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Veröffentlicht am 6.08.2014 | von Lisa

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ANGUS & JULIA STONE – Angus & Julia Stone

Well I hear you were (you were a lion)
About how brave you are
Well I hear you were (you were still trying)
Trying to get back to the start

And we won’t let it into the kitchen
No we won’t let it into the house
No we won’t let it through the front door
‚coz its burning our pretty little heart

(Angus & Julia Stone – Heart Beats Slow)

Irgendwie hatten sich die australischen Geschwister Angus & Julia Stone, die vor einigen Jahren die gesamte Indiepopwelt mit ihrem Harmoniegesang bezaubert hatten, leise und unsichtbar von den Musikbühnen dieser Welt geschlichen. Nach ihrem zweiten Album ‚Down The Way‚ 2011 wurde es still um die beiden – ob es Entfremdung war, kreative Differenzen oder einfach der Drang danach, einmal etwas alleine zu machen, ist vermutlich schwer nachzuvollziehen – eins ist jedoch klar: Angus & Julia Stone sind zurück. Ihr drittes schlicht nach ihnen benanntes Album erscheint dieser Tage, und bereits nach dem ersten Hören wird einem klar: die Pause hat den Beiden verdammt gut getan.

‚Angus & Julia Stone‘ produzierten die Geschwister mit Produzentenlegende Rick Rubin, der es schaffte, sie aus ihrer Versenkung zu locken, und entstanden ist ein reiferes, dunkleres Album als die beiden Vorgänger – und zum ersten Mal schrieben die beiden die Songs dafür zusammen statt getrennt. Ein Fakt, der den Songs sichtlich gut getan hat.
‚Angus & Julia Stone‘ ist bluesiger, hat Ecken und Kanten und schafft es, die Beiden von dem samtweichen Hippie-Folkpop-Harmoniegesang-Image zu befreien, das ihnen dank erfolgreicher Songs wie ‚Big Jet Plane‚ so lange anhaftete.

Bereits der Opener ‚A Heartbreak‚ zelebriert diese neugewonnene Freiheit auf wunderbare Art und Weise: eine rhythmische, bluesig dahingerotzte Hymne auf den Herzschmerz, die zum ersten Mal eine scheissegal-Attitüde freilegt, die man von den beiden sonst so sanftmütig wirkenden Australiern nicht gewohnt ist. Dahin sind die perfekten Harmonien – Perfektion ist hier eher nebensächlich, was die Songs eine völlig neue Authentizität gewinnen lässt.

Die neuen Songs sind rauher, fragmentierter, rockiger, und zeigen vielleicht zum ersten Mal das wahrhaftige Musikerherz der Beiden. Angus sonst so samtweicher Gesang darf auch mal wütend und bockig sein, wie im stampfenden, rockenden ‚Little Whiskey‚, und vorallem die Songs, auf denen die beiden zusammen zu hören sind, lassen eine neue Gelassenheit spüren.

Geblieben sind die hinreissenden Melodien und die sowohl einzeln als auch in Kombination so einzigartig wunderbaren Stimmen der Geschwister, aber gewonnen haben sie an Coolness und Griffigkeit. Songs wie das grossartige ‚Heart Beats Slow‚ mit seinem bluesigen Gitarrenlauf und dem melancholisch pluckernden Wechselgesang zeigen, wie grossartig das Zusammenspiel der Beiden ist, aber auch einzeln haben Angus & Julia ihre Momente, in denen man sich nicht entscheiden kann, wem man lieber zuhören möchte. Julias Paradebeispiel ist das düster-staubige ‚Death Defying Act‚, das sich trotz spärlicher Instrumentierung dank ihres herzzerreissenden Gesangs tief in die Hirnrinde einnistet, während Angus im letzten Song des Albums, dem wunderbar melancholisch-bluesigen Gitarrenschrammler ‚Crash And Burn‚, noch einmal alle Register zieht.

Bleibt einem nur übrig, dem guten Rick Rubin zu danken, der es nicht nur geschafft hat, die Geschwister zusammenzuführen, sondern auch noch mal eben das beste Album ihrer Karriere aus ihnen herausgekitzelt hat.

4von5

Angus & Julia Stone – Angus & Julia Stone
VÖ: 01. August 2014, Vertigo Berlin
www.angusandjuliastone.com
www.facebook.com/AngusAndJulia


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