Musik

Veröffentlicht am 19.11.2012 | von Benjamin

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ANSTAM – Stones and Woods

Nach seinem Debüt von 2011 ‚Dispel Dance‚, das er ebenfalls auf 50 Weapons absolvierte, legt der in Berlin ansässige, studierte Medienkünsler Lars Stöwe sein zweites Album vor. Anstams ‚Stones and Woods‚ könnte nicht besser in das Portfolio des Labels passen, das nach Monkeytown Rec. das zweite Labelprojekt von Modeselektor ist. 50 Weapons steht allerdings deutlich mehr im Zeichen experimenteller elektronischer Musik. Sicher auch deshalb kam Anstam die Ehre zu, für Tykwers neuesten Streich ‚Cloudatlas‚ – der mit filmischen Narrationselementen experimentiert – ein Stück zu komponieren.

Experimentieren scheint gerade zu das Motto dieses Albums zu sein. Aus den verschiedensten Richtungen werden Sounds importiert, nebeneinander gelegt, verbunden, gegeneinander in Szene gesetzt. Und das nicht nur stückübergreifend, sondern bereits innerhalb der Tracks verschieben sich die Arrangements vielschichtig. Kein Track löst das fragile Versprechen ein, das er anfangs zu geben scheint. Harte, fast steinerne Breakbeat-Bässe treffen auf hölzernen Klackersound, Synthflächen branden gegen Industrieelemente. Am Eindrucksvollsten führt das bereits der Eröffnungstrack vor. ‚Morning Shriver Down The Black Wood River‚ plätschert zu Beginn düster melancholisch dahin, wie ein kleines Gebirgsbächleich auf einem spätromatischen Kitschgemälde bis messerscharf produziertes, glasklares Spritzen einen tiefen Abgrund ankündig, über den sich das Gewässer in einen stürzenden Strom verwandelt, das unter lautem Bassgetöse zwischen wechselnden Umweltbedingungen seinen Verlauf ändert.

Nach eigener Aussage orientiert sich die Platte an dem Aufbau der 80er Jahre-Alben, was auch die spärlich gesähten Vocals andeuten. Die ledigleich 9 Stücke der Platte sind dabei mehr als genug, um ganz im Sinne des 80er Pop noch ein Versprechen entlocken zu können. Dabei hat es ‚Stones and Woods‚ überhaupt nicht nötig eine Botschaft zu vermitteln. Die reine Performance erzeugt soviel ästhetischen Genuss, dass man nach stundenlangem Hören, immer neue Facetten entdeckt, sich in neue Stimmungen versetzen lassen kann. Die tragende Melancholie scheint dabei einem Begriff von Vergänglichkeit – die auch in den Titeln der Stücke auftaucht wie ‚My Dreams are made of Steam‚ – geschuldet zu sein, die die Umsetzung einer Idee als die Aufgabe von Potenzialitäten begreift. Trotzdem werden alle Kompositionen erfürchtungsvoll ausgebreitet und gefeiert. Sei es das mit synthetisch-orchestralen Orgeln arbeitende Trauer-Zwischenspiel ‚Time will show you who I am‚ oder der durchaus clubtaugliche ‚Hope’s Soliloquy‚, der 90er Elemente gegen modernen Bass anspielen lässt, so dass die einstige Hoffnung sich nun gegen ihre Gegenwart behaupten muss.

httpv://www.youtube.com/watch?v=hXuGRvlhbXg&feature=youtu.be

Ein phantastisches zweites Album des Berliners, das uneingeschränkt empfehlenswert ist.

Anstam – Stones an Woods
VÖ: 26. Oktober 2012, 50 Weapons
www.50weapons.com
www.anstam.com

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