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Veröffentlicht am 25.03.2015 | von Dominik

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SIZARR – Interview

Schon vor ihrem Debütalbum ‚Psycho Boy Happy‚ galten die drei Jungs von Sizarr aus Landau als eine der aufregendsten Bands hierzulande und konnten schon sehr früh auf umjubelte Festival-Auftritte, ausverkaufte Konzerte und einen ausgewachsenen Hype um ihr lang erwartetes Debüt zurückblicken. Das Debüt kam und bestätigte die großen Erwartungen und führte die Band zurück in den Kreislauf aus Tourneen, Presseterminen und Festivalauftritten. Doch was kommt danach? Ist das „schwierige“ zweite Album wirklich die große Hürde für eine Band, die schon in solch jungen Jahren mit einer solchen Erwartungshalten zurecht kam? ‚Nurture‚ zeigt Sizarr gewachsen und gewohnt hochklassig – Grund genug die drei zum Bedroomdisco Interview zu bitten:

1.) Fakten

– Name: Sizarr
– Mitglieder: Fabian Altstötter, Philipp Hülsenbeck, Marc Übel
– Gründungsjahr: 2009
– Wohnort: Berlin, Hamburg, Frankfurt
– aktuelles Album: Nurture

2.) Fragenkatalog

– Wie habt ihr euch getroffen und in welcher Situation habt ihr beschlossen eine Band zu gründen?
Wir sind alle im selben Dorf (Godramstein bei Landau) aufgewachsen, kannten uns deshalb schon seit Kindergarten Zeiten. Marc und Philipp waren schon länger eng befreundet und haben mit 11 und 12 schon Musik gemacht. Ich (Fabian) bin 2009 offiziell dazu gestoßen und seit dem gibt es uns in dieser Konstellation.

– Wie habt ihr euch für den Namen Sizarr entschieden, was waren die anderen Alternativen und was bedeutet der Name für euch?
Wir wollten eigentlich nur einen Namen, mit dem man nicht direkt etwas assoziiert und haben uns deshalb ein paar Kunstwörter ausgedacht, von denen Sizarr dann der Gewinner war. An die anderen kann ich mich ehrlich gesagt gar nicht mehr erinnern!
Der Name hat keine besondere Bedeutung außer, dass er eben für unsere Band steht, was ich auch ganz gut finde.

– Ihr hattet schon relativ früh, bevor es überhaupt größer Songs, geschweige denn ein Album von euch gab große Auftritte und einen Hype um eure Band – wie kam das und wie habt ihr das empfunden?
Wir hatten einfach sehr großes Glück und sind früh auf die richtigen Leute getroffen. Die 4. oder 5. Show die wir überhaupt hatten war durch Zufall schon im Karlstorbahnhof und da hat uns der dortige Booker Martin Müller gesehen, der dann unser erster Manager wurde und uns den Leuten von Melt vorgestellt hat, weswegen wir dann dort spielen durften.
Das ging alles sehr schnell und war auch für uns sehr unerwartet aber wir waren so überwältigt von allem, dass wir gar nicht groß nachgedacht haben. Wir wollten ja auch alles spielen was wir dann angeboten bekommen haben!

– Wart ihr durch diese Erwartungshaltung vor dem Debüt schon an den Druck vor dem „schwierigen“ zweiten Album gewöhnt? Oder habt ihr diesen nicht bei der Produktion von ‚Nurture‘ gespürt?
Doch ich glaube dadurch, dass es beim ersten Album schon eine gewisse Erwartungshaltung gab, war es beim zweiten keine komplett neue Einstellung unsererseits. Wobei wir uns allerdings davon so gut es ging freigemacht haben, weil es uns nicht darum ging dem ersten Album nachzuliefern sondern uns weiter zu entwickeln und die Dinge, die wir bei der Produktion des ersten Albums gelernt haben und besser machen wollten umzusetzen. Der höchste Anspruch lag daher bei uns selbst.

– Bei der Veröffentlichung eures Debütalbums habt ihr ja auch noch alle unter einem Künstlernamen Musik gemacht – damit ist jetzt Schluss. Was hat sich mittlerweile geändert, dass ihr eure eigenen Namen nutzt und wie seid ihr davor zu den Künstlernamen gekommen?
Ich denke das hat damit zutun, dass das erste Album für uns noch sehr unter dem Stern stand ausbrechen zu wollen. Wir sind alle Jungs vom Dorf und waren damals sogar noch in der Schule und es war uns einfach zu eng dort und Musik war schon immer das Mittel um dem zu entfliehen. Das sollte alles so weit weg wie möglich vom Bisherigen sein.
Mittlerweile hat man sich denke ich wieder vertragen mit den Wurzeln, bzw. weiß das alles wieder mehr zu schätzen weil man mehr Abstand dazu hat.

– Während den Arbeiten an eurem Zweitwerk hat es euch ja auch in verschiedene Städte verschlagen – hat es den Prozess für euch dadurch sehr erschwert bzw. wie habt ihr die Distanz bewältigt und in welchen Abständen habt ihr am Album gearbeitet?
Nein die Anfänge waren immer noch in Mannheim und Heidelberg und aufgenommen wurde ja auch alles im Studio in Erfurt, an einem Platz also. Es war erst im späteren Prozess, dass wir alle umgezogen sind. Anders wäre es wahrscheinlich etwas schwieriger geworden. Ich denke den Einfluss, den es so jetzt hatte war eher von persönlicher Natur, dass wir uns durch die Unterschiedlichen Eindrücke und neuen Lebenssituationen alle noch mal ein ziemliches Stück weiterentwickelt haben.

– Wie arbeitet ihr normal an Songs, welche Schritte gibt es und wer übernimmt welche Aufgaben von euch? Oder sieht der Entstehungsprozess jedes Mal anderes aus?
Es gibt kein Rezept nach dem wir arbeiten. Wir funktionieren nicht wirklich im Proberaum jammend zusammen sondern jeder schreibt eher für sich selbst und es wird zusammen fertig gemacht. Bei diesem Album kam das Haupt Songwriting von mir und Philipp, so dass eine Basis für Songs da war und die haben wir dann gemeinsam fertig gemacht.

– Wie verlief die Produktion von ‚Nurture‘, was war der schönste Moment, was der schlimmste während der Produktion, wie kam es, dass ihr zwei Jahre dafür gebracht habt und was ist eure meisterzählteste Anekdote von der Produktionsphase?
Angefangen haben wir in Mannheim im Proberaum, weil wir dieses mal probieren wollten zu dritt zu schreiben. Das hat bedingt funktioniert und es sind eher nur Bruchstücke dabei zustande gekommen, die später zu Songs wurden. Dann haben wir wieder auf die alte Methode zurückgegriffen alleine Songs zu schreiben.
Aufgenommen wurde alles in Erfurt und der Rest wurde in Berlin bei Markus (unserm Produzenten) zuhause vervollkommnet.
Zwei Jahre klingt erst mal lange aber ist genau genommen ziemlich Standard für so einen Zyklus zwischen Alben. Wir haben ja auch nicht durchgehend zwei Jahre daran gearbeitet wir haben ja immer noch Shows gespielt und sind umgezogen und solche Dinge.
Die beste Zeit war eigentlich im Studio, weil man dort das Gefühl hat am meisten geschafft zu bekommen und tatsächlich ein Album zu machen, als einfach Songs zu schreiben.
Die schlimmste Zeit für mich war gegen Ende des Albumprozesses, weil ich mich dadurch, dass ich in relativ kurzer Zeit einen ziemlichen Umschwung in meinem Leben hatte auf ein mal überhaupt nicht mehr mit dem was ich für das Album getan hatte identifizieren konnte und mich irgendwie entfremdet hatte. Damit musste ich erst mal irgendwie klar kommen aber habe schließlich eine Einstellung dazu gefunden.

– In dem Promoschreiben zu ‚Nurture‘ steht, dass für euch die künstlerische Weiterentwicklung am wichtigsten ist – wie würdet ihr diese vom Debütalbum zum Zweitwerk beschreiben? Wo seht ihr noch Ausbaubedarf?
Ich denke die Songs als solche sind auf diesem Album besser geworden. Bzw. überhaupt welche geworden. Beim ersten Album war alles sehr konfus und zusammengestückelt für uns weil wir keine Ahnung vom Song schreiben hatten und jetzt war es das erste mal so, dass wir Songs auf einem Instrument geschrieben haben, die von vorne bis hinten so funktionieren und das war ein wichtiger Schritt.

– Eurer Sound hat sich beim neuen Album zum Debüt ziemlich geändert – wie würdet ihr das beschreiben bzw. welche Einflüsse haben dazu geführt?
Es ist alles viel organischer und Band mäßiger geworden. Vorher ist das meiste am Computer entstanden und deshalb klingt es auch nicht nach 3 Menschen. Dieses mal wollten wir eben auch nur das benutzen, was wir tatsächlich spielen können um auch Live mehr Freiheit und Authentizität zu erreichen. Das kam auch einfach daher weil wir viel mehr solche Musik gehört haben die gitarrenorientierter ist.

– Im Gegensatz zu vielen anderen Bands habt ihr euch auch bei ‚Nurture‘ zur wiederholten Zusammenarbeit mit Markus Ganter als Produzenten entschieden. Warum habt ihr euch dafür entschieden und könnt ihr Markus’ Stärken und eure Zusammenarbeit beschreiben?
Das Debüt war für uns alle das erste Album und wir haben ja zu der Zeit auch zusammen gewohnt, es war also schon immer ein freundschaftliches und kein business Verhältnis. Deshalb war es für uns ziemlich klar, dass wir das so beibehalten, weil wir uns einfach gut kennen und auch wussten wo wir ansetzen müssen oder was anders sein muss dieses mal und man da nicht erst miteinander warm werden muss sondern sich schon vertraut. Markus ist krass weil er eine extrem gute Arbeitsmoral hat und dafür schätze ich ihn sehr. Mir gefällt wie er an Dinge herangeht. 

– ‚Clam‘ ist unser Lieblingssong von ‚Nurture‘ – könnt ihr uns erzählen, worüber er geht, wie er entstand und ob es eine Geschichte hinter dem Song gibt?
Clam handelt von der Devotion, die man bestimmten Menschen gegenüber verspüren kann und in wie weit man sich von dieser leiten lässt. Das war einer der Songs, zu dem es ein Fragment aus dem Proberaum zu dritt gab und der sich dann aber in eine ganz andere Richtung entwickelt hat und auch einer der Songs, der zeigt was ich mit dem Band mäßig und gitarrenorientierteren Sound zuvor meinte.

– Auf eurem Debütalbum waren die Texte noch komplett auf deutsch, auf ‚Nurture‘ schleichen sich hier und da ein paar deutsche Worte ein – wie kommt es dazu bzw. habt ihr euch jetzt der deutschen Sprache auch beim Texten geöffnet im ersten Schritt?
Ich habe oft auf deutsch gedacht und dann die Texte auf englisch runtergeschrieben und kam dann an Punkte, wo sich die Gedanken einfach nicht so übersetzen ließen, wie ich es wollte und hab es deshalb deutsch gelassen. Ich finde das funktioniert ganz gut mit so einzelnen Wörtern oder Bruchstücken. Einen ganzen Text auf deutsch könnte ich mir für Sizarr jetzt nicht vorstellen.

– Welche deutsche Band, die auf deutsch singt findet ihr gut?
aktuell: Messer und Die Nerven; alt: Grauzone (sind aber Schweizer), Bärchen und die Milchbubis

– Ihr habt in jungen Jahren schon sehr viel Erfolg im Musikbereich gehabt – steht für euch damit fest, dass ihr bis auf weiteres Musik machen wollt, oder strebt ihr noch andere berufliche Ziele an bzw. baut euch noch andere Standbeine auf?
Für uns ist das alles nicht absolut. Wir wollen alle gerne noch Solo neben Sizarr Musik veröffentlichen und auch Zeit für andere Projekte finden. Wir sind generell sehr Froh den Weg in die Kunst als Solche gefunden zu haben und das ist glaube ich für uns alle der richtige Platz erstmal!

– Was habt ihr in 2014 gelernt?
Arbeit ist die wärmste Jacke

– Eure Top 3 Alben von 2015 bisher und warum?
Jan St. Werner – Miscontinuum Album
Eine quasi Elektronik-Oper von der einen Hälfte von Mouse On Mars mit illustren Gästen. Jede Sekunde überrascht und lässt einen staunend zurück.

Rob Jacobs – Rob Jacobs
Ziemlich frisch entdeckt und schnell lieb gewonnen. Ein sehr schönes Album durch und durch.

Sarah Louise – Field Guide
Ich höre ganz viel Gitarrenmusik momentan und Field Guide passt ziemlich gut zum Frühlingsvibe der bei mir in Hamburg diese Woche grad eingetreten ist.

– Welcher Song passt zu eurer aktuellen Situation?
Bärchen und die Milchbubis – Egal

– Welcher Song lässt euch immer tanzen, unabhängig von der Situation?
Liquid Liquid – Optimo

– Wie würde eure eigene „Bedroomdisco“ aussehen?
Nur ein Sitzplatz

– Wer hat den Fragebogen beantwortet?
Der allseits beliebte Raumfahrtpilot Salomon

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Über den Autor

Bedroomdisco-Gründer, Redaktions-Chef, Hans in allen Gassen, Golden Leaves Festival Booker, Sammler, Fanboy, Exil-Darmstädter Wahl-Hamburger & happy kid, stuck with the heart of a sad punk - spreading love for great music since '08!



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