Filmnews Biutiful - Filmkritik

Veröffentlicht am 22.10.2011 | von Fred

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BIUTIFUL – Filmkritik

Biutiful - Filmkritik

„Dad! How do you spell „beautiful“?
– Like that, like it sounds.“

(Tochter Ana zu ihrem Vater Uxbal)

Alejandro González Iñárritu gilt als Meister der verworrenen und trotzdem ineinander fließenden Erzählstränge. Sein bisherigen Erfolge, ‚Babel‘, ‚Amores Perros‘ und ‚21 Gramm‘, wechseln oftmals ihre Perspektiven und lassen dabei ein komplexes und trotzdem durchdachtes Gefüge entstehen. In seinem neusten Werk ‚Biutiful‘ versucht sich Iñárritu erstmals an einer linearen Geschichte, die durch ihre Protagonisten eine Form erhält. Doch wer jetzt denkt mit Biutiful leichte Kost vorgesetzt zu bekommen, hat sich getäuscht.

Der geschiedene Familienvater Uxbal (Javier Bardem) fristet sein trauriges Leben in einem schmuddeligen Appartement in einem verwahrlosten Vorort Barcelonas. Sein Dasein wird durch seinen ständig andauernden Überlebenskampf bestimmt, doch unermüdlich schafft es Uxbal sich immer wieder durchzuschlagen. Durch seine Kontakte zur Polizei deckt er einen afrikanischen Schwarzhändlerring, er vermittelt illegale chinesische Bauarbeiter und gibt vor mit den Toten reden zu können. All diese gefährlichen Aufgaben nimmt Uxbal auf sich, um seine ehemalige Frau und vor allem seine beiden Kinder über die Runden bringen zu können. Versöhnungsversuche mit seiner alkoholkranken und an einer bipolaren Störung leidenden Ehefrau scheitern. Ein für die Kinder harmonisches Familienleben rückt in weite Ferne. Doch Uxbal gibt nicht auf, denn seine Bemühungen kommen nicht von ungefähr: Er leidet an einer Prostata-Krebs-Erkrankung im Endstadium und versucht vor seinem Ableben die Dinge zu ordnen.

‚Biutiful‘ ist in seiner allgegenwärtigen Trostlosigkeit ein furchterregender Film. Emotionale Tiefschläge folgen stetig aufeinander und Uxbal ist in einer Spirale gefangen, die nur einen Weg kennt: Abwärts. Iñárritu lässt dem Zuschauer keine Atempause, immer und immer wieder wird ihm die Ausweglosigkeit von Uxbals Situation vorgehalten. Doch trotz allem ist der Protagonist ein aufrechter, ein guter Mensch, der nur bei der Wahl seiner Methoden den Weg des Illegalen nicht scheut. Aber das ist reiner Pragmatismus. Er nutzt zwar die Menschen in seinem Umfeld finanziell aus, kümmert sich aber dennoch rührend um sie. Für Uxbal sind Moral und Verantwortung nicht nur leere Worte. Warum er diese Art von Existenz gewählt hat, lässt Inárritu im Unklaren, er liefert keine Erklärungen und verstärkt dadurch den tristen Charakter des Filmes nur noch.

Regisseur Iñárritu breitet mit ‚Biutiful‘ das vielschichtige und kraftvolle Porträt eines zum Untergang Verdammten aus, das durch die unglaubliche schauspielerische Leistung von Oscarpreisträger Javier Bardem greifbar und nachvollziehbar wird. Uxbals Leidensweg wird gar lyrisch beschrieben, der Grundton zieht den Zuschauer, trotz einer gewissen Vorhersehbarkeit der Story, sofort in seinen Bann. Zusehends verliert man sich in Uxbals Leiden, aus denen es scheinbar keinen Ausweg gibt. Doch tatsächlich erzeugt die Krankheit nur einen ständig negativen Grundtton, getragen wird Biutiful durch die Beziehung und Bemühungen Uxbals für seine Kinder. Die Frage der Vaterrolle in der heutigen Zeit kommt unweigerlich auf, verstärkt durch Uxbals eigene Beziehung zu seinem Erzeuger: Sie haben sich praktisch nicht gekannt. Optisch wird ‚Biutiful‘ finster und karg präsentiert: Durch blaue Filter, dunkle Farben und harte Kontraste bekommt der Film einen verbrauchten und düsteren Look, der die Thematik des Dramas nur all zu gut widerspiegelt. ‚Biutiful‘ ist erschreckend und mitreißend, doch durch seine Erzählweise in seiner Tristesse wunderbar schön.

Biutiful (Mexiko/USA 2010)
Regie: Alejandro González Iñárritu
Darsteller: Javier Bardem, Maricel Álvarez, Hanaa Bouchaib, Guillermo Estrella
DVD-VÖ: 13. Oktober 2011, Prokino

httpvh://www.youtube.com/watch?v=s4VyNsOBetg

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Über den Autor

Fred ist 32 Jahre, wohnt in der Pop-City Damstadt und mag Hunde, Pizza und Musik.



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