Kritik no image

Veröffentlicht am 6.06.2014 | von Tobias

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NEBRASKA – Filmkritik

Ich wusste gar nicht, dass der alte Bock Millionär werden will.

(Kate Grant – Nebraska)

Woody Grant (Bruce Dern), ein alter und leicht seniler Mann, fällt auf einen Werbebrief hinein. Von nun an unterliegt er dem festen Glauben, dass er eine Millionen Dollar gewonnen hat. Um seinen Gewinn in Empfang zu nehmen, möchte er nach Lincoln in Nebraska reisen. Schon mehrmals ist er zu Fuß losgegangen, aber immer von der Polzeit zurückgebracht worden. Schließlich erklärt sich sein Sohn David (Will Forte) dazu bereit, seinen Vater nach Nebraska zu fahren. Eine lange Fahrt beginnt, bei dem sie nicht nur einen kleinen Zwischenstopp in Woodys alter Heimat machen, sondern auch sonst an jeder Ecke etwas neues erleben und immer mehr Menschen treffen, die etwas von Woodys vermeintlichem Reichtum abhaben wollen.

Nebraska‚ war wahrscheinlich mit Abstand der beste Film, welchen man im letzten Jahre sehen konnte. Alexander Payne hat mit seinen vorhergegangen Filmen bereits die Kritiker überzeugt und zeigte sich als Kenner ruhiger Geschichten über menschliche Abgründe. In seinem neusten Werk, nimmt er uns mit auf einen Roadtrip der besondere Art.

Zunächst einmal ist zu sagen, dass die Erzählweise extrem langsam gehalten ist. Man taucht ein in das Hinterland der amerikanischen Gesellschaft und in einen dörflichen Betrieb, der schon fast komplett zum Stillstand gekommen ist. In diesem Setting erzählt der Regisseur in wunderbaren schwarz-weiß Bilder eine Geschichte über Vergänglichkeit, das Alt werden, Familie und Einsamkeit im Allgemeinen.

Viel Stoff also für einen Film, aber man wird auf keinen Fall erschlagen. Subtil werden die Themen angeschnitten. Kleine Sätze, Gesichtsausdrücke und Gesten, die stark nachwirken. Ein Film der immer wieder geschaut werden kann und immer neue Eindrücke und Gefühle vermittelt.

Bruce Dern ist wahrscheinlich das Highlight des Films und liefert hier am Ende seiner Karriere eine Glanzvorstellung ab. Hier kommt ganz klar zum Vorschein, wie ungerecht, die Traumfabrik manchmal sein kann und das Dern es keinesfalls verdient hat, all die Jahre in der zweiten Reihe zu agieren.

‚Nebraska‘ ist ein tiefsinniger Film geworden. Eine ruhige und nachdenkliche Geschichte, die uns den Abgesang des amerikanischen Traums vorzeigt. Nie verfällt er in ein kitschiges Klitsche oder stellt seine Figuren bemitleidenswert da. Jede Figur trägt eine tiefe Würde in sich, die den Zuschauer mitreißt und an der Geschichte dranbleiben lässt. Ein Werk, welches sich zum Lieblingsfilm entwickeln wird.

Regie: Alexander Payne
Darsteller: Bruce Dern, Will Forte, June Squibb, Bob Odenkirk, Stacy Keach
DVD-VÖ: 30. Mai 2014, Paramount

 

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Über den Autor

Tobias ist 31, Schwabe aus Überzeugung, trägt aus Prinzip keine kurzen Hosen. Liebt Musik, Bücher, Filme und Schnitzel.



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