Kritik no image

Veröffentlicht am 2.12.2013 | von Tobias

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FRANCES HA – Filmkritik

Hast du schon mal aus Spaß gekämpft?

(Frances – Frances Ha)

Frances (Greta Gerwig) ist lebensfroh und lässt sich nicht unterkriegen. Ihren Lebenstraum als Tänzerin Erfolg zu haben, hat sie nicht begraben. Und das, obwohl sie mit 27 Jahren immer noch nur Tanzlehrerin ist. Stets gut gelaunt, genießt sie das Leben und ihre Wohngemeinschaft mit Freundin Sophie (Mickey Summer). Als diese aber auszieht, muss sich Frances neu orientieren und bekommt immer mehr das Gefühl, in jedem Lebensbereich die Älteste zu sein. Irgendetwas muss sich ändern. Aber wo fängt man an, wenn es scheint, als sei das Leben in eine Sackgasse geraten?

Vielen Dank, Noah Baumbach für diesen Film. Das Filmjahr 2013 war zwar reich gespickt an Filmhighlights aber ’Frances Ha’ sticht dabei nochmals besonders hervor. Schon bei seinen vergangenen Filmen etablierte er seine Liebe für skurrile Charaktere, die mit ihren Leben am hadern sind.

Eine der Besonderheiten des Films ist, dass er vollständig in schwarz weiß gedreht worden ist. Etwas das in der modernen Kinogeschichte eher selten vorkommt, hier aber ein willkommenes Stilmittel darstellt und einen klaren Kontrast zu dem vorhergegangenen Schaffen Baumbachs darstellt. Stilvoll wird jedes Bild sorgsam ausgelotet und verbeugt sich respektvoll vor der Ästhetik eines Woody Allens. Sein New York, wie im Film ’Manhatten’ gezeigt, wurde seitdem nicht mehr so melancholisch aber gleichzeitig lebendig dargestellt.

Thematisch behandelt der Film eine Spätpupertät, wie sie wahrscheinlich nur in der Generation 2.0 vorkommen kann. Unschlüssig über die Ziele im Leben wandelt Frances dahin, fast nie verliert sie ihren Lebensmut und ihre kindliche Naivität. Beim Schauen fallen sofort Gemeinsamkeiten zu dem deutschen Erfolgsfilm ’Oh Boy’ auf. Nicht nur ästhetisch, sondern auch thematisch fallen beide in den selbe Kategorie. Stand aber in ’Oh Boy’ die männliche Adoleszenz im Vordergrund wird in ’Frances Ha’ die weibliche Seite der Problematik beleuchtet.

Hauptdarstellerin Greta Herwig ist dann das Sahnehäubchen des Films. Gemeinsam mit Baumbach war sie mitverantwortlich für das Drehbuch. Sympathisch, aufgedreht, aber dann auch wieder tieftraurig verleiht sie Frances eine Stimme und damit auch den Problemen einer ganzen Generation. Die Symphatie mit der sie durch den Film trägt ist von der ersten Minute komplett einnehmend und steigert den Sehgenuss nochmals.

Bei der Musik hat sich der Regisseur dann ebenfalls eine besondere Note einfallen lassen. Die Musik von Nouvelle Vague – Held Georges Delerue wird immer mal wieder benutzt. Zusammen mit den restlichen Stilmitteln wird sich also extremst auf Klassiker der 70er Jahre bezogen. Die Eleganz mit der dies stattfindet lässt einen aber nicht zurückdenken an die guten alten Zeiten eines Godards oder Truffaut, sondern lässt einen mit dem Bewusstsein zurück, dass ein neuer Klassiker geschaffen wurde, an den in vielen Jahre auch kein Weg vorbeiführen wird.

Der Film des Jahres. Eine Komödie die den Ernst des Lebens ohne Kitsch, ohne Tabus und ohne Schnörkel beschreibt. Der Wunsch nach solchen Filmen ist groß und die Gier nach einem neuen Film von Noah Baumbach ist jetzt schon immens.

Regie: Noah Baumbach
Darsteller: Greta Gerwig, Mickey Sumner, Michael Esper
DVD-VÖ: 3.Dezember 2013, Ascot Elite Home Entertainment

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Über den Autor

Tobias ist 31, Schwabe aus Überzeugung, trägt aus Prinzip keine kurzen Hosen. Liebt Musik, Bücher, Filme und Schnitzel.



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