Kritik no image

Veröffentlicht am 29.03.2014 | von Sebastian Ladwig

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ONE – LEBEN AM LIMIT – Filmkritik

Ich glaube, dass jeder Autorennfahrer einmal zur Vernunft kommen muss, um mit diesem pubertären Sport aufzuhören.

(Nicki Lauda – One – Leben am Limit)

Die Formel 1 ist das wohl weltfremdeste, eskapistischste und infantilste Gebilde innerhalb des Profisports. Ob es überhaupt ein Sport ist, darüber lässt sich schon streiten. Schließlich erbringen die Maschinen unter den Hintern der exzentrischen Rennfahrertypen den Großteil der Leistung. Am Ende ist es ein Wettstreit nach mehr oder weniger klaren Regeln, also wohl auch ein Sport. Aber warum sollte man sich das anschauen? Zwei Dutzend selbstherrliche Machos fahren stundenlang im Kreis und am Ende reckt einer, von zwei Schönheiten auf die Wange geküsst, einen hässlichen Pokal in die Luft und gießt den Zweit- und Drittplatzierten Champagner in den Overall. So viele Phallussymbole und psychoanalytische Interpretationsansätze kriegt man zwar nicht mal in 90 Minuten Hitchcock, aber man muss ja auch die zwei Stunden Rennen davor ertragen.

Der Film ‚One‚ findet nun jedoch einen Zugang zur Formel 1, der dem gesamten Komplex, gerade angesichts seiner offensichtlichen Sinnlosigkeit, nahezu existentielle Tiefe verleiht. Er zeigt eine Sportart, deren Gier nach Geschwindigkeit und Grenzüberschreitung über die Jahre unzählige Tote gefordert und geradezu mutwillig in Kauf genommen hat. Regisseur Paul Crowder findet einen gut konsumierbaren Erzählfluss, der Archivaufnahmen mit aktuellen Interviews mit ehemaligen und aktuellen Fahrern, Funktionären und Mechanikern verbindet. Die Szenen sind oft unterlegt mit Rockmusik der portraitierten Zeit und wer sich in der Formel-1-Historie nicht perfekt auskennt, wird immer wieder unvermittelt aus der eigenen Komfortzone gerissen, wenn wieder ein Horrorcrash direkt ans Ende einer überästhetisierten Rennmontage zu den Klängen eines George-Harrisson-Songs geschnitten wurde. Dessen enger Freund Jackie Stewart gehört in seiner Reflektiertheit zu den großen Sympathieträgern des Films, während Charaktere wie Jacky Ickx eher durch ihre absurde Egozentrik faszinieren. Durch die vielen Interviews entsteht ein teilweise erfrischend kritisches Porträt des Rennzirkus, in dem sich irgendwann Speedjunkies und Vernunftraser gegenüberstanden und über eine fernsehtaugliche und weniger blutige Zukunft des Rennzirkus zu entscheiden hatten. Das ist hier und da etwas zu viel Gladiatorenkitsch, aber ein insgesamt spaßiges Eintauchen in einen Mikrokosmos, der wirkt, als wäre er von neunjährigen Jungs erdacht.

Am Ende präsentiert uns der Film eine etwas zu einfache Moral. So beschreibt etwa Ex- FIA-Präsident Max Mosley die Formel 1 als unverzichtbare Instanz für die Entwicklung höherer Sicherheitsstandards im Straßenverkehr und damit als Dienst an der Gesellschaft. Eine These, die nur ein Motorfanatiker als nicht absurd empfinden kann. Und doch bleiben 90 Minuten unterhaltsamer Machoismo und Spaß an hochstilisierten Erste-Welt-Problemen. Über welchen Film lässt sich so etwas schon sagen?

Regie: Paul Crowder
Darsteller:  Jackie Stewart, Max Mosley, Michael Schumacher, Niki Lauda
DVD-VÖ: 28. März 2014, Universum Film GmbH

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