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Veröffentlicht am 7.01.2014 | von Eva-Marie

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MOGWAI – Rave Tapes

Mogwai veröffentlichen mit ‚Rave Tapes‚ ihr bislang achtes Studioalbum. Die Veröffentlichung ihres letzten Albums ‚Hardcore Will Never Die, But You Will.‚ liegt bereits drei Jahre zurück. Und was ist in diesen drei Jahren passiert? Unter anderem steuerten sie den Soundtrack zu ‚Les Revenants‚, eine französische Horror-Serie, bei. Schütteln sie doch diese eindrucksvollen musikalischen Schilderungen scheinbar einfach so aus dem Ärmel eines Bademantels.

Ganz so einfach ist das natürlich nicht, aber ihr Hang zur Dramaturgie ist unbestreitbar. Mit ‚Rave Tapes‘ nehmen sie aber ein bisschen den Druck heraus, wirken ruhiger und gesetzter. Das macht das neue Werk aber nicht weniger spannend. ‚Heard About You Last Night‚ beginnt ganz zögerlich und im ersten Moment fühlt man sich an die Melodie von ‚American Beauty‚ erinnert. Behutsam gesellt sich zu dem sphärischen Tuten, ein tiefes Tacken, bis sich nach einer knappen Minute die Gitarre in Szene setzt. Auf einmal passiert ganz viel im Hintergrund. Es überrollt dich nicht, es nimmt dich mit. Genau das macht auch die erste Singeauskopplung ‚Remurdered‚, die diesmal nicht lange auf den Einsatz der Gitarre wartet, sondern damit beginnt. Das Schlagzeug wie beim Opener eher spärlich benutzt, baut sich der Song rhythmisch zuckend auf. Die E-Gitarre schnappt nach Luft im ruhig dahinfließenden Soundgewässer. Mogwai eben – die müssen nicht nach Innovation japsen, denn in ihrer nebligen Post-Rock-Landschaft gibt es noch genug zu entdecken.

Master Card‚ beginnt mit einem schon fast funkigen Gitarrenriff und verliert sich in dieser gewohnten Verdichtung verschiedener Klänge, die Mogwai einmal mehr als Prog-Rock-Band entlarven. Auf diesen Zug mag ‚Deesh‚ dagegen nicht so recht aufspringen und mutet durch den verzerrten elektronischen Sound gar etwas new-wavig an. ‚Blues Hour‚ ist das einzige Lied mit Gesang und könnte sogar auch ein Song von Air sein, nur mit ein bisschen zu viel Gitarre. Die Instrumentierung flächig, aber dennoch nicht aufdringlich, dazu eine tiefe, grazile Stimme. Voller mogwaischer Dramatik mündet es in einem schrammelig romantischen Saitengewitter, um in andächtiger Wortlosigkeit zu verpuffen. Es endet mit ‚The Lord Is Out Of Control‚ mit befremdlich verzerrtem Gesang, dessen Sprache nicht eindeutig zu fassen ist, in einträchtiger Erhabenheit. Mogwai sind älter geworden, über die Jahre gereift und scheinen ihrer Klangwelten noch behutsamer aufzubauen, als sie das je zuvor getan habe. Nach dem letzten der zahllosen Durchgänge von ‚Rave Tapes‘ im digitalen Plattenspieler, bleibt vor allem eins, die Vorfreude auf das nächste Mogwai-Konzert.

4von5

Mogwai – Rave Tapes
VÖ: 17. Januar 2014, Pias UK
www.mogwai.co.uk
www.facebook.com/mogwai

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