Filmnews Winter's Bone - Filmkritik

Veröffentlicht am 9.11.2011 | von Fred

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WINTER’S BONE – Filmkritik

Winter's Bone - Filmkritik

 

„Manchmal ist es mutiger, zu Hause zu bleiben, als in den Krieg zu ziehen.“

(Polizeibeamter zu Ree – Winter’s Bone)

Winter‘s Bone‚ ist der zweite Spielfilm der amerikanischen Regisseurin Debra Granik. Vier Oscar Nominierungen und den großen Preis der Jury auf dem Sundance Festival konnte das Drama, das auf dem gleichnamigen Roman von Daniel Woodrell basiert, für sich verbuchen. Und das mit Recht, denn Debra Granik legt mit Winter‘s Bone ein fantastisches Portrait über die Einwohner eines kleinen Dorfes in den Bergen und Wäldern Ozarks (Missouri) vor. ‚Winter’s Bone‘ ist trauriges Portrait über in der Verdammnis gefangene Menschen und ein junges Mädchen, das sich gegen eben dieses Schicksal aufbäumt.

Die Rede ist von der 17jährigen Ree Dolly (Jennifer Lawrence), die sich alleine um ihre psychisch kranke Mutter kümmert und die Erziehung ihrer beiden kleinen Geschwister übernimmt. Buchstabieraufgaben, Schießübungen und das Häuten von Eichhörnchen stehen auf ihrem Lehrplan. Ree versucht ihren Geschwistern gleichsam das Einmaleins des Überlebens, sowie gewöhnliche Bildung mit auf den Weg zu geben. Sie bemüht sich das Überleben innerhalb des kargen Winters, aber auch ein mögliches Bestehen außerhalb des zerrütteten Ortes zu vermitteln. Der Vater der Familie, ein Drogendealer, ist untergetaucht und bleibt einer anstehenden Gerichtsverhandlung fern. So muss sich Ree auf die Suche nach ihrem Vater, der das Haus seiner Familie als Kaution eingesetzt hat und dann spurlos verschwunden ist, machen. Getrieben von der Gefahr, ihr Zuhause zu verlieren und in den Wäldern der Ozarks zu stranden, stellt sich Ree gegen den Schweigekodex ihrer am Rande der Gesellschaft lebenden Verwandtschaft. Sie riskiert ihr Leben, um ihre Familie zu retten und nach und nach lichtet sie das verwandtschaftliche Gestrüpp aus Lügen, Ausflüchten und Bedrohungen. Langsam aber sicher bringt sie die Wahrheit ans Licht…

‚Winter’s Bone‘ folgt dem Trend der letzten Jahre düstere Milieudramen zu erzählen. ‚The Wrestler‘, ‚Precious‘ oder eben ‚Winter’s Bone‘: In jedem dieser Werke wird ein Amerikabild entworfen, das so gar nicht zu Glamour und roten Teppichen normaler Hollywoodproduktionen passen will. Subkulturen und ihr Umfeld stehen im Vordergrund, sei es der heruntergekommene Sportler, das dicke, schwarze Mädchen oder eben die Bewohner Orzarks. In jedem dieser Portraits wird ein düsteres Bild der ansonsten so stolzen Nation Amerika gemalt. Alle haben sie jedoch die Dunkelheit gemein, die in jedem der Filme nicht nur lauert, sondern offen zur Schau gestellt wird. In Winter’s Bone wird dieser Eindruck noch durch den Einsatz von Laienschauspielern gestärkt, ihr nuscheliger Dialekt und ihre wettergegerbten Gesichter verleihen der Handlung einen unaufdringlichen Realismus. Doch auch Hauptdarstellerin Jennifer Lawrence verleiht ihrer Figur bemerkenswerte Tiefe und Glaubwürdigkeit, zu keiner Sekunde merkt man ihr an, das dies ihre erste große Rolle ist.

Mit ‚Winter’s Bone‘ ist Debra Granik ganz großes Independent-Kino gelungen. Sie versetzt die Themen klassischer Folklore in ein zeitgemäßes Setting, denn statt Alkohol regieren Drogen, statt Großstadt der Hinterwald. Dank feiner Dialoge, einem ausgezeichneten Cast und seiner völlig unprätentiösen Kameraarbeit bleibt der außergewöhnliche Film lange im Gedächtnis und dürfte keinen Zuschauer kalt lassen. Aber ‚Winter’s Bone‘ ist vor allem ein Amerika Porträt, eine einzigartige Mischung aus Gesellschaftsfilm, Thriller und Familiendrama. Buchautor Daniel Woodrell beschreibt seine genreübergreifende Erzählweise als Country Noir. ‚Winter’s Bone‘ – ein düsteres Stück Land.

Winter‘s Bone (USA 2010)
Regie: Debra Granik
Darsteller: Jennifer Lawrence, John Hawkes, Kevin Breznahan
DVD-VÖ: 18. Oktober 2011, Ascot Elite

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Über den Autor

Fred ist 32 Jahre, wohnt in der Pop-City Damstadt und mag Hunde, Pizza und Musik.



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