Musik

Veröffentlicht am 17.01.2012 | von Dominik

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NADA SURF – The Stars Are Indifferent To Astronomy

Every birthday candle that ever got blown out,
is one more year of someone trying to figure it all out.

(Nada Surf – Looking Through)

Im zwanzigsten Jahr der Bandgeschichte, veröffentlichen Nada Surf demnächst das mittlerweile siebte Studioalbum (wir zählen hier ‚If I Had A Hi-Fi‚ mit). Die berechtigte Frage, die sich hier stellt: Abnutzungserscheinungen? Doch wo sich die meisten Bands irgendwann im Laufe der Jahre ins Abseits spielen oder per ‚Best Of Up To Now‘-Verramschung der eigenen Einfallslosigkeit ein Denkmal in Form eines Gehaltschecks setzen, veröffentlichte das New Yorker Trio 2010 ein Cover-Album, um sich teilweise auf der Spielwiese fremder Songs auszutoben und teilweise einfach die eigene Ehrerbietung gegenüber Songs, Bands und Künstler auszudrücken – eine gelungene Momentaufnahme im langjährigen Schaffen der Band. OK, sicher, als bekennender Fan schaut man sich auch ein schlechtes Spiel seiner Lieblingsmannschaft an und findet immer noch etwas Gutes daran, aber irgendwo zwischen ‚Let Go‚ (2002), dem Überalbum ‚The Weight is a Gift‚ (2005) und ‚Lucky‚ (2008) ist vielleicht etwas die Objektivität im Bezug auf Nada Surf verloren gegangen…wir zitieren hierzu unsere Kritik (hier komplett zu lesen) zu ‚If I Had A Hi-Fi‘: „Letztlich reiht sich ‚If I Had A Hi-Fi‘ gut in die Diskographie der Band ein, die noch kein schlechtes Album gemacht hat„. Doch wie steht es da um ‚The Stars Are Indifferent To Astronomy‚?

Clear Eye Clouded Mind‚ dient als Opener der Platte und könnte den ein oder anderen Hörer auf dem falschen Fuß erwischen, legt der Song doch los wie die Feuerwehr. Drummer Daniel Lorca schlägt auf sein Schlagzeug ein, treibt die Band voran, während Sänger und Gitarrist Matthew Caws sein Instrument bearbeitet, um im Refrain, für die Band typisch, die Strukturen aufzubrechen und für einen dieser einzigartigen Nada Surf-Momente zu sorgen: „The Stars Are Indifferent To Astronomy“ – und alles ist jetzt schon gut, alle Bedenken weggewischt – das sind Nada Surf und sie stehen im Saft!

Überhaupt (apropos Saft) ist das Älterwerden das Thema der Platte und scheint immer wieder durch: mal reflektiert man sein eigenes Verhalten, mal schaut man zurück auf vergangene Träume (‚Teenage Dreams‚), vergleicht seine damaligen Vorstellungen mit der jetzigen Situation (‚When I Was Young‚) oder nähert sich unverhofft der bevorstehenden Zukunft: „…and I cannot believe the future’s happening to me.“ Dabei zeigt man sich druckvoller denn je, offener bzw. besser im Einfangen der Live-Atmosphäre der Band, die, laut eigenen Aussagen, ihre Songs auf der Bühne immer etwas schneller und härter gespielt habe.

Nicht so auf ‚The Stars Are Indifferent To Astronomy‘ – hier spielt die Band auf den Punkt, holte sich sogar mit Doug Gillard einen zweiten Gitarristen ins Studio bzw. schuf auch mal wieder ein Album mit Tempo, nachdem man sich auf ‚Lucky‘ fröhlich-traurig in melancholischer Langsamkeit erging. Dafür holte man sich neben dem zweiten Gitarristen auch noch mit Chris Shaw den Produzenten des ‚The Weight Is A Gift‘-Hits ‚Always Love‚ ins Studio. Und an diesen erinnert das Prunkstück des Albums, der Song ‚When I Was Young‚, dann auch: Ruhiger Beginn, Caws sehnsüchtige Lyrics über leise gespielter Akustik-Gitarre, um nach eineinhalb atmosphärischen Minuten sich zu einem mitreißenden Hit zusammen zu brauen und nach einem Break zur Mitsing-Hymne zu mutieren: „When I was young I didn’t know if I was better of at sleep or up, that I’ve grown up I wonder what was that world I was dreaming of…

Let The Fight Do The Fighting‚ funktioniert ähnlich, kann dabei jedoch sogar mit Bläser-Einsatz aufwarten. Mit ‚No Snow On The Mountain‚ zeigt das Trio, dass ihnen auch zum Ende der Platte nicht die Luft ausgeht, bevor einen ‚The Future‚ mit einem Lächeln und dem Wissen, dass diese Band gereift, aber immer noch gut für Hits ist, zurück. Und so ordnet sich ‚The Stars Are Different To Astronomy‘ mit jedem Hören höher in der persönlichen Rangordnung der Discographie ein, wächst und findet halt eben doch den Weg ins Herz.

Nada Surf – The Stars Are Indifferent To Astronomy
VÖ: 27. Januar 2012, City Slang
www.nadasurf.com

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