Landsleute als Tagelöhner auf der illegalen Seite des US Grenzzaunes durch, als er von einem mysteriösen den Auftrag erhält, den rassistischen Senator zu ermorden. Dies ist der Ausgangspunkt für einen ziemlich wirren Plot, durch den sich Machete im Stil eines mexikanishen Shafts (Mexploitation, sozusagen) seinen Pfad  freihackt. Was als Fake-Trailer für Grindhouse begann, wurde jetzt also vom Regie-Duo Robert Rodriguez und Ethan Maniquis auf Spielfilmlänge aufgepumpt. Um es gleich vorwegzunehmen: „Machete“ fällt gegenüber früheren Werken dann auch deutlich ab. Und Vergleiche liegen hier ziemlich nahe, da eine Menge alte Bekannte z.B. aus „From Dusk Till Dawn“ (Trejo selbst, Cheech Marin, Tom Savini) wieder mit von der Partie sind.

Wer an einem ähnlich verwirrten Filmgeschmack wie der Autor dieser Zeilen leidet, sollte sich „Machete“ eventuell jedoch aus einem ganz anderen Grund zu Gemüte führen: Steven Seagal, der spätnächtliche Kabel 1 Messerkämpfer vom Dienst (z.B. „Alarmstufe: Rot“) als Oberschurke Torrez. Dieser mit Katana und (in der OV) haarsträubend schlechtem Spanisch bewaffneten Charakter ist wirklich so völlig abstrus, dass Erinnerungen an unfreiwillig (zum Schreien!) komische Streifen wie American Ninja wach werden.  Hier gelingt Rodriguez die Balance zwischen Kinogeschichtsstunde und ironischer „self-awareness“ auf der einen, und im besten Sinn anspruchsloser Unterhaltung  auf der anderen Seite.

Ansonsten ist es oft ziemlich offensichtlich, dass es für einen lustigen Film nicht reicht, einfach ein paar (Alt-)Stars auf das Publikum loszulassen. „Oh lol, Robert De Niro“ funktioniert natürlich irgendwie schon, hinterlässt jedoch einen etwas faden Beigeschmack wenn der Charakter ansonsten recht wenig zu bieten hat. Angesichts einiger Kandidaten, die diese Woche in den USA zur Wahl standen, muss man allerdings feststellen dass der ballernde Rassist McLaughlin immerhin als Realsatire nicht schlecht funktioniert. Letzlich kann mir aber niemand erklären, was es für einen Sinn es hat, dem abgehalfterten Don Johnson (der in den 80ern in pastellfarbenen Anzügen das sündhafte Miami sicher machte) auch noch eine Minirolle zu verpassen. Wie so etwas richtig geht  konnte man zuletzt eindrucksvoll bei Mickey Rourkes „The Wrestler“ bestaunen (Art imitates life).

Fazit: „Machete“ ist solides Popcorn-Kino à la Rodriguez, gerade Exploitation Fans werden extrem stilsicher bedient. Letzendlich ist der Film dann doch zu flau um länger im Gedächtnis hängen zu bleiben. Schade, denn gerade das Thema illegale Einwanderer hätte einen ein kleines bisschen intelligenteren Streifen verdient gehabt.

3von510

Machete (USA 2010)
Regie: Robert Rodriguez, Ethan Maniquis
Darsteller: Robert De Niro, Jessica Alba, Michelle Rodriguez, Danny Trejo, Lindsay Lohan
Kino-Start: 04. November 2010 , Sony Pictures Releasing

httpvh://www.youtube.com/watch?v=UxbD3Tl1GeU

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