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Veröffentlicht am 28.10.2014 | von Karola Szopinski

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DORIAN CONCEPT – Joined Ends

In den letzten Wochen hatte Oliver Thomas Johnson reichlich Grund zu feiern: der österreichische Produzent ist 30 geworden und hat als Dorian Concept seinen zweiten Longplayer ’Joined Ends’ veröffentlicht. Die Erfolgsgeschichte des blonden Wieners liest sich wie ein Web 2.0-Märchen: vom Schlafzimmerproduzenten, dessen nerdige Synthesizer-Spielereien auf YouTube große Aufmerksamkeit erregen, bis der musikalische Meinungsmacher Gilles Peterson auf sein Talent aufmerksam wird und Oliver weltweit Club-Auftritte vor begeistertem Publikum verschafft. Dieser kann zwar keine Noten lesen, beeindruckt jedoch durch ein hypnotisierendes Tastenspiel und mitreißende Tracks, die vor Experimentierfreude und musikalischer Verspieltheit nur so sprühen. Ständiger Begleiter und Steckenpferd von Dorian Concept ist dabei sein MicroKorg, ein kompakter Synthesizer und Vocoder. Mit breakigen Versatzstücken und Samples bastelt er Tracks jenseits von Genre-Definitionen, die einen nicht still sitzen lassen.

Für ‚Joined Ends‘, das auf Ninja Tune erscheint, hat der Produzent jedoch nicht nur sein MicroKorg gegen ein Wurlitzer E-Piano und analoge Synthies eingetauscht, sondern auch den stilistischen Kompass neu ausgerichtet und nach eigener Aussage ein neues musikalisches Kapitel aufgeschlagen. ’The Sky Opposite’ leitet das Album mit verheißungsvollen elektronischen Klängen ein, mündet aber ungewohnter Weise nicht in knarzenden Club-Bässen, sondern im androgynen Vocal-Gemurmel und hellen Glockenspiel der Single ’Ann River, Mn’. Auch ’Mint’ klingt nach dieser neuen, ungreifbaren Mischung aus leichtem, spielerischen Sound mit Überraschungs-momenten, die einen etwas ratlos zurück lässt. Denn die Tracks lassen den Biss, das Knarzige und der Tastenwahnsinn vermissen, in dem die spezielle Begabung von Dorian Concept so deutlich wurde.

Einzig ’Draft Culture’ sticht in meinen Augen aus einer Reihe von Songs, die drohen, in fröhlicher Beliebigkeit zu verschwimmen, heraus. Hier wird das anfänglich leichte Xylophonklimpern von satten Synthies ins Hier und Jetzt katapultiert und das Vocal-Geflimmer im Hintergrund dreht sich wie ein psychedelisch-buntes Mandala. Zwischen elektrisierendem Flickern und pulsierenden Kicks meint man, einen emsigen R2D2 herauszuhören. Der Track begeistert eben durch die Johnson’sche Fähigkeit, das Synthie-Chaos mit sich selbst Ringelreihe tanzen zu lassen.

Interludes wie ’Schadentrauer’ oder ’Do, Undo, Redo’ spiegeln die Liebe zum Detail und die Zeit, die in den 12 Songs auf ’Joined Ends’ steckt, wider.The Few’ und ’Tried (Now Tired)’ lassen den Spaß, den der Musiker beim Aufnehmen hatte, spüren und überraschen mit Brüchen und Richtungswechseln. Sie klingen jedoch so homogen, dass einen das Album hindurch das leise Gefühl von Fahrstuhlmusik beschleicht.

In einem Interview sagte Johnson einmal: „I’ve always been into music that is intense and crazy and kind of daring or that doesn’t try to get stuck up to one emotion or to one idea.„. Bleibt, zu hoffen, dass bei den heiß ersehnten Live-Auftritten mit zwei seiner besten Freunde wieder mehr von dieser Abenteuerlust zu hören ist.

3von5

Dorian Concept – Joined Ends
VÖ: 19. September 2014, Ninja Tunes
www.dorianconcept.com
www.facebook.com/dorianconcept

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