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Veröffentlicht am 14.03.2014 | von Jana

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HAUSCHKA – Abandoned City

Abandoned City‚ – Geisterstadt. Wie könnte man sich den betonernen, schweigenden Überresten menschlichen Lebens besser nähern als mit wortloser Kunst. Hauschkas Musik erzählt Geschichten verlassener Städte ohne Worte zu bemühen. Allein durch den Klang entsteht eine klaustrophobische Leere. Großes Kopfkino erzählt von vergangener Blütezeit und dem allmählichen Zerfall. Würdevolle und gespenstische Betongerippe ziehe vor dem inneren Auge vorbei. Die einzelnen Stücke von Hauschkas neuestem Werk ‚Abandoned City‘ tragen die Namen verlassener Städte – ‚Agdam‚, ‚Barkersville‚, ‚Elizabeth Bay‚, ‚Pripyat‚…und zu guter letzt wird die Frage gestellt ‚Who Lived Here‚?

Thematik und Spielweise unterstützen sich auf wundersame Weise auf Hauschkas neuestem Werk, denn Volker Bertelmann spielt nicht einfach nur Klavier, er präpariert es mit allerhand Dingen, von Alufolie über Tischtennisbälle bis hin zu Klebestreifen, um Klänge zu verfremden bis sie nahezu eine elektronische Kälte erreichen; man glaubt eine Snare und Becken zu hören, Synthieflächen und elektronisches Flirren. Es klackert und pluggert an allen Ecken und Enden. In der Ambivalenz zwischen der organischen Wärme des Klaviers und nahezu abweisenden Kälte mancher Klänge baut ‚Abandoned City‘ seine ganz eigene Spannung auf.

Es könnte so einfach sein ‚Abandoned City‘ unter Klaviermusik einzuordnen, würde es sich gedanklich nicht immer wieder aus diesem Korsett herauswinden, was an Volker Bertelmanns Umtriebigkeit liegen mag. In den 90er Jahren spielte er in der Indie-HipHop-Band God’s Favorite Dog, später experimentierte er unter verschiedenen Namen in Bereichen der elektronischen Musik, bis er schließlich wieder beim Klavier landete und auch hier zahlreiche Kooperationen mit Musikern aus den verschiedensten Richtungen eingeht. Volker Bertelmann kennt keine Genregrenzen, das merkt man auch wenn er über Musik spricht. Bewandert zwischen Indie- und Popmusik, Elektronik und Klassik scheint es wenig zu geben mit dem er sich nicht beschäftigt. Vieles davon nimmt hörbar Einfluss auf seine neueste Veröffentlichung. Und so scheint es nicht mehr all zu abwegig das Radical Face Album ‚Ghost‚ als Referenz anzuführen, dem ‚Abandoned City‘ gedanklich und atmosphärisch vielleicht näher steht als so mancher Klavierplatte.

5von5

Hauschka – Abandoned City
VÖ: 14. März 2014, City Slang
http://hauschka-net.de
www.facebook.com/HauschkaMusic

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