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Veröffentlicht am 20.09.2011 | von Fred

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SLOW CLUB – Paradise

I’ll come another day
And maybe you understand
I look into your eyes
You don’t know who I am

(Slow Club – Two Cousins)

Nach ‚Yeah So‘, dem erfolgreichen Debüt von Slow Club, wäre es nur logisch gewesen, dass das Duo aus Sheffield weiterhin konsequent seinen Sound beibehält: Twee und superromantische, ja fast kitschige Indie Folk-Perlen beherrschten das Klangbild des ersten Albums und sorgten dafür, dass Slow Club durch Airplay in Werbungen und TV-Shows schnell an Popularität gewannen. Mit ihrem neuen Album ‚Paradise‚, schlägt die Band einen ernsteren Ton an und die zuckrig süßen Songs werden mit einer schwarz-düsteren Glasur überzogen. Obwohl der Sound erwachsener und reflektierter wirkt, schaffen es Slow Club ihren eigenen Stil beizubehalten. Einige Tracks, wie ‚Where I’m waking‘ oder ‚Hackney Marsh‘ hätten, vor allem musikalisch, auch auf ‚Yeah So‘ funktioniert, die anderen Hälfte der Songs wurden durch vollkommen andere Einflüsse geprägt. Ein weiterer Unterschied zwischen ‚Yeah So‘ und ‚Paradise‘ ist das Zusammenspiel der Stimmen. Rebecca Taylor übernimmt den dominanten Gesangspart während Charles Watson komplementäre Harmonien beisteuert oder sich auf die Gitarre konzentriert. Eine brillante Entscheidung, da Watson einen sehr angenehmen Tenor hat, wohingegen Taylors Stimme bunter und ausdruckstärker ist.

Auf dem prägnanten ‚You, Earth or Ash‘ steht Rebecca Taylors Großvater im Mittelpunkt und ihre melancholischen Vocals wirken oftmals nackt und werden nur durch Watsons Gitarre begleitet. Ihre Stimme klingt verwundetet und fragil, aber der Ton in dem sie singt wirkt erwachsen und ehrwürdig. Rebecca Taylorscheint fast unter der Last des Kummers zu zerbrechen, während sie Zeilen wie „And I know, soon you’ll go“ singt. Eine weitere Stelle, die sehr anschaulich illustriert, dass der Slow Club gereift ist, kann man in ‚Where I’m Waking‘ entdecken. Hier schmachtet Frau Taylor: „I Can See You Looking At Me/ You got the brains i got the body“ und macht damit klar, dass sie einen gewissen Realismus bzw. eine Abgeklärtheit entwickelt haben. Nicht mehr alles ist Sunshine, Lollipops und Rainbows – hier wird auch mehr als einmal Klartext gesprochen.

Doch man findet auch noch die alten Slow Club: Auf den späteren Songs ‚If We’re Still Alive‘ und ‚The Dog‘ wird Paradise noch einmal wilder und poppiger. Produzent Luke Smith (der eigentlich aus dem elektronischen Musikumfeld kommt und auch die letzte Platte der Foals produziert hat) geht auf die Vorliebe der Band für wackelige Drums, rasselnde Gitarren und eindrucksvolle zweiteilige Harmonien ein. Rein musikalisch hätten dies wohl auch anderen Produzenten fertiggebracht, aber in Smiths Produktion steckt eine Menge Charme, Personalität und Identität, durch die Slow Clubs exzellentes Songwriting noch besser zum Vorschein kommt. Von Liebe, Herzschmerz bis hin zu Tod findet man auf Paradise alles wieder. Slow Club haben sich vorgenommen, nicht mehr nur niedlichen Pop zu machen, und das mit Paradise auf beeindrucke Art und Weise geschafft.

Slow Club – Paradise
VÖ: 16. September 2011 (Moshi Moshi/ Rough Trade)
www.slowclubband.com/
www.myspace.com/slowclub

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Über den Autor

Fred ist 32 Jahre, wohnt in der Pop-City Damstadt und mag Hunde, Pizza und Musik.



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