Musik

Veröffentlicht am 18.07.2013 | von Fred

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JON HOPKINS – Immunity

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Jon Hopkins ist so ein Alleskönner – produziert Coldplays ‚Viva La Vida‘, arbeitet mit Brian Eno und King Creosote zusammen und komponiert nebenbei mal Filmscores für ‚The Lovely Bones‘ und ‚Monsters‘. Seine neueste musikalische Herausforderung nennt sich Techno, ihr ist Jon Hopkins nunmehr viertes Album ‚Immunity‚ gewidmet.

„Ich treffe die Entscheidung zu einem bestimmten Sound nicht bewusst. Ich folge dem, was mich beschäftigt und für ‘Immunity’ waren das eben die zahlreichen Shows mit anderen Musikern, deren Publikum sich stundenlang bis in die Hypnose tanzte und völlig die Zeit vergaß“, erzählt Hopkins der De:Bug. “Ich habe mich gefragt, wie diese Musik funktioniert und wollte dieses Phänomen selbst ausprobieren.” Musikalischer Tunnelblick und Genrefixierungen sind Fremdwörter für Jon Hopkins, der seiner Experimentierfreudigkeit auf ‚Immunity‘ freien Lauf lässt. Er entdeckt und versteht den Techno, wie in diesem Jahr nicht viele und schafft erstaunlicherweise einen radikalen und doch eleganten Übergang von brachialen Beats zu sanftmütigem Frickel-Ambient. ‚Immunity‘ ist ein Album, das von hartem Kontrast und ganz viel Liebe zum Detail lebt. Während man im Opener ‚We Dissappear‚ nach gewohnten Soundstrukturen sucht, setzt sich aus den anfänglichen Field Recordings fast unbemerkt ein wohldefinierter Beat zusammen. 08/15-Sounds sucht man auf Immunity vergebens. ‚Open Eye Signal‚ kommt noch schneller auf den Punkt, mit einem sich nach vorne drängelnden Technobeat und einer leicht angekratzten Geräuschsignatur, die an die kosmischen Kuriere der Krautrock-Ära erinnert.  Klänge zwischen Moderat, Nathan Fake und Caribou sind an jeder Ecke zu finden und werden kunstvoll ineinander verwoben. Seinen technoiden Höhepunkt findet das Album in dem vierten Track ‚Collider‚, dem absolut tanzbarsten Track der Platte. Doch dann wird der Schalter umgelegt und Jon Hopkins entzieht seiner Platte das Tempo.

Ambient und Stille herrschen jetzt da wo eben noch progressiver Techno wummerte. Die harten Bässe liegen nur ein paar Minuten zurück, und doch sind sie der Wahrnehmung völlig entfleucht. Frickelig und mit Liebe zum Detail schichtet John Hopkins auf dem restlichen vier Track von ‚Immunity‘ Spur für Spur übereinander und bastelt Songs an der Nahtstelle zur Geräuschmusik. Wenn auf ‚Abandoned Window‚ die erstmalig klaren Piano Klänge zusehends verrauschen und im Äther verpuffen, dann fühlt man sich an die großartigen Boards of Canada erinnert. Wie dieser Jon Hopkins so einen Bruch hinbekommt, einen Übergang, der gar kein Übergang sein will, bleibt ein Rätsel. Spätestens wenn sich das sanfte Säuseln des letzten Titels ‚Immunity‘ über eine knarzendes Mühlgeräusch legt, geht der Kopf komplett auf. Jon Hopkins macht weder Musik für die Party, noch für die Afterhour. Immunity ist ein Mikrokosmos, eine durchfeierte Nacht im Zeitraffer und durch seine dokumentarische Funktion schon fast Kunst. Ob man Jon Hopkins so viel konzeptuelles Kalkül unterstellen kann – man weiß es nicht. Was man ihm jedoch porblemlos attestieren kann, ist die Liebe zur Musik. Und die Sicherheit mit ‚Immunity‘ eines der interessantesten elektronischen Alben des Jahres abgeliefert zu haben.

Jon Hopkins – Immunity
VÖ: 31. Mai 2013, Domino Records, Goodtogo
www.jonhopkins.co.uk
www.facebook.com/jonhopkinsmusic

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Über den Autor

Fred ist 32 Jahre, wohnt in der Pop-City Damstadt und mag Hunde, Pizza und Musik.



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