Musik

Veröffentlicht am 6.07.2012 | von Monya

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MAXIMO PARK – The National Health

We lie horizontal holding hands
You’ve converted me to many things
It took a woman to make me see.

(Maximo Park – Reluctant Love)

Lange hat man nichts gehört von Maximo Park, den Helden und Sympathieträgern des britischen Indie-Rock, den verlässlichen Hit-Lieferanten aus Newcastle. Seit dem letzten Album ‚Quicken The Heart‚ 2009 begnügten wir uns mit einem sagenhaften Repertoire, das sich aus drei grandiosen Alben speist. Drei Alben, bei denen tatsächlich jedes einfach immernoch Maximo Park war und die erhofften, auf ewig ins Herz geschlossenen Dauerbrenner bot. Wir hörten sie wieder und wieder: das den Beginn unserer Liebe markierende ‚Apply Some Pressure‚; das mit jedem Wort eingebrannte ‚Books From Boxes‚; das Festival-Mitgröhl-Wunder ‚Girls Who Play Guitars‚; das berauschende ‚The Kids Are Sick Again‚. Maximo Park waren immer sie selbst, man konnte immer auf sie zählen, sie wurden nach den ersten drei Alben zu einer Art Institution.

Und genau deshalb war die Spannung so groß vor der neuen Platte ‚The National Health‚. Klar, offen für Neues war man da als Fan schon, aber eine Institution ist eben eine Institution. Sie hat bestimmte Aufgaben und man selbst bestimmte Forderungen. Da gibt es Normen. Sie hat sich etabliert mit dem, was sie geleistet hat, und sie soll es bitte weiterhin leisten.

An dieser Stelle lässt sich nun sehr passend über den Opener ‚When I Was Wild‚ diskutieren. Eine ruhige Nummer, etwas über eine Minute lang – nur Gesang, Piano und Streicher – in der Sänger Paul Smith singt: „I was just pushing buttons, I didn’t think about all of the repercussions“ und man sich denkt „Aaah, sein früheres Leben, „shadow world“, hatte also ein Nachspiel, die Songs kamen einfach, als hätte er nur Knöpfe gedrückt, neeeein, die Band hat sich total gewandelt, verabscheut ihr vorheriges Schaffen, ist jetzt bedachter und erwachsener!“. Die Institution wankt. Und dann eine kurze Pause und der nächste Song, ‚National Health‘. Der bedeutet ab der ersten Sekunde große Erleichterung und den etwas lächerlichen Drang, diese bei einem netten kleinen Pogo zu feiern. Das klingt nach Maximo Park wie wir sie kennen und lieben und wie wir sie ganz eigennützig haben wollen. Das Bild, das diese Band, allen voran die verschrobene Galionsfigur Smith, verkörpert macht einfach zu viel Sinn, um auf den Kopf gestellt zu werden. Die Jungs sind authentisch – nicht zuletzt, weil sie laut Smith von ihrem Plattenlabel keinerlei Einschränkung erfahren.

Hips and Lips‚ ist ein Höhepunkt des Albums und eine dieser Maximo Park-Nummern, bei denen man sich fragt, wie Sänger Smith, dieser nerdige Typ mit Hut und schrulliger Mimik, uns durch solch Synthie-lastigen Klänge endlos cool etwas mitteilen kann: „The way you stick out your limbs and keep your hands on your hips – and I’m supposed to know“. ‚The Undercurrents‚ kommt sehr solide daher, aber auch sehr gefühlvoll. Die leicht pathetische Komponente (in genau dem Maße, das wir bei Maximo Park immer erwarten: „I won’t forget the way you forgive me“) macht das Glücksgefühl beim Hören eigentlich nur größer. ‚Write This Down‚ und ‚Reluctant Love‚ sind klare Hits, denn hier treibt man auf dieser melodiösen Welle aus Synthie, Gitarre und schepperndem Schlagzeug, die die Band seit jeher ausmacht. Und doch wird man immer wieder an den Fakt erinnert, dass Maximo Park auch ordentlich rocken, laut und schnell und treibend (mit ‚Until The Earth Would Open‚ zum Beispiel – wenn dieses auch etwas davonrennt). Bei ‚This Is What Becomes Of The Broken Hearted‚ fügen sich die Instrumentalisierung mit viel Piano und der lyrisch bezeichnende Stil der Band – direkt, etwas verspielt und leicht poetisierend – zu einem echten Ohrwurm zusammen: „Biggest mistake of all, I didn’t return your call“. ‚Wolf Among Men‚ und ‚Take Me Home‚ sind wundervoll beschwingte Songs, die beide nach klassischem Indie im Songwriting-Stil der Smiths klingen.

‚The National Health‘ enthält alles, was wir an Maximo Park schätzen: Tempo, große Melodien und Refrains, punkige und ruhige Momente. Es ist die Ehrlichkeit dieser Band, die jeden Song groß macht. Also, kurz das CD-Regal entstaubt, ‚The National Health‘ neben drei gnadenlos aufrichtige Alben gestellt und den Song-Vorrat für die Wartezeit bis zum nächsten Album erweitert. Es wird sich sicher lohnen – es scheint, als könnten Maximo Park gar nichts falsch machen.

Maximo Park – The National Health
VÖ: 8. Juni 2012, Vertigo Berlin
http://maximopark.com
www.facebook.com/maximopark

Maximo Park – The National Health Album Preview by Maximo Park

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