Musik

Veröffentlicht am 6.10.2013 | von Monya

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CHVRCHES – The Bones Of What You Believe

I’m in misery where you can seem as old as your omens
And the mother we share will never keep your proud head from falling
The way is long but you can make it easy on me
And the mother we share will never keep our cold hearts from calling

(CHVRCHES – The Mother We Share)

In ihrem Bandnamen, CHVRCHES, sticht das übercoole V wie die kultivierte Form des ausgelutschten Popsymbols ‚triangle‘ hervor. Mit dem Debütalbum ‚The Bones Of What You Believe‚ beweist das Trio um Sängerin Lauren Mayberry, dass es mehr als ein hippes Blog-Phänomen ist.

Synthiesounds, Lage über Lage, sind auf diesem Album glasiert, glänzend und trotzdem messerscharf. Von 80s Depeche Mode-Synthesizern zu 90s Trance-Parts ist jeder Ton so sauber und prägnant, dass in Kombination mit Drumpadschlägen und teilweise geloopten und gecroppten Vocals eine mitreißende Mischung aus Rhythmuselementen entsteht. Mayberrys glockenklare Stimme schwebt wie goldener Dunst über allem.

Dem Songwriting der drei Glaswegians wohnt durchweg ein Zauber inne – sie schreiben Popsongs, die sich unheimlich direkt anfühlen und geradewegs in die Gehörgänge schießen. Zugleich besitzen sie jedoch eine emotionale Tiefe, die überproduziertem, durch eine Gefälligkeitsmaschinerie geprügeltem Elektropop fehlt. Eigene Visionen und charakteristische Ausprägungen offenbaren hier ein erfrischendes, ungezwungenes Popverständnis. CHVRCHES bedienen sich alldessen, was trendy ist – inklusive fast-Dreieck – ohne wirklich auf den Zug aufzuspringen. Alles, was musikalisch überzogen oder doppelt glasiert – ja fast kitschig – wirkten könnte, wird durch seine Direktheit und Mayberrys feinfühlige, morbide Texte ungekünstelter Pop. Wenn Synthie und Beat ins Hyperaktive driften, bleibt trotzdem dieses Gefühl, dass das so sein darf, dass ungekünstelter Pop eben auch mal über die Stränge schlagen und sich an Glitzer fast verschlucken darf. Die Anzahl perfekter Hooklines auf diesem Album ist schier unzählbar.

The Mother We Share‚, ‚Lies‘, Gun‚ und ‚Recover‚ waren bereits vor Erscheinen des Albums veröffentlicht worden. Sie waren das Fundament des Hypes und die lange vor ‚The Bones Of What You Believe‚ gesteckte Messlatte. Diese lag hoch. Konzerte waren ausverkauft, Blogger und Kritiker hatten angebissen, ein Platz auf der BBC ‚Sound of 2013‘-Liste für sie reserviert. Mit diesem Album zeigen CHVRCHES, dass diese vier Songs keine Glücksgriffe waren. Alle zwölf Songs sind so unmittelbar, so ansteckend, dass jegliche Hoffnungen bestätigt werden.

Die vier erwähnten Songs verbindet eine gewisse Stürmischkeit aus turbulenten Synthies und schnellen Beats – bei ‚Gun‘ am präsentesten. ‚We Sink‚ mit ‚utz utz‘-Beat und Synthie-Wahnsinn, die im Refrain karamellisiert werden, fügt sich in dieses Schema ein. ‚Under The Tide‘ ebenfalls: Er ist einer von zwei Songs, die von Martin Doherty gesungen werden und gewinnt, obwohl dessen gesangliches Talent sicherlich weit weniger beeindruckend ist als das Mayberrys, dadurch an etwas Ruhe in der Hektik der Instrumentierung. ‚Science/Visions‚ ist dunkler und mystischer als der Rest der Platte und hat wieder einen frenetischen Touch – der durchgehend packend ist und großen Spaß macht, jedoch ab und zu durchbrochen werden muss, um nicht überladend zu werden.

Dies geschieht mit Songs wie ‚Tether‚, in dem die wenig zum Einsatz kommende Gitarre den Ton angibt, ‚Night Sky‚ und ‚Lungs‚, die den Synthie eher hintergründiger erklingen lassen und vor allem vom Beat getragen werden, und ‚You Caught The Light‚ (gesungen von Doherty), dem letzten und entspanntesten Song des Albums, der atmosphärisch um die Ohren rauscht.

Es gibt hier keine wirkliche Ballade, keine komplett ruhigen Momente. Und auch, wenn der Stressfaktor beim Hören des Albums manchmal stark ansteigt, überwiegt die Freude darüber, dass Mayberrys Stimme nicht ausgeschlachtet und -geschmachtet wird, sondern sich an einer kantigen Instrumentierung reibt. Es ist genau diese Symbiose aus hart und weich, Schwarz und Glitzer, die CHVRCHES so unwiderstehlich macht. Diese Band fährt den ‚bandwagon‘, sie springt nicht einfach auf.

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CHVRCHES – The Bones Of What You Believe
VÖ: 20. September 2013, Universal
www.chvrch.es
www.facebook.com/CHVRCHES

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