Musik

Veröffentlicht am 3.07.2013 | von Monya

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KODALINE – In a Perfect World

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I can remember in the good old days
Where you and me, we used to hide away
Where the stars were shining
Or the sun was blinding our eyes

(Kodaline – Talk)

Kodaline‚ sind so eine Fernseh-Band. In einer etwas anderen Besetzung wurden sie Zweiter bei einer irischen Castingshow. ‚All I Want‚, der Hit ihrer Debut-EP ‚Kodaline‚, wurde in Grey‘s Anatomy gespielt. Und auch Boybandassoziationen sind mit dem Debutalbum ‚In a Perfect World‚ möglich – zum Beispiel mit Take That. Noch passender lassen sich sie Dubliner allerdings in die Schublade voller Bands wie The Fray oder The Script stecken. Gefühlsduselei, Kitsch, Vorhersehbarkeit.

All diese Gruppen haben sicher großartige Momente, in denen Feuerzeuge in die Luft gestreckt, fremde Menschen umarmt und Herzschmerzrituale mit reichlich Tränen und heißer Schokolade durchgeführt werden. Sie vereint jedoch der hohe Schmalzfaktor sowie (und das ist es, was dafür verantwortlich ist, dass Kodaline sich hier einzureihen haben) ein volles Plattitüden- und Phrasenschwein. So vonwegen „Life passes you by / Don‘t be wasting your time on you own“ im durchaus hübschen, Coldplay-artigen Opener ‚One Day‚. Oder „But if you loved me / Why‘d you leave me / Take my body / Take my body / All I want is / And all I need is / To find somebody / I‘ll find somebody“ im schon erwähnten ‚All I Want‚. Wahrscheinlich ist in Grey’s Anatomy etwas richtig Trauriges passiert, als das lief: Tod, Trennung, großes Oho, das Übliche.

High Hopes‚ ist dann wirklich schwindelerregend kitschig. Das ist nah am Würgereflex – und das Plattitüdenschwein platzt fast: „But the world keeps spinning / Yeah this world keeps spinning / How this world keeps spinning“ und, mit sanftem Pathos hinterhergeschoben, „around“. Es ist schon fast eine Frechheit, dass da nicht wenigstens ein Gospelchor randurfte.
After The Fall‚ erinnert mit seinem Klavier-Hook erneut an Coldplay. Textlich geht es jedoch trivialer zu und es findet sich wieder ein Schmankerl nach dem anderen: „People keep talking / But I can‘t hear a word they say / Life just keeps moving / The world gets stranger every day“. Der Refrain macht irgendwie Spaß, aber so ist das mit dieser Art von Kitsch ja zwischendurch immer mal.
Bei Songs wie ‚Big Bad World‚ oder ‚Pray‚ steckt schon Einiges im Titel – da braucht es nicht mehr viel Vorstellungskraft, um zu erahnen, was los ist. Wobei Letzterer durch gruselige Muse-Momente eventuell mehr Ekel evoziert, als zu erahnen gewesen wäre.

Es ist absolut vorstellbar, das Bild von Kodaline auf riesigen, Scheinwerfer-gefluteten Bühnen, ein Meer aus Feuerzeuglichtern in der vier Meter entfernten, durch Wellenbrecher im Zaum gehalteten Publikumsmasse. Trotzdem – oder gerade deswegen – ist dies ein plattes Debut, das mit fiesen Tricks Mitsing-Atmosphäre schafft und zartbesaitete Menschen, die es aufgrund eines begrenzten musikalischen Horizontes nicht besser wissen, einlullt. Ganz fies.

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Kodaline – In a Perfect World
VÖ: 21. Juni 2013 / Rca Int. (Sony Music)
www.kodaline.com
www.facebook.com/Kodaline

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