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Veröffentlicht am 26.02.2014 | von Sebastian Ladwig

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REAL ESTATE – Interview

Ich treffe Real Estate an einem sonnigen Montagnachmittag in Berlin. Von dem guten Wetter draußen bekommen Sänger Martin Courtney und Gitarrist Matt Mondanile nicht allzu viel mit. Sie sitzen den ganzen Tag auf der blauen Samtcouch ihrer Plattenfirma und haben einen Interviewmarathon zu ‚Atlas‚, ihrem dritten Studioalbum, vor sich.

Ist er das, der Traum vom Rockstarleben?
Matt: Im Moment empfinden wir nichts, das auch nur entfernt an einen Traum erinnert.
Martin: Wir hatten gestern bereits einen Interviewtag in Frankreich und morgen werden wir das gleiche in England tun. Da bleibt wenig Zeit, die ganzen Orte, die man so schnell nacheinander besucht, auch kennenzulernen.
Matt: Ich habe eine Zeit lang in Berlin gelebt, ein halbes Jahr ungefähr. Daher ist das heute nicht so schlimm. Wobei es schon schön gewesen wäre, die Stadt in Ruhe zu genießen und zu schauen, was sich verändert hat. Ich mochte es hier sehr.

Kommen wir zu eurem neuen Album. Wenn man sich durch eure Diskographie hört, glaubt man eine Evolution zu bemerken. Geht diese weiter oder habt ihr euren Sound nun gefunden?
Martin: Ja. Wir haben unseren Sound gefunden oder vielmehr herausgefunden was uns als Band ausgemacht und wurden besser darin, diese Band zu sein. Es fühlt sich aber durchaus nach Evolution an. Wir sind einfach besser darin geworden diese Band zu sein. Und werden auch weiterhin besser.

Die neue Single hat einen sehr analogen Sound. Wie habt ihr sie produziert?
Martin: Wir haben digital aufgenommen und dann auf Band gemischt. Wir haben viele alte Instrumente eingespielt, die den Sound der Platte prägen. Es geht nicht um Technologie. Wir wollten bei unserer ersten Platte unbedingt analog aufnehmen und unser Produzent damals meinte nur: „Seid ihr sicher? Das wird euch sehr, sehr viel Geld kosten.“ Wir haben uns dann schnell überzeugen lassen und das war auch gut so. Die digitale Technik ist mittlerweile so weit entwickelt und so gut, dass man kaum mehr Unterschiede hört.

Woher kam der Name des neuen Albums, ‚Atlas‘?

Martin: Einer Platte einen Namen zu geben, ist hart. Erst hat man nur eine Sammlung an Songs, die keinen Zusammenhang haben. Dann verbinden sie sich langsam und man bekommt ein Gefühl für das Album. Wenn man die einzelnen Punkte verbindet, erhält man eine Karte. Und von der Karte kamen wir dann auf Atlas. Atlas hat sich als Titel richtig angefühlt.

Stimmt es, dass mehrere von euch als Immobilienmakler, also in Real Estate gearbeitet haben?

Martin: Meine Eltern arbeiten in Real Estate, Matts Vater auch. Ich wollte es zunächst eine Zeit lang machen und dann schauen was kommt. Die Band würde offensichtlich keinen Erfolg haben, so viel war klar. Als wir dann im Haus meiner Eltern geprobt haben, haben sie uns vorgeschlagen, für sie zu arbeiten. Sie sagten: „Wir können euch richtige Jobs geben, ihr müsst neben der Musik auch etwas ernsthaftes machen.“ Wir dachten, es sei lustig in Real Estate zu Arbeiten und eine Band zu haben, die so heißt. Ganz so weit ist es dann glücklicherweise nicht gekommen.

Was für Musik habt ihr gehört, während ihr an Atlas gearbeitet habt?
Matt: Ganz unterschiedlich. Wir alle haben verschiedene Geschmäcker und hören unterschiedlichste Sachen, der Musikgeschmack jedes einzelnen ist in jeden Song geflossen. Es sind so viele verschiedene Einflüsse, die man gar nicht mehr herausfiltern kann. Aber genau so entwickelte sich ein eigener Stil.

Was sind eure Lieblingsbands der Stunde?
Martin: Das ist gar nicht so einfach zu beantworten, aber so ganz aktuell… The Twerps mag ich sehr.
Matt: Francisco Franco sind fantastisch. Auch so ein Bandname der schwer zu googlen ist.

Bei euch ist das ja nicht unähnlich.

Martin: Das stimmt, wobei ich mir dann auch denke: Wer gibt einen Bandnamen bei Google ein? Es ist ja nicht so, dass ich eine neue Band höre und dann denke: „Nun, ich werde mal den Namen googlen“. Selbst als wir vor ein paar Jahren unsere Bandwebsite erstellt haben, kam mir das schon fast antiquiert vor. Wer schaut da überhaupt drauf? All die relevanten Infos bekommt man auch schnell von den großen Plattformen.

Ihr seid mit Bands wie Deerhunter und Girls getourt? Entstehen da Freundschaften?

Martin: Klar! Wir haben mittlerweile sehr viele befreundete Bands. Unser Keyboarder spielte vorher für Girls, aber sie haben sich aufgelöst. Er spielt sogar Christophers (Owens, Sänger von Girls, Anm. des Verfassers) Keyboard. Vielleicht halten wir so sogar einen Teil des Girls-Spirit am Leben.

Auch ihr habt in eurer Geschichte auch personelle Umstrukturierungen erlebt.
Martin: ‚Days‘ haben wir ohne echten Schlagzeuger aufgenommen, Jason kam danach dazu und es fühlt sich komplett an. Wir sind nun die Band, die wir sein wollen.

Ihr seid alle aus New Jersey, mir fällt da immer als erstes Kevin Smith ein. Das greift wahrscheinlich zu kurz.
Matt: Nein, genau so ist es! Wie in den Filmen von Kevin Smith oder den 80er-Jahre-Comedies von John Hughes. Es war auf jeden Fall so.
Martin: Die Stadt in der wir aufgewachsen sind, war genau wie aus einem John-Hughes-Film. Derselbe Vibe, dieses kleinstädtische Ding eben.

Auf Days gibt es das Instrumental ‚Kinder Blumen‘. Was hat es mit dem Titel auf sich und wird es auf der neuen Platte wieder Stücke ohne Gesang geben?
Martin: Ja, wir haben wieder ein Instrumental auf der neuen Platte, das wir auch sehr mögen. Bei ‚Kinder Blumen‘ dachten wir an Hippies und Blumenkinder und fanden es irgendwie witzig einen deutschen Namen für einen der Songs zu haben.
Matt: Man hat uns aber schon darauf hingewiesen, dass der Name falsch geschrieben ist und wir keine Blumenkinder beschreiben, sondern die Blumen von Kindern. Aber was sollʻs.


Real Estate – Talking Backwards (Official Video) von domino

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