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Veröffentlicht am 1.07.2011 | von Laura

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PATRICK WOLF – Lupercalia

I was lost
Until that night we kissed
Given up
On life, oh darling, know this
You’re worth more
Than how this city lets you down
When I see you, top, top, top, top of the morning

(Patrick Wolf – The City)

Patrick Wolf, exaltiertes Wunderkind und entrückter Elektro-Folk Jüngling ist, wie unlängst via Twitter bekanntgegeben, kein Bachelor mehr: Dieser Nachricht hätte es angesichts der bisher veröffentlichten Singles von ‚Lupercalia‚ kaum mehr bedurft, zu plakativ wird das eigene Liebes-Glück darin zelebriert, zu abgegriffen wirken die beschworenen Bilder. Der eigentümliche Albumtitel ist in Anlehnung an ein römisches Fruchtbarkeitsfest, die Luperkalien, entstanden und der Name ist für die meisten der 11 Songs durchaus Programm: Als fröhlich-überbordendes Pop-Fest hat ‚Lupercalia‘, das ursprünglich als Teil zwei eines Doppelalbums namens ‚The Conquerer‚ vorgesehen war, kaum mehr etwas mit dem 2009 erschienenen Vorgängeralbum ‚The Bachelor‚ gemein.

Die neue Ausgelassenheit ist mitunter allerdings schwer zu ertragen. Dass große Kunst nur aus großem Leid erwächst und sich privates Glück unter Umständen ungünstig auf dieselbige auswirkt, ist spätestens seit Goebels ‚Torture The Artist‘ (Deutscher Titel ‚Vincent‘) gemeinhin bekannt. Und so wünscht man sich, trotz allem Verständnis natürlich, ab und an insgeheim ein wenig den alten, verschrobenen Patrick herbei. Denn diesem gelang auf Alben wie ‚Wind in the Wires‚ und ‚Lycanthropy‚ stets der schwierige Spagat zwischen Pop-Appeal und Authentizität. ‚Lupercalia‘ hingegen driftet zu oft ins süßlich-pompöse ab und lässt den als Gegengewicht dringend benötigten Tiefgang vermissen: Das lässt den Wolf einiges an Bissigkeit einbüßen und verkommt bisweilen zu zahnlos-fadem Geheule.

So ist bereits der Opener ‚The City‚ ein zuckriges Pop-Ungetüm. Die durchaus mitreißende Melodie wird von Handclapping, Streichern und einem – man mag es kaum glauben – sehr enthusiastischen Saxophon-Solo getragen. Auch wenn man dem Track eine gewisse Catchiness kaum absprechen kann, beschleicht einen doch das ein oder andere Mal das unangenehme Gefühl, dass hier zugunsten des neuerlichen Major-Signings etwas zu beherzt nachgeglättet wurde. Angesichts dieses kitschig-überladenen Songs wundert auch die unlängst von Lady Gaga ausgesprochene Empfehlung für Patrick Wolf nunmehr wenig. Lyrisch klingt hier bereits an, was man vom Rest des Albums zu erwarten hat: wenig versponnene, dafür umso gefühlslastigere Texte, deren Themenspektrum von unerreichbarer über verflossene bis hin zu erfüllter Liebe reicht. Eine ähnliches Annäherung an den Mainstream ist auch bei ‚Time Of My Life‚, dessen Titel allein unangenehme Erinnerungen an längst verdrängt gewähnte 80ies Schmonzetten weckt, zu finden, das trotz spannender Struktur und schönem Refrain eine Spur zu gezähmt wirkt.

Seine stärksten Momente hat das Album dann an den Stellen, an denen sich Wolf wie gewohnt als Kind von Traurigkeit inszeniert: Etwa beim mystisch verstiegene ‚Armistice‚, das dank dem Einsatz eines Duduk, eines armenischen Holzblas-Instruments, einen zaghaft-klagenden Sound erzeugt und so einen interessanten Kontrast zum restlichen Album bietet. Ebenso überzeugen kann das sanfte ‚The Future‚, in dem eben jene bedächtige Melancholie anklingt, die viele der älteren Stücke so reizvoll gemacht hat. ‚The Days‚ und ‚Falcons‚ hingegen rekapitulieren gegen Ende noch einmal sämtliche schwülstigen Höhepunkte des Albums und entlassen den geneigten Hörer schließlich mit Streichensemble und reichlich Pathos in die verdiente Ruhepause.

So wirkt das Album in seiner Gesamtheit zu überladen; das eigentlich sehr persönliche Thema verhallt schlichtweg an der verschnörkelten Fassade. Zwar wird ‚Lupercalia‘ mit Sicherheit ein breiteres Publikum ansprechen als die Vorgängeralben, dafür muss Wolf sich jedoch den Vorwurf gefallen lassen, im Gegenzug einiges an Spannung und Originalität eingebüßt zu haben.

Patrick Wolf – Lupercalia
VÖ.: 17. Juni 2011, Mercury (Universal)
www.patrickwolf.com
www.myspace.com/officialpatrickwolf

httpvh://www.youtube.com/watch?v=3hBJIbSScBM&feature=channel_video_title

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